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Salzburger Festspiele

Abgesang auf eine alte Welt

Ein beglückender Kammermusikabend im Mozarteum: Renaud Capuçon und Freunde spielten Strauss und Mozart.

Fix hat man schon mit dem erquickten Theaterdirektor La Roche gerechnet: „Bei sanfter Musik schläft sich's am besten!“ Aber dann kam einfach Beifall – befand man sich doch im Mozarteum, nicht in einem Opernhaus. Das Streichsextett aus Richard Strauss' „Capriccio“ stand eingangs auf dem Programm. Und zwar nicht nur das eigentliche Vorspiel bis zum Aufgehen des Vorhangs, sondern auch die Fortsetzung: Da wird das Sextett als Teil der Handlung aufgeführt, zum Pläsier der Gräfin – hier freilich ohne die leise Unterhaltung der Rivalen Flamand und Olivier.

Elegantes, stark verzweigtes Stimmengeflecht, das stets harmonisch sich aneinander emporrankt, zart erblüht. Ein auf unbedingte Kantabilität zielender Primgeiger wie Renaud Capuçon phrasiert da gleich einmal innig über die Sechzehntelpause am Beginn des zweiten Taktes hinweg – und seine Freunde Christoph Koncz, Gérard Caussé, Veronika, Clemens und Julia Hagen singen betörend mit. Plötzlich jedoch erregte Tremoli, heulende Figuren und dramatische Solokaskaden: Nur mit Mühe kann die Musik sich aus diesen schmerzlichen Gefilden wieder auf den gelösten Tonfall des Beginns einschwingen. Es ist, als habe Strauss hier sehr wohl einen Blick aus dem geheizten Komponierstübchen hinaus geworfen, die realen Gräuel von Nazidiktatur und Weltkrieg von fern erblickt, sich mit Schaudern abgewendet und die Flucht in die Kunst angetreten.

Mozarts herrliches g-Moll-Quintett

Danach, im Sextett auf der Bühne, erklingen die Motive transponiert, variiert, teils zum Verwechseln ähnlich und doch anders. Damit reicht er den eigenen, 1945 abgeschlossenen „Metamorphosen“ die Hand, die in der rekonstruierten Septett-Urfassung mit Alois Posch am Bass erklangen: ein wehmütig aufrauschender, sich immer wieder verwandelnder Abgesang auf eine alte Welt, für Strauss untergegangen mit den zerbombten Opernhäusern Münchens, Dresdens und Wiens. Lebendige, fesselnde Wechselreden auch dazwischen, in Mozarts herrlichem g-Moll-Quintett: nicht bis zum schlafwandlerischen Einverständnis aufpoliert und geglättet, sondern immer spannungsvoll, wie aus dem Moment geboren. Herzlicher Jubel.