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Der ökonomische Blick

Helfen Sie den Menschen in Österreich, dem Klima zu helfen

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Radfahrer in Wien: Wer das Auto öfter stehen lässt, verursacht weniger Emissionen. Aber wie bringt man besorgte Menschen eigentlich dazu, sich klimafreundlich zu verhalten?APA/GEORG HOCHMUTH
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Bei Klimamaßnahmen geht es auch immer um die Frage, wie Menschen dazu bewegt werden können, ihre vorhandenen Sorgen in wirksames Handeln umzusetzen. Freiwillige Beiträge können eine große Rolle spielen.

Ich persönlich mache mir große Sorgen über den Klimawandel. Auch mache ich mir aus finanzieller Sicht Sorgen, da ich noch keine Energieabrechnung für meinen Haushalt gesehen habe, seit die Energiepreise in aller Munde sind. Aber wie besorgt sollte ich sein? Ich weiß es nicht. Ich bin jedenfalls besorgt genug, dass ich mich, als ich das Angebot von „Der klimaaktiv Heizungscheck von Energie Tirol“ sah, für das Programm anmelden wollte. Fünf Telefonate und zwei Wochen später war ich angemeldet, die Inspektoren waren bislang allerdings noch nicht bei mir zu Hause.

Ich bin außerdem besorgt genug, dass ich überlegt habe, vollkommen auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Nach einem persönlichen Besuch bei der örtlichen Busgesellschaft wurde mir mitgeteilt, dass ich für meinen täglichen Arbeitsweg (20 Minuten mit dem Auto) 1,5 Stunden mit dem öffentlichen Nahverkehr brauchen würde und mich dies 400 Euro pro Jahr kosten würde. Bislang habe ich also keine wesentlichen Änderungen an meinem Energieverbrauch zu Hause vorgenommen und fahre nach wie vor mit dem Auto. Und das, obwohl ich mir Sorgen mache. Obwohl ich mir seit über 20 Jahren Sorgen über den Klimawandel mache, seit ich meinen Bachelor in Umweltwissenschaften abgeschlossen habe.

Was ich vermisse, sind leicht zugängliche Informationen und erschwingliche Alternativen. 

Jede Woche gestaltet die „Nationalökonomische Gesellschaft" (NOeG) in Kooperation mit der "Presse" einen Blog-Beitrag zu einem aktuellen ökonomischen Thema. Die NOeG ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der Wirtschaftswissenschaften.

Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der „Presse"-Redaktion entsprechen.

>>> Alle bisherigen Beiträge

Der bevorstehende zweite österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel - APCC Assessment Report on Climate Change in Austria 2.0 (AAR) – , der sich jetzt in der ersten Phase der internen Überprüfung befindet, enthält als neues Kapitel Überlegungen, wie man Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen besser helfen kann, über bestehende Regulierungen hinaus etwas fürs Klima zu tun. Der letzte AAR enthielt noch kein solches Kapitel. Dies ist also ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg, mehr Erkenntnisse aus den Verhaltenswissenschaften in das Verständnis von Klimaschutzmaßnahmen einzubringen.

Kurz gesagt ist das Ziel dieses Kapitels, besser zu verstehen, inwieweit freiwillige Maßnahmen für die Bekämpfung von Treibhausgas-Emissionen relevant sind und wie diese Maßnahmen gefördert werden können. Wir bewerten beispielsweise wie Veränderungen im Entscheidungskontext und soziale Normen freiwilliges Handeln fördern könnten. Wir untersuchen auch, inwieweit das Verhalten von Menschen davon abhängt, was sie bei ihren Mitmenschen beobachten (zum Beispiel die Heizungsnutzung in Mehrfamilienhäusern), und beschäftigen uns mit kritischen sozialen Fragen zur Verteilungsgerechtigkeit, die von entscheidender Bedeutung für die Gewährleistung eines fairen Übergangs zu einer grüneren und nachhaltigeren Gesellschaft sind.

Jede technische Lösung muss genutzt werden

Das Kapitel ergänzt klassische Inhalte solcher Sachstandsberichte zum Klimawandel, indem es über technische Maßnahmen und staatliche Regulierung hinausgeht. Letzten Endes muss jede technische Lösung von den Menschen auch genutzt werden. Daher ist es für das Verständnis der Gesamtauswirkungen auf das Klima elementar zu verstehen, ob und wie Menschen die Technologien annehmen und nutzen. Ebenso wird jede von den Regierungen auferlegte Regelung von BürgerInnen und Unternehmen der jeweiligen Regionen in Betracht gezogen, befolgt, gebilligt, gebrochen oder sogar bekämpft werden.

Letztlich geht es also um die Frage, wie Menschen dazu bewegt werden können, ihre vorhandenen Sorgen in wirksames Handeln umzusetzen. Dies entspricht einem allumfassenden Blick auf das Potenzial von Klimamaßnahmen, was unverzichtbar ist, angesichts der Tatsache, dass uns die Zeit in der Bekämpfung des Klimawandels davon läuft.

Unterstützung benötigt

Sowohl als BürgerInnen als auch als EntscheidungsträgerInnen in den Unternehmen können Menschen mit ihren freiwilligen Beiträgen eine wichtige Rolle dabei spielen, einen tiefergreifenderen und schnelleren sozialen Wandel hin zu einer grüneren, gerechteren Gesellschaft zu erreichen. Ich möchte, wie viele andere auch, meine Sorgen in wirksameres Handeln umwandeln. Und wir brauchen Unterstützung, um dies effektiv zu tun.

Der AAR Bericht ist noch in Arbeit, daher ist es momentan zu früh, um die Kernaussagen oder den detaillierten Inhalt vorstellen zu können. Der endgültige Bericht wird das Ergebnis eines gründlichen öffentlichen Überprüfungs- und Mitgestaltungsprozesses mit österreichischen InteressensvertreterInnen und EntscheidungsträgerInnen sein. Bleiben Sie dran!

Die Autorin

Esther Blanco ist Universitätsprofessorin für Volkswirtschaft insbesondere Nachhaltigkeit an der Universität Innsbruck und assoziiertes Fakultätsmitglied des Ostrom Workshop, Indiana University (USA). Sie ist stellvertretende Leiterin des Forschungsbereichs Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, Coordinating Lead Author des APCC Assessment Reports zum Klimawandel in Österreich und Teilprojektleiterin des SFB F63 "Vertrauensgüter, Anreize und Verhalten."

Esther Blanco

Erfahren Sie hier mehr über den österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel: https://iiasa.ac.at/projects/aar2-austrian-assessment-report

Dank an Dr. Struwe und Dr. Epperson für Kommentare zu früheren Versionen dieses Textes.

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