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Haselsteiner: „Alpine-Pleite war seit einem Jahr klar"

Haselsteiner: „Alpine-Pleite war seit einem Jahr klar"APA/HANS KLAUS TECHT
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Die Insolvenz der Alpine kommt allen anderen Bauunternehmen zugute, sagt Hans Peter Haselsteiner, der ehemalige Vorstandschef der Strabag.

Die Presse: Herr Haselsteiner, in den vergangenen Wochen hat sich in ihrer Branche einiges getan. Wie fühlt es sich an, wenn einer der größten Konkurrenten nicht mehr mitspielt?

Hans-Peter Haselsteiner:
Wie soll sich das anfühlen? Die Pleite der Alpine war keine sonderliche Überraschung für uns. Seit über einem Jahr war klar, dass der Weg in diese Richtung gehen wird. Dass eine Insolvenz der Alpine vermieden werden kann, war für uns denkbar unwahrscheinlich.

Warum?

Wenn eine Baufirma einmal veröffentlichen muss, dass sie in Schieflage geraten ist, dann kommt es bereits zu massiven Beeinträchtigungen. Zum einen, weil das Vertrauen der Bauherren und der Marktteilnehmer, wie Banken oder Sublieferanten, erschüttert wird. Zum anderen, weil die Mitarbeiter natürlich nichts Anderes mehr tun, als darüber nachzudenken, was eine Pleite für sie bedeuten könnte. Alleine das verursacht Schäden, die bereits ausreichend sind.

Hätte man die Alpine retten können?

Ohne massive Mittel, also unter einer halben Milliarde Euro, wäre das sicher nicht gegangen. Es war aber absehbar, dass diese große Summe weder von den Eigentümern noch vom Markt, etwa über einen Börsegang, darstellbar ist. Daher war es ziemlich klar, dass die Insolvenz kommen wird.

Das heißt, Sie waren zu keinem Zeitpunkt überrascht?


Ich habe mich schon lange gewundert, wie das bei anderen Unternehmen alles so funktioniert. Es gab immer diese positiven Zahlen. Auf der anderen Seite wussten wir, wie wir zu kämpfen haben und welche Probleme bei uns im Haus überwunden werden mussten. Wir haben uns immer gewundert, dass unsere Mitbewerber solche Erfolgsmeldungen vom Stapel lassen. Und jetzt ist klar, wie das gegangen ist. Wenn man lange genug versucht, etwas wegzuschieben, dann geht das auch. Aber es geht eben nur eine Zeit lang. Und irgendwann dann nicht mehr.

Wie wird sich die Alpine-Pleite auf die Strabag auswirken?

Der Haupteffekt ist, dass ein großer Marktteilnehmer und Mitbewerber, der teils sehr sehr aggressiv vorgegangen ist, wegfällt. Diese Marktentspannung kommt allen anderen zugute. Und wenn sich die einen oder anderen irgendeinen zusätzlichen Vorteil verschaffen können, dann soll uns das Recht sein. Wir werden auch versuchen, da oder dort zuzuschlagen.

Also ist die Pleite der Alpine für die Strabag nur positiv?


Nun ja, wir haben in Österreich sicher einen überbesetzten Markt. Wenn die Kapazitäten eingeschränkt werden, ist das für den Markt sicher positiv. Die übrigen werden die Pleite hoffentlich als Schock wahrnehmen, weil sie dann bei ihren Kalkulationen etwas realistischer arbeiten. Zumindest würde ich das hoffen.

Sie sind wahrscheinlich ziemlich froh, dass die Regierung nicht beschlossen hat, die Alpine zu retten.


Ich glaube, das wäre nicht gegangen. Ich wüsste auch nicht, wie die Regierung das hätte bewerkstelligen sollen. Es gibt ein berühmtes und unglückliches Beispiel in der jüngeren Geschichte: Die Firma Holzmann. Das war damals schon mehr als umstritten. Heute wäre ein Eingriff in den Wettbewerb vollkommen undenkbar. Das wäre EU-rechtlich glaube ich nicht möglich gewesen. Es kann außerdem nicht sein, dass jemand, der den Wettbewerb bestimmt, diesen verliert und dann auch noch zu Lasten des Wettbewerbes saniert wird. Da kann man ja gleich aufhören.

Die Strabag hat für Teile der Alpine Angebote gelegt. Können Sie uns schon sagen, wie es damit weitergehen wird?


Nein, weil ich ja nicht mehr operativ tätig bin. Aber der Fahrplan ist immer der gleiche. In manchen Bereichen gibt es größere Überschneidungen. Da ist auch unser Interesse größer. Der österreichische Markt ist klein und daher werden die heimischen Teilnehmer versuchen, ihre Marktpositionen nach dem Kapitel Alpine entschieden zu verbessern.

Wir nehmen an, mit Rücksicht auf das Kartellgesetz?

Natürlich. Unser Augenmerk liegt aber darauf, auch den einen oder anderen Bauherren zu übernehmen. Wobei ich mich hier korrigieren muss: Wir übernehmen ihn nicht, wir gewinnen ihn als Bauherren für die Strabag. Dann bekommen wir vielleicht das ein oder andere Grundstück oder eine Mischanlage.

Wären Sie abseits der Bauarbeiter an Alpine-Mitarbeitern interessiert?

Ich glaube nicht, dass wir den Bedarf haben, unser Management zu verstärken. Wenn es den einen oder anderen herausragenden Alpine-Mitarbeiter gibt, der sich bei uns bewirbt, dann werden wir ihn vermutlich anhören. Bei der Alpine gab es einige gute Leute. Aber viele haben das Unternehmen schon längst verlassen - was auch klar ist. Eine große Aufnahmewelle wird es aber nicht geben, warum auch. Durch den Alpine-Ausfall wird unser Umsatz nicht nennenswert in die Höhe fahren.

Zur Person

Hans Peter Haselsteiner (geb. 1944) war bis Mitte Juni dieses Jahres Vorstandsvorsitzender des heimischen Baukonzerns Strabag. Er hat sich damit früher als geplant aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Haselsteiner hat die Strabag zu Österreichs größtem Baukonzern ausgebaut. Das Unternehmen beschäftigt heute rund 74.000 Mitarbeiter.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe vom 02.07.2013)