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Kuchenbrösel und die gelbe Karte für den ORF-Chef

(c) APA (HERBERT NEUBAUER)
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Weniger Kritik als erwartet erntete Alexander Wrabetz von den Stiftungsräten - dafür erhielt er von den freien Redakteuren eine Protesttorte. Bis Juni müssen 540 Mitarbeiter umsiedeln.

Alexander Wrabetz hatte ziemlich lange Zeit, gute Argumente zu sammeln, mit denen er die Geschehnisse der vergangenen Wochen schönreden kann. Die intensive und lange Diskussion um sein Personalpaket habe gezeigt, welch offene Konfliktkultur es im ORF gebe, was ihn von kommerziellen Medienunternehmen unterscheide. Der ORF stehe „natürlich sehr gut da“, erst am Donnerstag hätten wieder 2,5 Millionen Menschen die Informationssendungen des ORF verfolgt. Schöne Worte, die Wrabetz am Freitag sprach und zumindest bei den ORF-Kontrolleuren, den Stiftungsräten, fielen sie teilweise auf fruchtbaren Boden.

In weniger als fünf Stunden war die eigentlich nur wegen des dringenden Sanierungsbedarfs am ORF-Gebäude einberufene Sondersitzung des Stiftungsrates beendet. Aber auch die Sache Niko Pelinka wurde thematisiert und sei „lange, offen und sehr sachlich“ diskutiert worden, so Franz Medwenitsch, Leiter des bürgerlichen Freundeskreises. Man habe Wrabetz keine rote, „aber wohl eine gelbe Karte“ für die Performance der letzten Wochen erteilt. Ein wenig anders sieht das Wrabetz: „Wir sind ja nicht im Fußball“, vielmehr hätte die Mehrheit der Räte seine Erklärung zum Pelinka-Rückzug und „die Art, wie ich das gelöst habe, sehr anerkannt“. Aus dem Stiftungsrat hört man allerdings, dass es durchaus Kritik an Wrabetz gegeben haben soll. So soll der interimistische SPÖ-Freundeskreisleiter Josef Kirchberger (Art for Art) Wrabetz und Pelinka "schwere Fehler" vorgeworfen haben; und der Salzburger SPÖ-Stiftungsrat Wolfgang Wörter die Aussendung vor der Ausschreibung als "extrem unanständig" bezeichnet haben. Kritik von allen Seiten soll es am Verhalten der Redakteurssprecher und von Moderator Armin Wolf gegeben haben, die die interne Debatte massiv nach außen getragen hatten.

In einer Resolution (zwei Gegenstimmen, zwei Enthaltungen) verlangt der Rat vom ORF-Chef, er möge „alle erforderlichen Maßnahmen“ ergreifen, „um das Vertrauen in die Unabhängigkeit des ORF wiederherzustellen“ und "das Image des Unternehmens wieder zu verbessern". Auch mit den eigenen Verhaltensregeln lassen sich die Stiftungsräte ein wenig Zeit. Der Corporate Governance Kodex soll aufgrund der aktuellen Vorgänge noch einmal überprüft und erst in der nächsten Sitzung im März fixiert werden. Darin soll eine „Cooling off“-Phase festgelegt werden, während Stiftungsräte nicht in den ORF wechseln dürfen. Wrabetz (der selbst einst vom Stiftungsrat in die kaufmännische Direktion wechselte) unterstützt das.

Mit der Absage der Büroleitersuche wurden auch die restlichen Posten in der vorweihnachtlichen Ausschreibung zurückgezogen. Die Büroleitung für die kaufmännische Direktion soll in Kürze erneut und nicht mehr als Redakteursposten ausgeschrieben werden. Ebenso ausgeschrieben wird der Hauptabteilungsleiter-Posten für Online-Agenden in der Technischen Direktion, für die sich Thomas Prantner interessiert. Er werde nur in Abwesenheit des Technikdirektors dessen Stellvertreter sein. Robert Ziegler wird die Bundesländerkoordination als Projekt betreuen.

Die „Rückkehr zur Sacharbeit“ forderte Finanzchef Richard Grasl. Wichtigstes Projekt ist die dringende Sanierung des Hauptgebäudes. Bis Juni müssen 540 Mitarbeiter in ein Ausweichquartier übersiedeln, das gesucht wird. Fix ist, dass die administrativen Abteilungen absiedeln müssen, die Produktionsabteilungen werden in anderen Gebäudeteilen am Küniglberg untergebracht. Grasl stärkte Wrabetz den Rücken, indem er meinte, der Generaldirektor hätte sein Direktorium in den vergangenen Wochen in die Debatte um die Postenbesetzungen eingebunden und alle hätten ihm den Rücken gestärkt. Für Grasl ist dieser Zusammenhalt der Direktoren ein positives Zeichen für die neu begonnene Geschäftsführungsperiode.

SP uneins über Freundeskreis-Leiter

Für Gerüchte am Rande der Sitzung sorgte die kleine Panne im roten Freundeskreis des Stiftungsrats Mitte der Woche. Niko Pelinkas Nachfolge im Stiftungsrat, mit SPÖ-Ticket, übernimmt Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher. Der hatte zunächst erklärt, er werde wie Pelinka auch Freundeskreis-Leiter, ruderte kurz darauf aber zurück: Dies müsse erst im Freundeskreis abgestimmt werden. Es heißt, Hoscher sei Laura Rudas' Wunschkandidat für den Leitungsposten, die alte Garde der SPÖ-nahen Stiftungsräte hätte sich nun aber gegen die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin durchgesetzt und will ihren Favoriten Josef Kirchberger (Art for Art) bald offiziell zum neuen Leiter ernennen.

 

„Wir schlucken nicht alles“

Kurz vor Sitzungsbeginn hatten freie ORF-Mitarbeiter mit Flugzetteln und Fähnchen auf ihre prekäre Arbeitssituation hingewiesen: „Pelinka ist gegessen – Wir schlucken nicht alles.“ Dem ORF-Chef Wrabetz übergaben sie einen Kuchenbrösel als Symbol für die geringe Wertschätzung ihrer Arbeit – der lächelte dazu nur milde. Radiodirektor Karl Amon zeigte Gesprächsbereitschaft, Wrabetz machte die Hoffnungen der Freien aber zunichte: „Das ist keine Frage des Wollens, sondern der finanziellen Möglichkeiten. Wir können jetzt nicht Dutzende Mitarbeiter anstellen.“ Möglich sei dies eventuell erst 2014 mit einer permanten Refundierung der Gebührenbefreiungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2012)