Anonymous: Wer steckt hinter dem Hacker-Kollektiv?

Anonymous baut an sozialem Netzwerk
(c) dapd (Michael Gottschalk)

Anonymous-Hacker sind für einige der größten Angriffe auf Webseiten von Firmen, Parteien und Medien verantwortlich. Die Personen dahinter sind kaum greifbar.

Sie haben die Seite von SPÖ, FPÖ und der GIS gehackt, Paypal angegriffen und drohen nun mit einer "Operation Facebook", die den Social Media-Giganten in die Knie zwingen soll. Und die österreichische Gruppe des weltweiten Kollektivs hat knapp 25.000 private Adressdaten der Polizei, sowie über 600.000 Daten von Tiroler Krankenversicherten in ihren Händen. Doch wer ist dieses nebelhafte Anonymous-Vereinigung eigentlich? "Anonymous ist keine klassische Gruppe mit einem Anführer, sondern eine Idee, bei der jeder mitmachen kann. Das macht das Ganze auch so schwer greifbar", sagt die Journalistin Sarah Kriesche, die in nächtelangen Recherchen in Chatrooms zumindest einen Teil der tragenden Personen ausfindig machen konnte.

Hervorgegangen aus einer Spaßbewegung und dem 2003 gegründeten Internetforum 4Chan tritt Anonymous laut Wikipedia seit 2008 in Erscheinung mit der gegen Scientology gerichtete Aktion "Projekt Chanology". Wirklich aktiv wurden sie allerdings nach der Verhaftung von Wikileaks-Gründer Julian Assange. "Das hat viele extrem geärgert", sagt Kriesche. Es folgten Attacken auf Visa und Mastercard, die Konten von Wikileaks gesperrt hatten. Inzwischen ist Anonymous kein reines Internetphänomen mehr: Bei Operationen wurden gleichzeitig mit Hackerangriffen auch Demonstrationen durchgeführt.

"Sie sind wie Piraten"

Das besondere an Anonymous ist, dass die Gruppe eigentlich gar keine Gruppe ist. "Jeder kann mit machen, es gibt keinen Anführer und es ist völlig anonym", sagt Kriesche. "Sie sind in etwa so wie Piraten, alle machen ihr eigenes Ding, aber alle segeln unter der Totenkopffahne und machen bei interessanten Aktionen gemeinsame Sache", beschrieb die Journalistin. Die gemeinsamen Ziele seien Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Datenschutz. Mit den meisten Angriffen überschreiten Anhänger von Anonymous selbst die rechtlichen Grenzen. Einige Täter sind den Behörden bereits ins Netz gegangen - die meisten jedoch wurden auf Kaution entlassen.

Anteil der Österreicher nicht abschätzbar

An Aktivisten heranzukommen, ist inzwischen sehr schwierig geworden. Die einschlägigen Chats sind längst sowohl den Behörden als auch Journalisten bekannt, die versuchen, die "Mitglieder" von Anonymous zu enttarnen. "Sie sind sehr vorsichtig geworden", sagt Kriesche. Neuankömmlinge werden dementsprechend abweisend behandelt. Aufgrund der absoluten Anonymität sei es auch unmöglich zu sagen, wie viele Österreicher in dem Kollektiv aktiv sind.

Was es sehr wohl gibt, sind Sprachrohre auf Twitter, die die geplanten Aktionen ankündigen und beeinflussen - aber auch hier ist völlig unklar, wer sich hinter dem Account verbirgt. "Die Aktivisten bei Anonymous sind unter Tags ganz normale Schüler, Studenten und Berufstätige, die dann in der Nacht in den Chats unterwegs sind", sagt Kriesche.

Die Journalistin glaubt, dass das Phänomen noch weiter wachsen wird: "Es ist eine moderne Protestform, man muss nicht mehr unbedingt auf die Straße gehen, um an einer Aktion teilzunehmen. Und sie haben bewiesen, dass wirklich etwas bewegen können".

(APA/Red.)