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Profiler

Der geschulte Blick in die Seele

Details in der Körpersprache können ausgebildeten Profilern viel verraten.
Details in der Körpersprache können ausgebildeten Profilern viel verraten.Getty Images/iStockphoto
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Das Deuten kleinster Regungen ist in der Wirtschaft genauso gefragt wie bei der Polizei oder Medien.

Spätestens seit dem „Schweigen der Lämmer“ ist der Beruf des Profilers einem breiten Publikum bekannt. Doch meist geht es um spektakuläre Kriminalfälle, bei denen Täter mittels Profiling durchleuchtet werden.

Profiling ist längst im Wirtschaftsleben, im Sicherheitswesen, in der Politik und im Mediengeschäft angekommen. In Österreich wird nur eine einzige von der WKO anerkannte Ausbildung zum zertifizierten Profiler angeboten: Von der Kriminologin, Betriebswirtin für Wirtschaftskriminalistik und -kriminologie Patricia Staniek und ihrer Profiling-Taskforce. Staniek hat Kriminal-Profiling, das polizeiintern als „operative Fallanalyse“ bezeichnet wird, erlernt. Bei der von ihr angebotenen Aus- und Weiterbildung steht jedoch die Analyse des minimal wahrnehmbaren Verhaltens im Fokus. Die Ausbildung zum Certified Profiler dauert, auf 22 Tage verteilt, ein Jahr. Hinzu kommen Peer-Lernen, Selbstlernen und vertiefende Aufgaben. „Man erlernt Exzellenz in tiefer Menschenkenntnis. Das beginnt mit einem Seminar, bei dem es um das Thema Emotionen geht. Das ist eine Grundlage unserer Form der Verhaltensanalyse“, umreißt Staniek die Inhalte. „Es geht um Facial Action Coding System, bei dem die kleinste Gesichtsmimik vieles über verborgene Emotionen verrät, und um Körpersprache. Process Communication lässt den Profiler erkennen, ob das Gegenüber ein Logiker ist, ein Beharrer, ein Träumer oder ein Rebell.“ Auch kriminaltechnische Themen kommen nicht zu kurz. Gruppendynamik, Vernehmungsstrategien und -taktiken, forensische Linguistik und weitere Themen runden das Programm ab, das mit ISO-Zertifikat abschließt. Personalberaterin und -vermittlerin Petra Maringer, die unter anderen für Trenkwalder im Bereich der Human Resources tätig war, weiß um die Bedeutung von Profiling-Methoden: „Die Personalauswahl ist nicht nur auf die Fähigkeiten beschränkt, sondern bezieht die Persönlichkeiten und Werte des Unternehmens bzw. des jeweiligen Teams mit ein.“

 

Auswahl von Führungskräften

Besonders bei der Auswahl von Führungskräften unterstütze Profiling, „denn sie sollten nicht ihren eigenen Weg verfolgen, sondern den des Unternehmens. Agile Führungskräfte zeichnen sich nicht durch Autorität aus, sondern durch Empathie und Wertschätzung für ihre Mitarbeitenden und unterstützen ihr Team bei der Zielerreichung.“ Das generelle Ziel von Profiling in Form einer Verhaltensanalyse sei, ein umfassenderes Bild des Kandidaten zu bekommen und Überraschungen zu vermeiden.

Wer ins Thema hineinschnuppern möchte, dem steht ein „Spezialtag“ des Seminaranbieters „ihm“ mit dem bekannten Kriminalpsychologen Thomas Müller in Wien am 29. November offen. Der Experte gibt Einblicke in Profiling-Methoden beim Recruiting, die Anwendung beim eigenen Personal, Change Management und firmeninterne Sicherheitsbeurteilungen (Kosten: ab 1395 Euro).

Ein Blick ins Ausland zeigt: In Deutschland erfolgt die Weiterbildung für Polizisten intern beim Bundeskriminalamt. Noch komplizierter ist die Ausbildung beim amerikanischen FBI, das zumindest einen Bachelor – besser: einen Universitätsabschluss –, bevorzugt in den Bereichen Psychologie, Kriminologie oder Soziologie, als Voraussetzung verlangt.

Die nächste Ausbildung zum zertifizierten Profiler startet am 3. November und kostet knapp 8000 Euro. Die Teilnehmerzahl ist auf 14 Personen beschränkt. Eine gute Basis, aber keine Voraussetzung, ist das Studium der Kriminalistik an der Universität Wien, bei dem Profiling allerdings nicht auf dem Lehrplan steht.

Web:www.patricia-staniek.com
www.ihm.at

INFORMATION

Ein Profiler schätzt anhand diverser Parameter das Verhalten einer Person ein. Im Zuge einer Gesprächssituation oder anhand von Videos werden Mimik und Körpersprache analysiert und unbewusste Emotionen enttarnt. So können Persönlichkeitstyp und mögliche Störungen erkannt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2022)