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Hausgeschichte

Bootshaus am Attersee: Von der Garage zur Suite

Das Bootshaus in Nußdorf am Attersee.
Das Bootshaus in Nußdorf am Attersee.Philipp Braun
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Wie die Architektin Katharina Fröch und der Investor Christian Ebner das historische Bootshaus der Villa Ransonnet am Attersee - heute Grafengut - in Szene setzten.

Wasser, Holz, Seeblick – und ein paar Minuten: gestresste Seelen finden in traditionellen Bootshäusern schnell in den Ferienmodus. Wie anderen „Garagen“ ihrer Art tut man ihr aber unrecht, sie darauf zu reduzieren. Die immer in Holz, oft in Lärche ausgeführten Gebäude vermitteln nämlich eher Ursprünglichkeit, Geborgenheit und Idylle statt Parkhausflair – und so wundert es nicht, dass einige von ihnen zu Wohnraum umgestaltet wurden.


Paradies auf der „sauren Wiesn"

In Nußdorf am Attersees befindet sich so eine Perle. Bekannt ist vor allem die Villa dahinter: Der Diplomat und Maler Eugen Ransonnet (1838–1926) gilt als erster Sommergast, der sich in Nußdorf eine Villa errichtete. 1870 steckte der Tourismus noch in den Kinderschuhen, der heutige Park galt als wertlose „saure Wiesn“. Ransonnet aber sah den Erholungswert. Der Vordenker kaufte das Grundstück, errichtete die Ransonnet-Villa und bepflanzte das 13.000 m2 große Areal mit exotischen Pflanzen.
Heute spenden riesige Scheinzypressen genauso Schatten wie Sommerlinden oder eine mächtige, sechsstämmige Zeder mit einem Stammumfang von sieben Metern. Ab Mitte des vorigen Jahrhunderts erholten sich hier dann Theologen vom Linzer Priesterseminar und gönnten vielen Pflanzen am Ufer ihre Freiheit. „Man hat kaum auf den See gesehen. Alles war zugewachsen“, erinnert sich Christian Ebner.

Wasser, Holz und Sonne: Die Fassade vom See aus betrachtet.
Wasser, Holz und Sonne: Die Fassade vom See aus betrachtet.Philipp Braun

Argusaugen beim Dachbodenausbau

Der damalige Strabag-Vorstand und jetzige Immobilienentwickler, Investor in Start-ups und Kunstsammler kaufte das Anwesen 2002 und wandelte es in das Seminarhotel Grafengut um.
Ursprünglich sah er das Bootshaus für den Eigenbedarf vor. „Ich war immer fasziniert von diesem Kraftplatz und wusste, ich muss etwas tun, damit ich länger hier bleiben kann. Es hat funktioniert“, sagt Ebner. Für den Umbau engagierte er die Architektin Katharina Fröch (Projektleiterin im Atelier Gustav Peichl). Die Herausforderung war, dass an der Hülle nichts verändert werden durfte. „Am Attersee wird mit Argusaugen geschaut, was mit den Bootshäusern passiert. Wir durften nur minimal in die Bausubstanz eingreifen“, sagt Fröch.
Im ausgebauten Dachboden entstand daher mit minimalen Adaptionen ein maximal angenehmes Appartement. „Meistens nutzen es Hochzeitspaare, aber auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen oder Sternekoch Max Stiegl waren schon hier“, verrät Ebner.

Blick ins Appartement, für dessen Ausbau 130 Jahre altes Holz eines abgetragenen Bauernhauses verwendet wurde.
Blick ins Appartement, für dessen Ausbau 130 Jahre altes Holz eines abgetragenen Bauernhauses verwendet wurde.Philipp Braun

Fenster zum See

130 Jahre altes Holz von einem abgetragenen Bauernhof in der Steiermark verleiht dem Raum nun Behaglichkeit und stellt die Verbindung zur Natur her. Vorhänge gibt es keine, nichts soll den Blick auf den türkis schimmernden See und das Höllengebirge trüben. Im kleinen Bad reflektieren türkise, weiße und blaue Mosaiksteine die Verbindung zum Wasser. „Wir haben bewusst keinen Spiegel über dem Waschtisch angebracht, sondern ein Fenster, um in den Park und auf das Wasser schauen zu können“, sagt Frösch.
Weitere natürliche Lichtquellen sind rar, dennoch ausreichend: Eine Deckenlichte lässt Sonne in die Küche, der Balkon wird von der Morgensonne in ein zauberhaftes Licht getaucht und zieht – man muss fast sagen sirenengleich – den Gast ins Freie. Man könnte auch vom hohen Bett, das zusätzlich Stauraum ermöglicht, den Blick ins Freie schweifen lassen. Auf dem Balkon, direkt über dem türkisen Wasser, läuft der Countdown zum Wohlfühlfaktor aber vermutlich schneller.

Zum Ort, zum Objekt

Die 1110-Seelen-Gemeinde Nußdorf am Attersee (OÖ) wurde ab 1850 vom Tourismus entdeckt, die Villa Ransonnet samt Bootshaus wurde 1873 von Eugen Freiherr von Ransonnet-Villez in Auftrag gegeben, 2002 zum Seminarhotel/zur Suite umgebaut.
Häuser kosten im Bezirk Vöcklabruck in (sehr) guter Lage durchschnittlich 2300 Euro/m2.