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Die Chronologie des Falls Estibaliz C.

Estibaliz C. nach ihrer Festnahme in Udine
Estibaliz C. nach ihrer Festnahme in Udine(c) APA/POLICIADISTATO UDINE (POLICIADISTATO UDINE)
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Die Angeklagte soll ihren Mann und später ihren Lebensgefährten erschossen, mit Kettensägen zerstückelt und einbetoniert haben.

Am Montag hat einer der spektakulärsten Prozesse des Jahres im Wiener Landesgericht begonnen. Die heute 34-jährige Spanierin Estibaliz C. ist angeklagt, in den Jahren 2008 und 2010 ihren Mann bzw. ihren Lebensgefährten aus nächster Nähe mit einer Pistole erschossen, die Leichen zerstückelt, einbetoniert und in einem Kellerabteil unter ihrem Eissalon in Wien-Meidling versteckt zu haben. Der Fall flog im Juni des Vorjahres auf, die Angeklagte wurde nach ihrer Flucht in Italien verhaftet. Nachfolgend eine Chronologie der wichtigsten Eckdaten des spektakulären Kriminalfalle, der von den Medien oft als "Eislady"-Prozess bezeichnet wurde.

27. April 2008 - Der erste Mord

Estibaliz C. tötet laut Anklage in ihrer Wohnung ihren geschiedenen Mann Holger H. Sie schießt mit einer Pistole aus nächster Nähe zweimal auf seinen Hinterkopf und einmal in seine Schläfe. Sie versucht laut Staatsanwaltschaft zunächst, die Leiche in ihrer Wohnung zu verbrennen, bricht dies wegen der starken Rauchentwicklung ab und kauft in den nächsten Tagen eine Kettensäge, zerteilt den Toten und friert ihn zunächst ein. Im Herbst 2008 betoniert sie die Leichenteile in einer Wanne ein und lagert diese in einem Kellerabteil unter ihrem Eissalon "Schleckeria" in der Oswaldgasse ein. Ihr Motiv dürfte gewesen sein, dass Holger H. nicht aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen wollte.

21./22. November 2010 - Der zweite Mord

Nach einem gemeinsamen Abend kommen Estibaliz C. und ihr Lebensgefährte Manfred H. nach Hause. Laut Anklage wartet die Beschuldigte, bis ihr Freund schläft, kleidet nach den Erfahrungen des ersten Mordes die Wände und den Boden mit einer Plastikfolie aus und tötet den Mann mit vier Schüssen aus kurzer Distanz in seinen Hinterkopf. Mit einer zuvor besorgten Kettensäge zerteilt sie die Leiche und betoniert sie ebenfalls in Wannen im Keller unter dem Eissalon ein. In diesem Fall soll die Untreue von Manfred H. das Motiv für den Mord gewesen sein.

26. November 2010 - Abgängig gemeldet

Wegen wiederholter Nachfragen seiner Verwandten meldet die Angeklagte Manfred H. als abgängig.

6. Juni 2011 - Leichenteile gefunden

In seinem Geschäftslokal, das sich ebenfalls im Haus des Eissalons "Schleckeria" befindet, baut ein Mieter um und muss im Keller neue Installationen vornehmen. Dazu bricht er das mit einem Vorhängeschloss gesicherte Kellerabteil mit der Nummer 6 auf, das laut mehreren Hausbewohnern niemandem zugeordnet werden kann. Er entdeckt eine Faustfeuerwaffe sowie die mit Beton gefüllten Mörtelwannen. Er verständigt die Polizei. Diese findet in mehreren mit Beton gefüllten Maurertrögen, Blumentöpfen und drei Kühltruhen Leichenteile.

7. Juni 2011 - Flucht

Die Angeklagte hört in ihrem Eissalon zufällig, wie der Entdecker der Leichen gegenüber einer ihrer Mitarbeiterinnen davon spricht, er hätte den "Manfred" gefunden. Sie flüchtet, lässt sich von einem Freund ihren Reisepass aus der Wohnung holen und ein Wertkartenhandy besorgen, hebt von ihrem Sparbuch 10.000 Euro ab und leert ihr Bankschließfach. Sie fährt mit einem Taxi zum Flughafen, bucht ein Ticket nach Paris, flüchtet aber wegen des späten Flugtermins aus Angst, festgenommen zu werden, wieder vom Airport nach Wien und steigt am Busbahnhof in ein weiteres Taxi. Die Ermittler haben tatsächlich am Gate schon auf sie gewartet. Der Lenker bringt sie nach Udine, wo er unter seinem Namen ein Hotelzimmer für sie mietet.

