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Aktion: Kleine Spende für große Projekte

Micropayment beim Einkaufen im Supermarkt, Kaffee für Bedürftige mitzahlen und Leitungswasser im Kaffeehaus: Wie neue Formen des Spendens in Österreich funktionieren.

Wien. Die Idee an sich ist nicht ganz neu, doch in diesem Ausmaß ist ein solches Projekt in Österreich noch nicht durchgeführt worden: Es geht um die neue Spendenaktion, die die Caritas gemeinsam mit dem Handelsriesen Rewe durchführt. „Aufrunden, bitte“ heißt die Aktion. Im Klartext geht es darum, dass seit knapp zwei Wochen jeder Kunde an der Kassa des Supermarktes mit diesen Worten bestimmen kann, ob er ein paar Cent für soziale Projekte in Österreich hergeben will – und auf die Herausgabe von ein paar Centmünzen verzichtet.
Die Caritas ist begeistert. „Wir hatten eigentlich keine Vorstellung, wie das ankommen könnte“, erzählt die zuständige Caritas-Sprecherin Sonja Jöchtl. „Jetzt, wo es läuft, bekommen wir zahlreiche E-Mails mit durchwegs positivem Inhalt.“ Der Tenor der Rückmeldungen sei: „Ich bin zwar nicht vermögend, ein paar Cent für Gutes gehen mir aber nicht ab.“

Das Projekt, das seit rund zwei Wochen läuft, trifft offenbar einen Nerv, einen positiven. Die Hemmschwelle zu spenden ist gering, weil man persönlich gar nichts tun muss und ein Spendenbetrag einfach mit der Kassenrechnung abgebucht wird. Noch dazu handelt es sich nur um einen geringen Betrag, der kaum jemandem fehlt und – was nicht zu unterschätzen ist – viele Kunden wollen ohnehin kein kleines Wechselgeld zurück.

Für das Projekt musste das Kassensystem umprogrammiert werden. Doch für den Konzern scheint sich der Aufwand zu rechnen: Denn soziales Engagement ist auch Werbung. „Jetzt haben unsere Nachhaltigkeitswochen begonnen und eine Säule davon ist gesellschaftliches Engagement“, sagt Rewe-Sprecherin Ines Schurin.

Die Erlöse gehen zwar an Caritas-Projekte, die einzelnen Handelsketten des Konzerns können aber selbst das Projekt aussuchen. So kommen etwa Billa-Spenden Familien in Not zugute, die bei Bipa gesammelten Spenden dagegen Mutter-Kind-Häusern der Caritas.
Im Normalfall wird übrigens auf die nächsten zehn Cent aufgerundet. Also bei 23,51 auf 23,60 Euro. Man kann der Kassenkraft aber auch eine andere Summe sagen und etwa auf 24,00 Euro aufrunden. Der Kassabon kann auch als Beleg zum Absetzen der Spende verwendet werden – man muss freilich einige davon sammeln, damit es sich auszahlt.

Übrigens: Auf www.aufrunden.at sind immer der aktuelle Spendenstand und die Zahl der Kunden, die an der Aktion teilnehmen, aufgeführt. Freitagnachmittag waren dies immerhin 166.949 Kunden und schon an die 19.000 Euro. Caritas-Präsident Franz Küberl sieht dies mit Wohlwollen: „Wenn viele ein wenig geben, kommt Großes zustande.“

Einen Kaffee trinken, zwei zahlen

In einer anderen Größenliga, aber sehr originell, spielt ein Sozialprojekt in Wien-Leopoldstadt. Daniel Landau, Besitzer des Café Tachles am Karmelitermarkt im zweiten Bezirk, hat eine Tradition aus Neapel wieder aufleben lassen: Den „Caffe Sospeso“, den aufgehobenen, vorbezahlten Kaffee für jemand anderen. Wer will, kann zwei Kaffee zahlen und nur einen trinken. Kommt jemand, der sich keinen Kaffee leisten kann, bekommt er einen vorbezahlten – gratis. Im Tachles ist dies nicht nur mit Kaffee, sondern auch mit anderen Getränken und Speisen möglich. Landau kommt übrigens selbst aus einer sozial engagierten Familie – sein Bruder ist der Caritas-Wien-Präsident.

Beispiel drei, das Projekt Wasserspende, ist nicht ganz so gut gelaufen, wie es die Initiatoren gehofft hatten. Vor einem guten Jahr wurde die Idee geboren, in Kaffeehäusern Kunden zu fragen, ob sie bereit wären, für Wasser zu zahlen und so eine Spende für ein Sozialprojekt zu leisten. Bis zu 20 Lokale beteiligten sich in Wien an der Aktion.

Doch schon von Beginn an war die an sich gute Idee von der grundsätzlichen Debatte überschattet, ob man in Wiener Kaffeehäusern überhaupt Geld für Wasser verlangen darf. Und das Projekt Wasserspende geriet in den Hintergrund. Dass die Spende – zumindest zur Hälfte – einem Sozialprojekt zugute kam, ging unter. Und seit Berndt Querfeld, Chef des Landtmann und anderer Cafés, aus dem Wasserspenden-Projekt ausstieg, ist dieses für die Organisatoren beendet.

Mehr als 6000 Euro kamen dennoch zusammen – allerdings nur mit der Hilfe einiger Großspender, sagt Initiator Herbert Rohrmair. Das Geld wurde der Hilfsorganisation World Vision übergeben, die es für Trinkwassersuche und für den Bau eines Wasserbrunnens in Sierra Leone verwendete.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2013)