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Salzburger Festspiele

Dieses Theater will alle erlösen

Vater und Mutter sind tot, jetzt müssen Felix und Charlotte ihre Eltern spielen: Devid Striesow und Ursina Lardi in Thorsten Lensings „Verrückt nach Trost“.(c) Armin Smailovic
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Das Spiel von Mama und Papa endet im Altersheim. Dazwischen: viele Verwandlungen: „Verrückt nach Trost“ von Thorsten Lensing, ein geistreiches, oft witziges neues Stück, leider mit Längen.

„Vater und Mutter, beide tot, mit sieben Monaten Abstand, er bei der Zeugung, sie bei der Geburt“, heißt es einmal im atemlosen Fluss von Samuel Becketts „The Unnamable“ (1953). An diese trostlose Kurzbeschreibung einer Existenz denkt man bei einer Schlüsselszene von Thorsten Lensings nun in Salzburg uraufgeführtem Stück „Verrückt nach Trost“.

Die Szene zeigt die Begegnung eines Tauchers mit einem Oktopus, den Ursina Lardi ohne viel Verkleidung spielt, einfach indem sie ihre vier Gliedmaßen so rund und geschmeidig bewegt wie ein Oktopus seine acht Arme. „Wir sind alle Waisenkinder. Mein Bruder ist damit nicht klargekommen“, sagt sie: „Unsere Mütter sterben nach unserer Geburt und unsere Väter müssen gleich nach der Zeugung dran glauben. Meine Eltern konnten mir nichts beibringen. Ich musste bei null anfangen.“
Kurz davor hört man einen knapperen, stilistisch eher an Beckett erinnernden Dialog. „Bist du allein?“, fragt der Taucher. „Ja, sehr“, antwortet der Oktopus. „Ich auch“, sagt der Taucher. „Sind wir Oktopusse alle. Wir sind Einzelgänger. Einsiedler. Solisten“, sagt der Oktopus. Darauf der Taucher: „Meine Frau hat vergessen, mich zu verlassen.“