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Die Ich-Pleite

Cooling-Down-Tipps

Carolina Frank
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Man kann den Chef natürlich nicht lang allein lassen. Wem soll er dann die Welt erklären?

Es gibt ja immer etwas, über das man sich ärgern kann. Über das E-Moped, das einen fast vom Gehsteig kickt, über die Telefonschleife, die einen hängen lässt, oder den Mitbewohner, der einfach den Geschirrspüler nicht findet. Aber man kann auch ein ganz normales Meeting nehmen, bei dem der Chef zuerst mit seinem Handy spielt, dann Nase bohrt und zum Schluss sagt: „Da sehe ich noch gar nichts.“

Ausflippen wäre menschlich, sagen Psychologen, und nicht einmal das Ungesündeste. Aber sie raten trotzdem davon ab. Außer vielleicht, man hieße Elon Musk, Jeff Bezos oder Dietrich Mateschitz. Für uns andere haben sie ein paar Cooling-Down-Tipps. Ein Glas kaltes Wasser trinken soll zum Beispiel helfen, weil die Kälte den für Entspannung zuständigen Vagusnerv stimuliere. Manche würden es vielleicht lieber mit kaltem Bier versuchen, aber da hätte man wieder das Risiko des Kontrollverlusts. Sprich: Das Reptiliengehirn gewinnt die Oberhand. Und wenn es ein Tyrannosaurus war, kann das mit einer Klage enden. Aber man kann es auch mit Bewegung probieren. „Abstand gewinnen“, sagt der Ratgeber.

Man könne die Toilette aufsuchen. Das finde ich auch gut. Darin könnte man sich sogar einschließen, bis das Meeting vorbei ist. Aber man kann den Chef natürlich nicht so lang allein lassen. Wem soll er dann die Welt erklären? Es bestünde die Gefahr, dass er sich ärgert. Und niemand weiß, ob er sein Reptiliengehirn im Griff hat. Deshalb bin ich fast für Tipp Nummer drei: Atemübungen. Einfach nur immer doppelt so lang ausatmen wie einatmen. Das kann man ganz unauffällig machen. Während der Chef Kurznachrichten verschickt oder durch einen hindurchschaut. Das einzige Problem ist: Das könnte einen so entspannen, dass man im Meeting einschläft. 

("Die Presse Schaufenster" vom 17.06..2022)