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Engl: "Töchterle-Milliarde vermeidet nur Katastrophe"

Engl ToechterleMilliarde vermeidet Katastrophe
(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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Wie kritisch die Situation tatsächlich ist, kann der neue Uni-Wien-Rektor noch nicht einschätzen. Fest steht: Zu viele Studierende, zu wenig Geld - Notmaßnahmen sind geplant.

Der neue Rektor der Uni Wien, Heinz Engl, tritt sein Amt in einer "schwierigen Situation" an. Der Mathematiker wurde am Montag als "der 639. namentlich bekannte" Rektor der Universität Wien ins Amt eingeführt. Schon vor seinem Amtsantritt hatte Engl erklärt, dass im Falle eines stagnierenden Budgets die Schließung einzelner Studienrichtungen in Betracht gezogen werden muss. Am Tag seiner Inauguration erklärte Engl, dass "der Erhalt der Fächervielfalt" zwar das Ziel sei, aber das brauche auch die notwendige Finanzierung. Schon jetzt seien die Betreuungsverhältnisse in einzelnen Studientrichtungen nicht mehr zu verantworten. "Wir wollen die Studierenden, die wir haben, möglichst gut ausbilden können. Doch dazu braucht es auch mehr Geld", mahnt der Rektor an seinem ersten Tag im Amt.

Ob die von Wissenschaftsminister Töchterle angekündigte Hochschulmilliarde für die Jahre 2013 bis 2015 etwas zur Verbesserung dieser Situation beitragen würde, ist für Engl davon abhängig "wie groß diese Milliarde wirklich ist - das ist offenbar ein variabler Begriff in Österreich". Sollten die 150 Millionen Euro, mit denen die Regierung bisher den Wegfall der Studiengebühren kompensiert hat, zusätzlich zur Milliarde zur Verfügung gestellt werden, gäbe es laut Engl "eine leichte Verbesserung". Um aber in Verhältnisse wie etwa an der Universität Zürich zu kommen, bräuchte man die Milliarde jedes Jahr, gibt Engl zu bedenken. "Das mag unbescheiden klingen, ist aber die Realität. Die Töchterle-Milliarde vermeidet nur die Katastrophe."

Planungsgrundlagen fehlen

Es werde sich erst zeigen, wie kritisch die Situation tatsächlich ist, wenn fest steht, wie viele zusätzliche Studierende die Uni Wien im Herbst bekommt. Ob es notwendig wird, von der von Amts-Vorgänger Winckler vorbereiteten Notmaßnahme - Lehrveranstaltungen in Kinosäle zu übertragen - Gebrauch zu machen, wird sich erst zeigen. "Das Voranmeldesystem liefert uns keine neuen Informationen. Der Engpass sind aber nicht nur die Räume, sondern auch die Lehrenden und wir haben derzeit aufgrund der gesetzlichen Regelungen keine seriösen Planungsgrundlagen."

Der Uniratsvorsitzende Max Kothbauer forderte in seiner Ansprache eine Studienplatzfinanzierung. Der Senatsvorsitzende Helmut Fuchs sprach sich für einen Maßnahmenmix aus: "Mehr Geld vom Staat verbunden mit moderaten Studienbeiträgen und Zugangsregeln". Von der Politik kämen zur Zukunft der Unis allerdings "bisher nur Ankündigungen, die leider von der Öffentlichkeit für bare Münze genommen werden". Derzeit gebe es nur den Bundesfinanzrahmen von 2012 bis 2015, und der bedeute reale Kürzungen zwischen acht und zehn Prozent - "der Rest ist Hoffnung".

Hochschülerschaft skeptisch

Skeptisch hat sich die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) an der Uni Wien in einer Aussendung über das neue Rektorat geäußert. "Die Einführung von Knock-Out-Studieneingangsphasen und das Schließen ganzer Studienrichtungen widersprechen der Forderung nach einem besseren Standing der Uni Wien im internationalen Vergleich." Die Uni müsse "weg von der Fixierung auf internationale Rankings und wirtschaftliche Verwertungslogik von Studienrichtungen" und solle Studenten aktiv in die Organisation der Uni einbeziehen.

Wie "Die Presse" berichtete, starten auch andere Universitäten vermutlich mit Notmaßnahmen ins neue Studienjahr. Die Uni Salzburg etwa ächzt besonders unter dem Ansturm deutscher Studierender, ebenso geht es der Uni Innsbruck.

(APA/red)