Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Raumfahrt

Technische Probleme: Start der Mission "Artemis" abgebrochen

Artemis I
Artemis IIMAGO/UPI Photo
  • Drucken

Der für Montag geplante Start der neuen Schwerlastrakete "Space Launch System“ wurde abgesagt. Die Raumkapsel "Orion" sollte in der Folge den Mond umrunden - als neuer Anlauf der USA, eine bemannte Mission zum Mond zu schicken.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa wollte mit dem für Montag angesetzten ersten Start ihrer neuen Schwerlastrakete "Space Launch System" (SLS) und der Raumkapsel "Orion" einen großen Schritt in Richtung ihrer neuen Mondambitionen machen. Im Rahmen der Mission "Artemis I" sollte das Raumschiff um 14.33 Uhr (MESZ) in Cape Canaveral starten und auf einem unbemannten, sechswöchigen Testflug um den Mond und zurück zur Erde fliegen. Doch dazu kam es nicht. Das Wetter spielte zwar mit, doch technische Probleme sorgten erst für einen Stopp des Countdowns und gegen 8.45 Uhr Ortszeit (14.45 Uhr MESZ) für einen Abbruch.

Seit man um Mitternacht Ortszeit mit dem Betanken begonnen hat, waren einige Probleme aufgetreten. Stürme vor der Küste mit der Gefahr von Blitzen hinderten das Team erst etwa eine Stunde lang daran, mit dem Betankungsvorgang zu beginnen. Die Unterbrechung wurde um 1:13 Uhr (7:13 Uhr MESZ) nachts aufgehoben.

Danach wurde unmittelbar damit begonnen, die Kernstufe der Rakete mit flüssigem Sauerstoff und flüssigem Wasserstoff zu beladen. Doch es folgte ein neuerlicher Rückschlag. Aufgrund eines anfänglichen Lecks und eines Druckanstiegs musste das Team das Befüllen zweimal unterbrechen. Die Ingenieure arbeiteten folglich an einem Problem eines der RS-25-Triebwerke (Triebwerk 3) an der Unterseite der Kernstufe. Schließlich musste der Startvorgang abgebrochen werden. Als nächster möglicher Termin war ursprünglich der 2. September im Gespräch. Offiziell wurde von der Nasa aber noch kein weiterer Zeitplan veröffentlicht.

Entwicklungskosten: 37 Milliarden Dollar

Ein halbes Jahrhundert nach Ende der Apollo-Ära dient die Mission dazu, die komplexeste und leistungsstärkste Rakete der Welt unter realen Bedingungen einem strengen Stresstest zu unterziehen, bevor sie für den Transport von Astronauten zugelassen wird. Die von Verzögerungen und Kostenüberschreitungen überschattete Entwicklung von SLS und "Orion" hat die Nasa bisher mindestens 37 Milliarden Dollar (37,27 Mrd. Euro) gekostet. Das Artemis-Programm der Nasa zielt darauf ab, 2025 Astronauten zum Mond zurückzubringen und eine langfristige Mondkolonie als Sprungbrett für noch ehrgeizigere zukünftige Reisen zum Mars zu errichten.

Auch die Europäische Weltraumorganisation ESA ist an der Mission beteiligt und liefert mit dem europäischen Servicemodul (ESM) eine wichtige Komponente des "Orion"-Raumschiffs. Das knapp 13 Tonnen schwere, von Airbus gebaute ESM ist das Herzstück der Orion-Raumkapsel. Es sorgt für dessen Antrieb, die Energieversorgung und die Wärmeregulierung und wird die Astronauten bei künftigen Missionen mit Wasser und Sauerstoff versorgen. Die österreichischen Unternehmen TTTech und Magna haben Komponenten für Orion geliefert, TTTech auch für ESM.

