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Zinskartell: US-Notenbank warnte bereits 2008

zeigen LiborAffaere britische Notenbank
(c) EPA (Andy Rain)
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Die Fed empfahl vor vier Jahren Änderungen bei der Festsetzung des Libor-Zinssatzes. Die britische Notenbank gerät zunehmend in Erklärungsnot.

In der Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken gerät die britische Notenbank zunehmend in Erklärungsnot. Die USA drängten die Bank of England (BoE) Unterlagen zufolge bereits 2008 zu Änderungen bei der Festsetzung des Londoner Interbanken-Zinssatzes Libor, der im Zentrum des Skandals steht. Dies geht aus Dokumenten hervor, die die Notenbank (Fed) von New York am Freitag veröffentlichte.

Als damaliger Fed-Regionalchef empfahl der heutige US-Finanzminister Timothy Geithner in einer privaten E-Mail BoE-Chef Mervyn King sechs Möglichkeiten, um die Glaubwürdigkeit des Libor-Satzes zu stärken, wie die Reuters vorliegenden Dokumente zeigen.

Auch EU erhöht Druck

Den Druck erhöht auch die EU: Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia drohte am Freitag mit eingreifenden Maßnahmen in den Bankensektor, sollte sich der Manipulationsverdacht bestätigen.

Die Untersuchungen konzentrierten sich auf ein mutmaßliches Kartell, das bei der Feststellung von Interbanken-Zinsen zusammengearbeitet habe, erklärte er in Lissabon. Sollte sich der Verdacht der Beeinflussung bestätigen, "werden wir die notwendigen Schritte unternehmen, um einen Kulturwechsel im Bankensektor anzutreiben", sagte Almunia. Die EU räume der Untersuchung eine hohe Priorität ein. Es gehe neben dem Libor auch um den Euribor und den Bankenzinssatz in Tokio.

Zinssatz von 2005 bis 2009 manipuliert

Analysten der US-Großbank Morgan Stanley schätzen, dass auf die in den Skandal verwickelten Institute bis 2014 Zahlungen von 14 Milliarden Dollar (11,5 Mrd. Euro) zukommen könnten. Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken - darunter auch JPMorgan, Deutsche Bank, Societe Generale und HSBC - wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben.

Der Londoner Interbankenzins wird einmal täglich ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich die Institute untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Banken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

Fed meldete Zweifel bereits 2008 an

Die New Yorker Fed machte mit Nachdruck deutlich, dass sie auf erste Zweifel an der Festsetzung des Interbanken-Zinssatzes vor vier Jahren sofort reagiert habe. In einem zweiseitigen Memo, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, schlug Geithner dem BoE-Chef King unter anderem vor, so etwas wie Musterverfahren einzuführen, um den Libor festzusetzen, auch um unbeabsichtigte oder vorsätzliche Falschmeldungen zu vermeiden.

Die BoE hat bereits Andeutungen des Ex-Chefs der britischen Bank Barclyas, Bob Diamond, zurückgewiesen, dass sie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise falsche Angaben zur Ermittlung des Libor-Satzes gutgeheißen habe. Barclays hatte als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt und wurde zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Diamond trat danach als Barclays-Chef zurück.

Weltweit wichtigster Zinssatz

Der Libor ist zwar der weltweit bedeutendere Satz, in Europa jedoch spielt der Euribor für einige Produkte eine wichtigere Rolle. Die EU-Kommission hatte vergangenes Jahr Untersuchungen gegen zahlreiche europäische Großbanken wegen mutmaßlicher Manipulationen des Euribor eingeleitet.

Der Euribor steht auch im Fokus von Untersuchungen der deutschen Finanzaufsicht BaFin, die Regulierungskreisen zufolge mehrere hiesige Banken unter die Lupe nimmt. Laut informierten Personen gibt es keine konkreten Anhaltspunkte, dass deutsche Banken versucht haben, den Euribor zu manipulieren. Die Prüfung beziehe sich auf die Organisationsstrukturen der Häuser.

(APA/Reuters)