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Islam-Studie: Junge Musliminnen sind gut integriert

Junge Musliminnen leben in Österreich gut integriert. Traditionelle Rollenbilder werden von Generation zu Generation aufgeweicht.
Junge Musliminnen leben in Österreich gut integriert. Traditionelle Rollenbilder werden von Generation zu Generation aufgeweicht.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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In einer Studie unter 1000 Muslimen in Österreich zeichnen sich große Unterschiede in Traditionalität und Religiosität von Generation zu Generation ab. 16 Prozent der Männer meinen, dass ihre Frau auf jeden Fall ein Kopftuch tragen sollte.

Junge Musliminnen leben in Österreich gut integriert, so lassen sich die Ergebnisse einer umfangreichen Studie, die im Auftrag des Integrationsstaatssekretariats durchgeführt wurde, zusammenfassen. Zwischen der ersten und den darauffolgenden Generationen bestehen allerdings große Unterschiede. Die Frauenreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft Carla Amina Baghajati sieht in den Ergebnissen einen guten Beitrag zur Diskussion über Geschlechterrollen, erklärte sie am Dienstag.

Im Rahmen der IFES-Studie wurden im vergangenen Frühjahr 1000 Muslime mit türkischem und bosnischem Migrationshintergrund in Österreich befragt. Erstellt wurde sie vom Theologen Paul Zulehner, Meinungsforscher Peter Hajek und Politologen Peter Ulram.

Traditionelle Arbeitsteilung nimmt ab

Während bei den Muslimen der ersten Generation eine traditionelle Arbeitsteilung in der Familie stattfindet, haben sich Musliminnen der zweiten und dritten Generation den Österreicherinnen weitgehend angepasst. Das Rollenbild "Mann im Beruf, Frau in der Familie" wird von 39 Prozent der Muslime der ersten Generation unterstützt. Bei der Hausarbeit machen Musliminnen der zweiten Generation weniger als ihrer Mütter, die Männer beteiligen sich mehr.

Muslime, die in erster Generation in Österreich leben, haben einen deutlich höheren Kinderwunsch als die Einheimischen. In der zweiten Generation nähern sich die Werte jenen der Einheimischen an. Musliminnen fühlen sich im Schnitt moderner Muslime generell. Von der ersten zu den nächsten Generationen nimmt der Anteil der Traditionellen ab, jener der Modernen zu.

Auch Religiosität nimmt ab

Während sich nicht-muslimische Österreicher nur zu 38 Prozent als religiös bezeichnen, sind es in der islamischen Bevölkerung deutlich mehr Personen: In der ersten Generation behaupten 73 Prozent der Muslime und 87 Prozent der Musliminnen, dass sie religiös seien. Diese starke Religiosität nimmt zur zweiten und dritten Generation hin deutlich ab: Muslime nennen sich zu 57 Prozent religiös, Musliminnen zu 62 Prozent.

In Bezug auf die Sprache der Predigt in Moscheen sind 61 Prozent dafür, dass nur bzw. auch auf Deutsch gepredigt wird. Für die Mehrheit der muslimischen Männer (56 Prozent) liegt die Entscheidung darüber, ob eine Muslimin ein Kopftuch tragen soll, bei der Frau. 16 Prozent meinen, dass ihre Frau auf jeden Fall ein Kopftuch tragen sollte bzw. muss, 13 Prozent halten dies in der Öffentlichkeit für nicht notwendig.

Rund neun von zehn Muslimen essen keine Schweinefleisch, etwa drei Viertel trinken keinen Alkohol. 43 Prozent geben an, bei allen Nahrungsmitteln darauf zu achten, dass sie "halal", also nach den muslimischen Regeln zubereitet, sind.

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"Tief greifender Wandel"

Für Zulehner zeigen die Daten den "tief greifenden Wandel", den Muslime in Österreich durchlaufen: "Das betrifft die Geschlechterrollen, das Freiheitsgefühl, das Commitment in der islamischen Kommunität. Hier ist die Islamische Gemeinschaft selbst gefordert." Für Österreich stelle sich die Frage, wie diese dynamische Entwicklung behutsam unterstützt und gefördert werden kann.

IGGiÖ- Frauenreferentin Baghajati erkennt in der Studie einen interessanten Beitrag zur Diskussion über das Auseinanderklaffen der Eigen- und Fremdwahrnehmung. Erfreut zeigt sie sich über die Tatsache, dass nun ein Dialog über Geschlechterrollenbilder sowie die Unterschiede zwischen Tradition und Religion stattfindet.

Erhoben wurde in der Studie auch die Mediennutzung von Muslimen. Genutzt werden in erster Linie Fernsehen (87 Prozent regelmäßige Nutzung) und das Internet (67 Prozent). Zeitungen, Magazine und Radio nutzt nur eine Minderheit regelmäßig. Türkische Fernsehsender werden häufiger gesehen als deutsche. Auch im Internet setzt etwa die türkische Community stärker auf Homepages in ihrer Muttersprache.

Die Studie

Die Studie wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Inneres von ECOQUEST durchgeführt. Befragt wurden 500 Muslime mit türkischem Migrationshintergrund und 500 Muslime mit bosnischem Migrationshintergrund - österreichweit repräsentativ für diese beiden Populationen - ab 16 Jahren.

Die persönlichen Interviews führte das Institut für empirische Sozialfoschung (IFES) vom 23. März bis zum 14. Mai 2012 durch.

(APA/Red.)