Die nächste Generation der NASA-Mondrakete, die Space Launch System (SLS)-Rakete mit der Orion-Besatzungskapsel an der Spitze, steht auf der Startrampe 39B in Cape Canaveral.
Die nächste Generation der Nasa-Mondrakete, die Space Launch System (SLS)-Rakete mit der Orion-Besatzungskapsel an der Spitze, steht auf der Startrampe 39B in Cape Canaveral.REUTERS

Das Artemis-Programm der Nasa - die griechische Göttin Artemis war in der Mythologie die Zwillingsschwester von Apollo - zielt darauf ab, bereits 2025 Astronauten zum Mond zurückzubringen und eine langfristige Mondkolonie als Sprungbrett für noch ehrgeizigere zukünftige Reisen zum Mars zu errichten. "Selbst mit der Aufstockung des Budgets ist es aber zweifelhaft, dass die Nasa bis 2025 Menschen auf dem Mond landen wird", sagte Lori Garver, die während der Konzeption der Rakete als stellvertretende Nasa-Verwalterin fungierte, gegenüber Reuters. Wenn alles gut gehe, könne es aber in den Jahren darauf geschehen.

Zwölf Astronauten waren während der sechs Apollo-Missionen von 1969 bis 1972 auf dem Mond. Es waren die bisher einzigen Raumflüge, bei denen Menschen die Mondoberfläche betraten. Alle diese Missionen erforschten Regionen rund um den Mondäquator.

Erste Frau, erste nicht-weiße Person

Die Nasa hat 13 potenzielle Landezonen rund um den Südpol des Mondes bekanntgegeben. Dorthin will sie ihre neue Generation von Astronauten schicken, darunter die erste Frau und der erste Mensch mit nicht-weißer Hautfarbe, die den Mond betreten werden. Ein erfolgreicher SLS-Orion-Start ist ein entscheidender erster Schritt dorthin. Das gewaltige, 98 Meter hohe Raumschiff wurde vergangene Woche nach wochenlangen letzten Vorbereitungen und Bodentests langsam zur Startrampe 39B geschleppt.

Wenn keine technischen Pannen in letzter Minute oder ungünstige Wetterbedingungen auftreten, werden die vier SLS-Haupttriebwerke und die Feststoffraketen-Booster am Montag (29. August) um 14.33 Uhr (MESZ) gezündet und das Raumschiff in den Himmel geschossen. Sollte sich der Countdown über das für den Start vorgesehene Zeitfenster von zwei Stunden hinaus verzögern, hat die Nasa den 2. und 5. September als alternative Starttermine festgelegt.

Bis auf 100 Kilometer an die Mondoberfläche

Nach der Trennung von der Oberstufe der Rakete in einer Entfernung von mehr als 3700 Kilometer von der Erde werden die Triebwerke von Orion gezündet, um die Kapsel auf Kurs zu bringen. Dieser führt sie bis auf 100 Kilometer an die Mondoberfläche heran, bevor sie rund 64.400 Kilometer über den Mond hinaus und zurück zur Erde fliegt. Nachdem das Servicemodul ESM abgekoppelt wird, das in der Erdatmosphäre verglüht, soll die Kapsel dann am 10. Oktober im Pazifischen Ozean landen.

Orion ist unbemannt, wird aber eine simulierte dreiköpfige Besatzung an Bord haben - einen männlichen und zwei weibliche Dummies. Mittels Sensoren wird die Belastung gemessen, der eine reale Besatzung ausgesetzt wäre, etwa die Strahlungswerte.

Im Erfolgsfall würde "Artemis I" den Weg für die erste bemannte SLS-Orion-Mission ebnen, ein Hin- und Rückflug um den Mond. "Artemis II" soll bereits 2024 starten, gefolgt von "Artemis-III" mit der geplanten Landung am Mond ein Jahr - oder mehr - später.

Die Besatzungsmodule für "Artemis III" werden noch gebaut.
Die Besatzungsmodule für "Artemis III" werden noch gebaut.IMAGO/ZUMA Wire

Auch SpaceX mischt mit

"Artemis III" wird wesentlich komplexer sein und das SLS-Orion-System mit Raumfahrzeugen kombinieren, die von Elon Musks Unternehmen SpaceX gebaut und geflogen werden. Der Plan sieht vor, dass eine vierköpfige Orion-Besatzung im Weltraum an eine SpaceX-Landeeinheit andockt, die zwei Astronauten für fast eine Woche auf die Mondoberfläche bringt.

Erforderlich dazu sind das noch in Entwicklung befindliche Schwerlast-Start- und Mondlandefahrzeug Starship von SpaceX sowie noch zu konstruierende Komponenten wie ein orbitales Treibstoffdepot und Raumtanker. Auch die neuen Anzüge für den Mondspaziergang müssen noch entworfen werden.

(APA)