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Teuerung: Höchste Inflationsrate in der Eurozone

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Allein die Mietpreise stiegen in Österreich im April um 3,6 Prozent.

Wien. Ganz Europa fürchtet sich vor der Deflation. Ganz Europa? Nein, eine kleine Alpenrepublik stemmt sich gegen den Trend und hatte im April sogar die höchste Inflationsrate des Kontinents zu verzeichnen: Österreich vermeldet eine Teuerung von 1,7 Prozent. Nur in Rumänien fällt der Wert des Geldes genauso schnell: in Rumänien, das aber nicht zur Eurozone gehört. (Die offiziell nach Brüssel gemeldete „harmonisierte“ Inflationsrate liegt in Österreich und Rumänien bei 1,6 Prozent.)

Die durchschnittliche Inflationsrate in der Eurozone lag im April einen ganzen Prozentpunkt unter jener in Österreich: bei 0,7Prozent – in der Alpenrepublik steigen die Preise also besonders schnell. Die niedrige Gesamtrate liegt vor allem an den fallenden Preisen in manchen Krisenländern wie Griechenland, wo eine Deflation die Preise im April um 1,6 Prozent gedrückt hat. In Zypern sind die Preise um 0,4 Prozent gesunken, in Portugal um 0,1 Prozent.

Österreich liegt im Durchschnitt über die letzten acht Monate bei 1,8 Prozent – und somit genau im „richtigen“ Bereich, der von der EZB angestrebt wird. Die Europäische Zentralbank definiert Preisstabilität mit einer Inflationsrate von „knapp unter zwei Prozent“. Gründe für die vergleichsweise hohe Inflationsrate in Österreich gibt es viele. Einerseits ist das Land nicht in einer Anpassungskrise wie Griechenland oder Portugal, andererseits schlagen jetzt aber auch die Steuererhöhungen der Regierung besonders durch, die man mit März in Kraft gesetzt hat, um mehr Einnahmen für das Budget zu bekommen.

 

Keine Deflationsangst

Diese Maßnahmen, wie die Erhöhung von Tabak- und Alkoholsteuer sowie die motorbezogene Versicherungssteuer, tragen bis zu 0,2Prozentpunkte zur Inflationsrate bei, so das Wifo. Die Steuererhöhungen erklären auch, warum Deutschland eine deutlich niedrigere Inflationsrate von 1,1 Prozent vorzuweisen hat. Allein Zigaretten verteuerten sich in Österreich im April im Vorjahresvergleich um 4,5Prozent. Gründe zur Deflationsangst gibt es in Österreich also kaum.

Auch die Dinge des täglichen Lebens werden weiterhin rasch teurer. Der „Mikrowarenkorb“, der überwiegend Nahrungsmittel enthält und einem typischen täglichen Einkauf entspricht, verteuerte sich im Jahresabstand um 3,5 Prozent – im März waren es allerdings noch 3,8 Prozent gewesen. Milch, Käse und Eier verteuerten sich um 6,9Prozent, Obst um 4,9Prozent und Brot sowie Getreideerzeugnisse um 1,7 Prozent. Der starke Preisauftrieb bei Fisch verlangsamte sich von 10,6 auf 3,6 Prozent. Die Wohnungsmieten verteuerten sich um 3,6 Prozent.

Sprit war im April deutlich billiger als vor einem Jahr: Diesel kostete um 2,5 Prozent und Superbenzin um 2,6 Prozent weniger. Auch Flachfernseher waren mit minus 8,5 Prozent deutlich günstiger. Hier ist aber Vorsicht angebracht. Die Statistiker bewerten elektronische Geräte oft als „billiger“, wenn diese bei gleichem Preis technisch verbessert wurden. (jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2014)