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Stiglitz geißelt Spanien-Hilfen als "Voodoo-Ökonomie"

der Nobelpreisträger fordert eine wachstumsorientierte Politk für Europa
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (Georg Hochmuth)

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger fordert ein gemeinsames europäisches Bankensystem und eine Wachstumspolitik.

Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat das europäische Hilfsprogramm für Spaniens Banken als "Voodoo-Ökonomie" kritisiert. "Das System ist: Die spanische Regierung rettet die spanischen Banken, und die spanischen Banken retten die spanische Regierung", sagte Stiglitz in einem Reuters-Interview. Dies könne nicht funktionieren. Stattdessen müsse Europa die Schaffung eines gemeinsamen Bankensystems und einer Fiskalunion vorantreiben.

"Man muss sich dem zugrundeliegenden Problem stellen, und das ist: das Wachstum zu fördern", sagte der frühere Wirtschaftsberater des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, der als scharfer Kritiker von Sparprogrammen gilt. "Deutschland hält daran fest, dass die Stärkung durch Haushaltsdisziplin kommt, aber das ist ein komplett falsche Diagnose", warnte Stiglitz. Der Preis, den Deutschland für einen Zerfall des Euro zahlen müsse, sei höher als der Preis für die Rettung der Gemeinschaftswährung.

Spanien will nach langem Widerstand nun doch Gelder aus den Euro-Rettungsfonds zur Rekapitalisierung seiner maroden Geldhäuser beantragen. Die Euro-Finanzminister erklärten sich bereit, dem Land bis zu 100 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Die Vereinbarung wurde am Wochenende besiegelt. Das Interview mit Stiglitz wurde bereits am Freitag geführt.

(APA/Ag.)