Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Gewinnerin

Der Welt schon viel Plastik erspart

Susanne Meininger aus der Steiermark ist mit ihren Unternehmen VPZ Verpackungszentrum Graz und Packnatur Neudau Pionierin im Bereich kompostierbarer Verpackungen.(c) Bernhard Wieland
  • Drucken

Susanne Meininger, CEO der VPZ Verpackungszentrum GmbH, erzeugt kompostierbare Verpackungen.

Pro Jahr kommen in Europa für Lebensmittel rund 30.000 Tonnen an nicht kompostierbaren Kunststoffnetzen zum Einsatz. „Das ist eindeutig zu viel Plastik in unseren Abfällen“, sagte sich Susanne Meininger und tüftelte über Jahre hinweg an einer kompostierbaren Alternative. Resultat ist ein Netzschlauch aus Buchenholz. Das Produkt bescherte Susanne Meininger, Geschäftsführerin des VPZ Verpackungszentrum Graz und Packnatur Neudau, 2019 den großen Durchbruch. Rewe war die erste Supermarktkette, die Packnatur® Netzverpackung aus Buchenholz ins Sortiment aufnahm. „Mittlerweile sind wir in nahezu allen namhaften Supermarktketten erhältlich und verkaufen unsere Netzschläuche von den USA über Südafrika bis Neuseeland.

Aber mit der Verpackungsindustrie ist die gelernte Drogistin schon seit Kindheitstagen vertraut. „Mein Vater war Workaholic. Um ihn an den Wochenenden zu sehen, mussten ich und meine Schwester ihn in der Firma besuchen.“ Es arbeitete in einem Verpackungszentrum als Prokurist. Der damalige Firmeninhaber war wirtschaftlich nicht sonderlich begabt und ging in Konkurs. Auf Ansuchen der Mitarbeiter kaufte Helmut Meininger 1982 die Konkursmasse. 1989 übertrug er die Geschäftsführung an seine Tochter Susanne. „Ich hatte immer schon eine enge Beziehung zur Natur und beschäftigte mich viel mit Pflanzen. So lag es nahe, dass wir uns bereits Anfang der 1990er Jahren Gedanken über kompostierbare Verpackungen machten.“ Zu einer Zeit, in der das Thema noch nicht im Trend lag. Aber der Glaube, die Welt ein Stück zu verbessern, trieb die Unternehmerin an. Einerseits fokussierte man auf den Aufbau eines Sortiments biogener Handelsware. Parallel dazu investierte man intensiv in Forschungsprojekte in Kooperation mit Universitäten, Forschungsinstituten und -Unternehmen. Z. B. Schaumstoffe aus Meeresalgen oder Biokunststoff aus landwirtschaftlichen Abfällen. „Es gab damals schon Biokunststoffe, aber aus teuren Rohstoffen wie Zucker. Für uns war klar, dass sich das gegen herkömmlichen Kunststoll nicht bereit durchsetzen wird“, so Susanne Meiniger.

Unermüdlicher Foschergeist

Als besonders ergiebig entpuppte sich die 1999 begonnene Zusammenarbeit mit dem Biokunststoffexperten Manfred Kern, damals Geschäftsführer des Garnherstellers Borckenstein. Gemeinsam wurde die
optimale Faserqualität entwickelt. Reißfestigkeit, Feuchtigkeitsunempfindlichkeit, Lebensmittelechtheit und Kompostierbarkeit überzeugen. Die Faser wird von der Lenzing AG bezogen, Weltmarktführer im Bereich holzbasierter Spezialfasern.
„Wir haben bis heute 330 Millionen Verpackungseinheiten in den kompostierbaren Netzen abgepackt und konnten der Umwelt damit mehr als 1000 Tonnen Plastik ersparen“, berichtet Meininger. Die Zellulosefaser ist innerhalb zwölf Wochen biologisch abbaubar und ist in Europa und USA Home-Compost zertifiziert. Da ist es dann auch keine große Überraschung, dass die kompostierbaren Netzverpackungen mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurden.

Inzwischen hat Susanne Meininger in Neudau die Produktionsfirma
Packnatur gegründet, in der die buchenholzbasierten Zellulosenetzschläuche hergestellt werden. Die Firma hat dem Konkurs von Borckenstein viele Fachkräfte übernommen und eine zweite Produktionshalle errichtet. Bis heute ist die Investition in Forschungsprojekte fixer Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Ein interessantes Projekt ist etwa die Herstellung biogener Klebstoffe für Etiketten, damit auch die Kennzeichnungen der Netzschläuche kompostierbar sind. Neuester Hit: „Unsere Produkte werden stark von biobewussten Konsumenten nachgefragt und um den Umstieg von Plastik auf naturbasierte Verpackungen weiter zu erleichtern, haben wir für den losen Verkauf von Gemüse und Obst einen zellulosebasierten Mehrwegbeutel entwickelt - Packnatur® Pick Pack.“

www.vpz.at

Auf den Punkt

"Frauen in der Wirtschaft fehlt oft der Mut, sich und ihre eindrucksvollen Leistungen in den Vordergrund zu stellen. Der Unternehmerinnen Award bestärkt unsere engagierten Unternehmerinnen und würdigt die Leistung für Wirtschaft und Gesellschaft in der Öffentlichkeit." - Petra Schumich, Landesvorsitzende FiW Burgenland(c) Jens Krauss
"Unternehmerinnen haben auch in diesen schwierigen Jahr wieder außergewöhnliche Erfolgsgeschichten geschrieben. Der Unternehmerinnen Award repräsentiert die ganze Vielfalt und Stärke unseres weiblichen Unternehmertums." - Astrid Legner, WK-Kärnten-Vizepräsidentin und Landesvorsitzende FiW Kärnten(c) Roman Huditsch Fotografie

Information

Wettbewerb. Der Unternehmerinnen-Award hat schon Tradition: „Die Presse“ und Frau in der Wirtschaft (FiW) zeichnen heuer bereits zum achten Mal die besten Unternehmerinnen Österreichs aus.

Der Unternehmerinnen-Award, unterstützt von der Wiener Städtischen Versicherung und The Ritz-Carlton Vienna, wird in fünf Kategorien vergeben: Besondere unternehmerische Leistung, Innovation, Gründung und Start-up, Export sowie Social Entrepreneurship. Die Jury besteht aus Francine Brogyányi (Managing Partner, DORDA), Christine Dornaus (Vorstandsdirektorin, Wiener
Städtische Versicherungsverein), Theresa Imre (Founder & CEO markta.at), Eva Komarek (General Editor for Trend Topics, Styria Media Group), Mariana Kühnel (WKÖ-Generalsekretär Stv. Mariana Kühnel), Rainer Nowak (Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer „Die Presse“) sowie Martha Schultz (WKÖ - Vizepräsidentin und Bundesvorsitzende, Frau in der Wirtschaft).