8. Juni 2011 - Polizei alarmiert

Estibaliz C. verlässt das Hotel und kommt wieder den Ermittlern zuvor. Diese haben bereits mit dem Taxilenker gesprochen und die italienischen Kollegen ersucht, sie in dem Hotel festzunehmen. Am Bahnhof von Udine lernt sie einen Straßenkünstler kennen und bringt ihn dazu, sie bei ihm aufzunehmen. Ihm fällt ihr Interesse an dem Kellerleichen-Fall im Internet auf, außerdem äußert sie Selbstmordgedanken. Er verständigt schließlich die Polizei.

9. Juni 2011- Leiche identifiziert

Die Polizei identifiziert einen der Toten als den Lebensgefährten von Estibaliz C.

10. Juni 2011- Verhaftung

Italienische Polizisten verhaften die Beschuldigte in Udine. Sie wird in ein Krankenhaus eingeliefert, weil sie im zweiten Monat schwanger ist. Vater ist ihr neuer Lebensgefährte.

(c) APA/EXPA/JOHANN GRODER

24. Juni 2011 - Auslieferung

Die Verdächtige wird von den italienischen Behörden an die österreichische Justiz ausgeliefert. In Udine hat sie zuvor den italienischen Behörden die Taten im Prinzip gestanden, bei den Einvernahmen in Wien zeigt sie sich zunächst relativ verschwiegen.

11. Jänner 2012 - Geburt eines Buben

Estibaliz C. wird in einem Wiener Krankenhaus Mutter eines gesunden Buben. Unmittelbar nach der Geburt wird das Baby seinem Vater übergeben. Letztlich wird das Kind nach Barcelona zu den Eltern der Angeklagten gebracht.

29. März 2012 - erneute Heirat

Die Angeklagte heiratet den Kindesvater: In der Vernehmungszone der Justizanstalt Wien-Josefstadt geben Estibaliz C. und ihr Lebensgefährte, der 47-jährige Roland R., einander das Ja-Wort.

4. Juli 2012 - Gutachten

Details des psychiatrischen Gutachtens zu der Angeklagten werden bekannt. Darin beschreibt die Gutachterin die Frau als "Prinzessin", die "sich erhofft, von einem Mann 'gerettet' zu werden". Sie habe sich ihren jeweiligen Partnern völlig untergeordnet, sei dabei aber nicht glücklich geworden. Da Estibaliz C. nicht imstande sei, von ihr nicht mehr erwünschte Beziehungen zu beenden, "bleiben im Wesentlichen nur mehr deviante Auswege", hält die Gerichtspsychiaterin fest. Selbstmord komme für Estibaliz C. nicht infrage, weshalb der Ausweg in der "Elimination desjenigen Hindernisses" bestünde, "das einer neuen und erhoffterweise vorteilhafteren Beziehung im Weg steht".

5. September 2012- Anklage

Die Staatsanwaltschaft Wien erhebt Anklage gegen Estibaliz C. wegen Mordes an Holger H. und Manfred H. und beantragt die Einweisung der Angeklagten in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

19. November 2012 - Prozessbeginn

Der Prozess gegen Estibaliz C. beginnt im Wiener Landesgericht unter großem medialen und Publikumsinteresse. Estibaliz C., die von Staatsanwältin Petra Freh als "tickende Zeitbombe" bezeichnet wird, berichtet detailliert, warum und wie sie ihren Ex-Mann und später ihren Lebensgefährten erschossen hat. Sie gibt an, dass die beiden Männer sie nur heruntergemacht hätten und nicht gehen wollten, als sie die Absicht zur Trennung gehabt hätte.

(c) APA/HELMUT FOHRINGER

22. November 2012 - Das Urteil

Estibaliz C. wird im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichts einstimmig wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Verteidigung meldet Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

20. März 2012 - OLG bestätigt

Das Oberlandesgericht bestätigt das Urteil. Estibaliz C. muss damit lebenslang in Haft. Der Berufungsverhandlung blieb sie fern.

 

(APA)