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Zum letzten Mal sieht Wien ein "Kaiserbegräbnis"

(c) REUTERS (MICHAEL DALDER)

Otto und Regina Habsburg-Lothringen: Wer kommt, wer zahlt, warum Ottos Herz am Sonntag nach Ungarn kommt.

Wien. Im Vorfeld der Beisetzungsfeierlichkeiten für Otto und Regina Habsburg-Lothringen hier die Antworten auf einige immer wieder gestellte Fragen.

1. Requiem im Stephansdom mit der Staatsspitze: Ist das ein Staatsbegräbnis?

Nein. Ein Staatsbegräbnis wird vom Ministerrat für verdiente politische Spitzenfunktionäre beschlossen. Es ist eine Familienveranstaltung – freilich mit starker staatlicher Beteiligung. Es gibt keine protokollarischen Vorgaben, die Sitzordnung nimmt die Familie vor. Kleine Diskussionen über das Protokoll inklusive. Dass sich das Bundesheer mit kleiner Abordnung offiziell beteiligt, ist durch den Umstand gedeckt, dass Otto „zeitlebens im öffentlichen Leben stand“, sagt der Leiter des Trauerkondukts, Brigadier Norbert Fürstenhofer zur „Presse“. Die Traditionsverbände in historischen Uniformen und Schützenkompanien haben von sich aus zugesagt.

2. Wie hoch sind die Kosten, die durch das Begräbnis entstehen?

Das wird man wohl erst in der kommenden Woche wissen. Konkret wird das österreichische Bundesheer mit 166 Mitarbeitern für Kondukt, Sargspalier und Organisation vertreten sein. Das kostet den Bund laut Generalleutnant Christian Segur-Cabanac 10.000 bis 49.000 Euro. Während der Feierlichkeiten sollen 400 Polizisten für die Sicherheit sorgen, ungefähr 100.000 Euro veranschlagt Innenministerin Johanna Mikl-Leitner dafür. Die Stadt Wien ist mit der Bestattung und dem Marketing involviert. Inwieweit die Kosten für die Aufbahrung und Überstellung der Särge an diverse Orte von der Stadt oder der Familie Habsburg gedeckt werden, will der Pressesprecher der Bestattung Wien, Jürgen Sild, nicht sagen. Das Stadt-Marketing Wien ist da schon konkreter: Die Kosten für die drei LED-Wände und die beiden Pressetribünen übernimmt die Stadt. Und die Familie Habsburg? „Wir leben davon, dass uns viele Menschen unterstützen“, sagt Sprecher Rainhard Kloucek. Ein eigenes Spendenkonto gibt es nicht.

3. Wer begehrt Einlass? Die Anklopfzeremonie– eine alte Tradition?

Nein. Sie wurde weder 1916 bei Franz Joseph noch später verwendet. Eva Demmerle, die Sprecherin der Familie, bestätigt, dass der Ritus in dieser Form erstmals bei der Bestattung Kaiserin Zitas 1989 erfolgt sei. Einzelne Details sind aus der Barockzeit überliefert, es gibt auch Grabinschriften, die Verstorbene als sündige Menschen bezeichnen. Otto Habsburg hielt es bei der Beisetzung seiner Mutter aus religiöser Sicht für richtig, nach dem Tod alle Titel („Kaiserin, Königin von Ungarn, Böhmen etc.“) abzulegen. Otto Habsburgs Frau Regina (geboren als Prinzessin von Sachsen-Meiningen) hat bei den Kapuzinern schon am Mittwoch ohne dieses Zeremoniell Einlass gefunden. Habsburg-Expertin Katrin Unterreiner kritisiert den Widerspruch der Zeremonie (in der der Verstorbene als „armer Sünder“ bezeichnet wird) mit den zum Teil pompösen Särgen in der Gruft. „Die sind natürlich eine Demonstration ihrer weltlichen Macht.“

4. Wieso trägt Karls 14-jähriger Sohn schon ein Ordensbändchen am Revers?

Weil er nach den Statuten des Ordens vom Goldenen Vlies von Geburt an als „Erzherzog“ Mitglied dieses höchsten europäischen Ritterordens ist. Sein Vater Karl ist Souverän des Ordens. Ferdinand Zvonimir wurde am 21.Juni 1997 in Salzburg geboren, in Zagreb von Kardinal Franjo Kuharić getauft – eine Reverenz gegenüber den einst besonders habsburg-treuen Kroaten. Taufpaten waren unter anderen Georg Habsburg und Agnes Husslein.

5. Das Herz Ottos wird am Sonntag in Pannonhalma beigesetzt. Warum?

Mit Pannonhalma verbindet Habsburg Erinnerungen aus seiner Kinderzeit. Nach dem Tod seines Vaters Karl flüchtete Zita ins Exil nach Lequeitio im Baskenland, dort wurde Otto von ungarischen Benediktinern in Kultur und Sprache des Landes unterrichtet. Ursprünglich wurde der Körper der Habsburger dreigeteilt bestattet: Die Organe kamen in den Stephansdom, das Herz in die Herzgruft in St. Augustin und der Körper in die Kapuzinergruft.

6. Wer sind die prominentesten Gäste um 15 Uhr beim Requiem im Stephansdom?

Das schwedische Königspaar, das Großherzogspaar aus Luxemburg, das Fürstenpaar aus Liechtenstein, Staatspräsident Mikheil Saakashvili (Georgien), Bundespräsident Heinz Fischer (Österreichs), drei Regierungschefs: Jadranka Kodor (Kroatien), Nikola Gruevski (Makedonien), Werner Faymann (Österreich), weitere Trauergäste sind unter anderem: Jerzy Buzek (Präsident des Europäischen Parlaments), Außenminister Karel Schwarzenberg (Tschechien), Prinzessin Astrid und Prinzessin Paola (Belgien), Prinz und Prinzessin Michael von Kent (GB), Infantin Cristina (Spanien), Exzar Simeon II. (Bulgarien), Exkönig Michael (Rumänien), Prinz Asfa-Wossen Asserate (Äthiopien). Aus Österreich: Vizekanzler, Minister und Landeshauptleute. ORF2 überträgt die Feierlichkeiten am Samstag bereits ab 13.10 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2011)