Für wen sich Aktienhandel auszahlt

Symbolbild
(c) AP (LEFTERIS PITARAKIS)

An der Börse lässt sich gutes Geld verdienen. Doch wer Aktien kauft und verkauft, muss auch Spesen und Steuern zahlen. Der Handel ist daher erst ab einer gewissen Summe sinnvoll.

Wien. Vielerorts wird von Aktien gesprochen– und davon, dass an der Börse schnell Kapital vermehrt, aber auch verloren gehen kann. Wer sich zu Jahresanfang dazu entschieden hat, ein Investment zu wagen, der wird sich in der Regel über Kursgewinne freuen können. Wer allerdings im Jahr 2008 Aktien besessen hat, musste seinem Vermögen wohl eher dabei zusehen, wie es immer kleiner und kleiner wurde.

Doch wenn eine Aktie um zehn Prozent steigt, heißt das noch lange nicht, dass auch der Anleger sein Vermögen im gleichen Ausmaß vermehrt. Zunächst sind bei Aktieninvestments Depotgebühren und Transaktionsspesen zu beachten. Sie fressen den an der Börse verdienten Gewinn teilweise wieder auf.

Je mehr Geld investiert wird, desto weniger fallen die Spesen aber ins Gewicht. Wer sein Depot bei einer Direktbank eröffnet, muss zwar auch Gebühren zahlen, bei klassischen Banken sind die Spesen aber tendenziell noch höher. Aktientransaktionen an der Börse Wien zu tätigen ist darüber hinaus meist billiger, als an ausländischen Börsen zu handeln.

Ein Beispiel: Wer bei der Direktanlage ein Depot hat, um dort 5000 Euro in hundert Aktien (50 Euro je Stück) zu investieren, muss Kaufspesen von 16,20 Euro in Kauf nehmen. Nimmt man nun an, dass die Aktien nach einem Jahr zu einem Preis von 60 Euro (das Kapital ist nun 6000 Euro wert) verkauft werden, fallen Verkaufsgebühren von 18,15 Euro an. Hinzu kommt eine Mindestdepotgebühr von 15 Euro (12,5 plus Umsatzsteuer), sofern nur eine einzelne Aktienposition gehalten wird. Kontoführungsgebühren für das Wertpapierverrechnungskonto schlagen mit 18 Euro zu Buche. Weil bei einem Kursgewinn von 1000 Euro aber auch die Kursgewinnsteuer von 25Prozent (oder 250 Euro) anfällt, müssen von dem erzielten Gewinn rund 317 Euro abgezogen werden. Steigt der Kurs um 20 Prozent, bleibt dem Anleger unterm Strich ein Gewinn von 683 Euro oder 13,6Prozent. Meist fallen die Kurszuwächse aber geringer aus. Damit Kosten und Steuer eingespielt werden, müssen Kursanstieg und Dividende netto mindestens ebenso hoch ausfallen. Zahlt das Unternehmen keine Dividende, muss der Kurs im angegebenen Beispiel um 1,7Prozent steigen, damit sich das Investment rechnet. Bei Dax-Aktien sind die Gebühren höher.

Rene Lobnig von der Schoellerbank rät, nur jenes Geld in Aktien zu investieren, das nicht akut benötigt werde. Bank-Gutmann-Vorstand Friedrich Strasser schlägt in die gleiche Kerbe: „In Aktien als Teil einer Cash-Reserve zu investieren, die nach ein bis drei Jahren wieder benötigt wird, ist sicher nicht sinnvoll.“ Es sei indes etwas anderes, einen Betrag von 5000 Euro in Aktien zu stecken, um für Enkelkinder vorzusorgen.

 

Streuung wichtig

Wer mit Aktien handelt, dem wird gemeinhin davon abgeraten, ausschließlich auf einen Wert zu setzen. Doch um sein Kapital zu streuen, bedarf es eines größeren Betrages. Aus wissenschaftlicher Sicht sei eine Streuung auf bis zu 30 Aktien sinnvoll, sagt Lobnig. Darüber hinaus gebe es nur noch geringe Diversifikationseffekte. Da es für Privatanleger aber fast unmöglich sei, derart viele Werte im Auge zu behalten, sei es vernünftig, sich auf zehn bis 15 Papiere zu konzentrieren. „Aber wenn ich nur 2000 Euro zur Verfügung habe, wird es nicht zielführend sein, gleichzeitig in 15 Aktien zu investieren“, sagt Lobnig.

Als Alternative bieten sich Fondslösungen an, sagt Claudia Vince-Bsteh von der Raiffeisen Centrobank. Mit diesen könne Vermögen nach Themen oder Regionen gestreut werden. Zugleich gibt es sparplanfähige Fondsprodukte. Kunden haben die Möglichkeit, monatlich einen bestimmten Betrag einzuzahlen und zu „verschiedenen Marktsituationen und Kursniveaus“ zu kaufen, wie Vince-Bsteh sagt. Schon ab 100 Euro könnten Anleger sich Anteile eines Aktienfonds sichern, sagt die Bank Gutmann. [iStockphoto]

Was Sie beachten sollten bei... Aktien-Investments

Tipp 1

Langfristig. Wem lediglich ein kleiner Sparbetrag zur Verfügung steht, dem sei davon abgeraten, in Aktien zu investieren, sofern das Geld bald wieder benötigt wird. Das Risiko, eingesetzte Beträge zu verlieren, ist angesichts der Volatilität der Märkte immer gegeben.

Tipp 2

Fonds. Ist die Kapitalausstattung gering, kann die Investition in einen Fonds eine gute Alternative zu einem Aktieninvestment sein. Denn mit wenig Geld lässt sich das Risiko kaum streuen. Fonds können jedoch genau unter diesem Gesichtspunkt ausgewählt werden.

Tipp 3

Große Werte. Viele Experten raten dazu, zu sogenannten Blue Chips (Börsenschwergewichten) zu greifen, vor allem, wenn die Geldanlage eine eher langfristige sein soll. Kurseinbrüche bzw. Korrekturen an der Börse können dazu genutzt werden, Aktien günstig zu kaufen.