Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

"Geuro": Rettende Zweitwährung für Griechenland?

Geuro Rettende Zweitwaehrung fuer
(c) AP (Michael Probst)
  • Drucken

Deutsche-Bank-Chefökonom Thomas Mayer schlägt eine Parallelwährung für Griechenland vor. Ein Euro-Austritt könnte damit vermieden werden.

Griechenland kann mit einem finanzpolitischen Kniff einen Austritt aus dem Euro umgehen. Davon ist Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer überzeugt. Er schlägt eine griechische Parallelwährung, kurzerhand "Geuro" genannt, zum Euro vor. Mayer nennt sein Szenario den "Weg des geringsten Widerstandes". Der Geuro würde dem inländischen Zahlungsverkehr dienen und maximal halb so viel wert sein wie der Euro. Für Mayer böte sich damit ein Ausweg aus jenem Dilemma, das entstehen würde, wenn die Griechen am 17. Juni eine Regierung wählen, die das Sparprogramm der Troika (EU, IWF, EZB) ablehnen - was Experten durchaus erwarten.

Voraussetzung sei jedoch, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) und die anderen Euro-Länder Griechenland weiter unterstützten - wenn auch in geringerem Umfang.

Griechenland könnte in Eurozone bleiben

"Der griechische Staat wird schon bald Schuldscheine drucken, um Angestellte zu entlohnen", sagt Mayer, wie "Die Welt" berichtet. "Es wird einen Parallelkreislauf aus Schuldscheinen und Euro geben." Mayers Modell nach würde die griechische Regierung ihre Rechnungen mit Schuldscheinen bezahlen, die Kern einer Parallelwährung werden, da die Schuldscheine weiterverkauft werden können. "Auf diese Weise würde der Euro nicht auf einen Schlag ersetzt, sondern durch ein Finanzinstrument ergänzt, das den Charakter einer Währung annähme. Ein solcher langsamer und partieller Prozess der Euro-Abschaffung wäre weniger schädlich als die gegenwärtig diskutierten", argumentiert Mayer laut "Spiegel Online".

Der Geuro würde Mayer zufolge innerhalb Griechenlands schnell den Status einer Währung bekommen. Mit dieser würde der größte Teil der inländischen Transaktionen - darunter auch Gehaltszahlungen - abgewickelt werden. Auch die wichtigsten Einfuhren würde das Land damit bezahlen. Mit der Ausgabe von Schuldscheinen könnte die Regierung in Athen laut Mayer gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits würde der Euro-Austritt vermieden, andererseits wäre de facto eine Anpassung des Wechselkurses möglich. "Anfangs dürfte es zu einer massiven Abwertung kommen", schreibt Mayer. Die Regierung habe es dann aber in der Hand, das Land mit Strukturreformen zu stabilisieren und damit die Tür für eine vollständige Rückkehr zum Euro offenzuhalten.

Griechen-Banken in "Bad Bank" auffangen

Denkbar sei etwa, dass nur noch Gelder überwiesen würden, die für den Schuldendienst Griechenlands benötigt würden. Mayer hält es in diesem Fall für möglich, dass weitere Finanzhilfen für die Regierung in Athen gestoppt würden. Allerdings wäre es nötig, dass die angeschlagenen griechischen Geldinstitute in einer europäischen "Bad Bank" aufgefangen würden. Sie könnten sich in diesem Planspiel über Forderungen an den europäischen Rettungsschirm EFSF rekapitalisieren. Die Schaffung einer solchen Bad Bank "kostet natürlich", gibt Mayer zu. "Das ist dann aber die korrekte Bilanzierung." Durch die europäischen Rettungsmechanismen und das Eingreifen der Zentralbanken werde die wahre Bilanzierung derzeit verschleiert.

Ein wichtiger Nebeneffekt: Die Einlagen der dann de facto unter EU-Kuratel stehenden Banken könnten garantiert werden. Mit diesem Manöver dürfte es nach Ansicht des Volkswirts gelingen, dass viele verschreckte Kontobesitzer neues Vertrauen fassen und ihr zuvor aus Furcht vor dem Euro-Austritt abgehobenes Erspartes wieder zur Bank tragen.

Szenario mit Schwachpunkten

Kai Carstensen vom ifo Institut ist von Mayers Idee nicht ganz überzeugt. Er hat zwei Schwachpunkte entdeckt. "Ein ganz entscheidender Punkt ist die Annahme, dass Europa die griechischen Banken rettet. Ich glaube nicht, dass Europa das einfach so tun wird und ich glaube nicht, dass Europa das tun sollte", gibt er laut  "Wall Street Journal Deutschland" zu bedenken. Zudem dränge die Zeit, ein solcher Plan könne wohl nicht rasch genug umgesetzt werden. Andererseits zweifelt er daran, dass die Griechen die Schuldscheine einfach so als Zahlungsmittel akzeptieren würden.

Ähnlich sieht das Matthias Kullas vom Centrum für Europäische Politik. "Da braucht man gesetzliche Eingriffe, die sicherstellen, dass Löhne und Steuern in Schuldscheinen gezahlt werden und dass die Geschäfte gezwungen werden, diese Schuldschein anzunehmen", sagt er.

 

(Red.)