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Förderung

Geldregen für Mikrobiologie, Mathe und Mikroskop

Der Schwerpunkt der diese Woche vergebenen Start-Preise des Wissenschaftsfonds FWF liegt auf Naturwissenschaften und Technik. Sechs Jahre lang können die Ausgezeichneten nun ohne finanzielle Sorgen forschen.

Gleich sieben Forscherinnen und Forscher hatten am Mittwochabend etwas zu feiern: Neben der Verleihung des Wittgenstein-Preises an die Mikrobiologin Christa Schleper von der Universität Wien („Die Presse“ berichtete) erhielten auch sechs Nachwuchswissenschaftler?innen mit dem Start-Preis des österreichischen Wissenschaftsfonds FWF eine Fördersumme von jeweils bis zu 1,2 Millionen Euro für ihre Forschungsprojekte. Diese wurden aus 99 eingereichten Anträgen ausgewählt.

Das Start-Programm ermöglicht den Ausgezeichneten, auf längere Sicht und finanziell abgesichert ihre Forschung zu planen und eine Arbeitsgruppe aufzubauen. Heuer gingen zwei der Karriere-Booster an die TU Wien (Sandra Müller, Stefan Pflügl), einer an die Universität Wien (Petra Sumasgutner), einer an die TU Graz (Marcus Ossiander), einer an die Universität Salzburg (Elfriede Dall) sowie einer an das Ludwig-Boltzmann-Institut für Neulateinische Studien in Innsbruck (William Barton). (cog)

William Barton (Ludwig-Boltzmann-Institut für Neulateinische Studien, Innsbruck) widmet sich dem auf Altgriechisch verfassten Tagebuch des Gräzisten Karl Benedikt Hase (1780–1864). Er hat neun Bände (ca. 2500 Seiten) der verschollen geglaubten Schrift entdeckt und will sie mithilfe von künstlicher Intelligenz analysieren.

Elfriede Dall (Department für Biowissenschaften und Medizinische Biologie der Uni Salzburg) erforscht das Enzym Legumain, das üblicherweise fremde Proteine (etwa von Krankheitserregern) zerschneidet, und zwar in ganz bestimmten Zellorganellen. Wenn es an anderen Orten der Zelle aktiv wird, ist das ein Indiz für Krebs oder Alzheimer.

Sandra Müller (Institut für Diskrete Mathematik und Geometrie der TU Wien) will in ihrem Projekt die theoretische Basis der Mathematik erweitern (siehe oben). Dazu verknüpft sie zwei verschiedene Ansätze enger miteinander: große Kardinalzahlen und das Determiniertheitsaxiom (Gewinnstrategien in Zweipersonenspielen).

Marcus Ossiander wechselt für sein Start-Projekt von der Universität Harvard (USA) an die TU Graz. Sein Ziel ist es, extrem kleine und ultraschnelle Vorgänge zu messen – etwa wie ein Photon von einem Atom absorbiert wird. Er will dazu sehr dünne Nanomaterialien als Linse nutzen, um damit ein Mikroskop zu realisieren.

Stefan Pflügl (Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften der TU Wien) hat vor, mithilfe eines Bakteriumsaus CO2 energieeffizient verschiedene chemische Produkte herzustellen. Im Visier hat er das Acetobakterium woodii, das über einen 3,5 Milliarden Jahre alten Stoffwechselprozess verfügt.der Uni Wien, Grünau im Almtal) untersucht in ihrem Start-Projekt, wie Störungen durch den Menschen die Nahrungssuche von Tieren beeinflussen. Dazu analysiert sie unter anderem das Verhalten von Kolkraben in Grünau und Sumpfohreulen auf einer Galapagos-Insel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2022)