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Kapitalmangel: Hilfe für Hightech-Gründer im "Tal der Tränen"

Symbolbild
(c) EPA (KARL-JOSEF HILDENBRAND)
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Das „Death Valley“, auf Deutsch weniger blutrünstig als „Tal der Tränen“ bezeichnet, gibt es – und es ist ein echtes Problem. Viele junge Unternehmen scheitern an Kapitalmangel. Nach Abhilfe wird nun gesucht.

Das „Death Valley“, auf Deutsch weniger blutrünstig als „Tal der Tränen“ bezeichnet, gibt es – und es ist ein echtes Problem. Dieser Ansicht waren jedenfalls die Diskutanten in einem Arbeitskreis der Alpbacher Technologiegespräche mit dem Titel „Forschungsförderung und danach Finanzierungsengpass?“, der vom Wirtschaftsministerium (BMWFJ) betreut wurde.

Viele Start-up-Unternehmen können dank der ausdifferenzierten Forschungsförderung eine neue Technologie entwickeln und oft auch einen Funktionsprototypen herstellen. An Universitäten geben Technologie- und Gründerzentren wertvolle Hilfe bei der Unternehmensgründung. Förderagenturen wie die Austria Wirtschaftsservice (AWS) oder die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) haben spezielle Start-up-Programme ausgelegt, die durchaus erfolgreich sind.

Doch danach fehlt häufig das Geld, um das Produkt auf den Markt zu bringen – was jungen Unternehmen leider oft zum Verhängnis wird. Banken zieren sich in dieser Phase bei der Vergabe von Krediten, insbesondere in der Wirtschaftskrise. Zudem gibt es in Österreich traditionell viel zu wenig Risikokapital – hier ist Österreich ein europäisches Schlusslicht.

Experten und die Forschungspolitik sind seit Langem auf der Suche nach Abhilfe, doch das gestaltet sich mühsam. Eines der Probleme: Die Branchen sind sehr unterschiedlich. Die Innovationszyklen sind etwa in der Biotechnologie völlig andere als in der Materialforschung, im Maschinenbau oder in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Laut einer Untersuchung der FFG gibt es die höchsten Ausfallsquoten im Maschinenbau, die niedrigsten in der Biotechnologie. Im Schnitt lag die „Überlebensrate“ bei dieser Studie bei 71 Prozent.

Man ist in vielen Ländern auf der Suche nach neuen Modellen. In den Niederlanden z.B. wird ab 2012 ein Innovationsfonds gestartet, der gerade in der kritischen Phase Unterstützung gibt; die Mittel müssen zurückgezahlt werden, daraus wird der Fonds für weitere Projekte gespeist.

Auch auf europäischer Ebene bewegt sich etwas – das läuft unter dem Schlagwort „Innovationsunion“. Das Programm RSFF („Risk Sharing Finance Facility“) beispielsweise, das gemeinsam von der EU-Kommission und der Europäischen Investitionsbank (EIB) vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde, soll nun verstärkt für KMU zugänglich werden. Bisher wurden Darlehen in Höhe von sieben Milliarden Euro bereitgestellt, allerdings fast ausschließlich an große forschende Unternehmen. Eine der Ideen für die Weiterentwicklung: Falls ein KMU nicht so erfolgreich ist wie erhofft, dann kann das Darlehen in eine Förderung umgewandelt werden, die nicht zurückgezahlt werden muss.

Der Kapitalmangel für junge High-tech-Firmen gilt als einer der Hauptgründe dafür, dass Europa zwar bei der Produktion neuen Wissens zur Weltspitze zählt, bei der Umsetzung in neue Produkte aber oft das Nachsehen hat.

Lexikon

Innovationslücke: Europäische Forscher produzieren die Hälfte aller wissenschaftlichen Papers, doch in der Patentstatistik und bei der Umsetzung in neue Produkte liegt Europa hinter den USA und Japan zurück.

Gründe dafür gibt es viele. Vor allem fehlt es an Unternehmergeist („Entrepreneurship“) und – insbesondere in Österreich – an Risikokapital für Gründer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2011)