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13 Jihadisten: Nur ein einziger gesteht

Neun Jihadisten sind derzeit inhaftiert.
Neun Jihadisten sind derzeit inhaftiert.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Neun Jihadisten sind derzeit inhaftiert. Die Gesamtzahl der Verdächtigen beläuft sich auf 13. Unter den Eingesperrten ist auch eine 19-jährige Frau. Mit Terror will sie nichts zu tun haben.

Wien. Ihren 19. Geburtstag hat sich die aus Grosny, Tschetschenien, geflüchtete, in Wien-Mariahilf aufgewachsene S. wohl anders vorgestellt. An dem Tag – es war der 20. August – wurde sie bis spät in die Nacht vom österreichischen Staatsschutz verhört. Der dringende Tatverdacht: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Zwei Tage zuvor war S. von einem Cobra-Kommando in Arnoldstein, kurz vor der italienischen Grenze, festgenommen worden. In dem Auto, in dem die 19-Jährige saß, befand sich auch ihr nur um ein Jahr älterer Ehemann B. Und noch drei junge Tschetschenen. Detail am Rande: S. hatte B. wenige Monate zuvor nach islamischen Recht geheiratet, nachdem die Eltern der beiden die Eheschließung ausgemacht hatten.

Mittlerweile gilt S. als gefährliche Jihadistin. Sie ist – als einzige Frau – eine von neun Personen, denen vorgeworfen wird, sie wären (mit zwei Autos) am Weg nach Syrien gewesen. Und hätten vorgehabt, sich der Terrormiliz IS (Islamischer Staat) anzuschließen.

Seit Freitag steht fest, dass alle neun Personen bis auf weiteres hinter Gittern bleiben müssen. Für vier der Gruppe war die seit zwei Wochen bestehende U-Haft schon am Donnerstag um ein Monat verlängert worden. Weitere vier erfuhren am Freitag von dem Beschluss. Die Nummer neun, ein junger Mann, sitzt mittlerweile gar in Strafhaft. Bei ihm steht noch die Verbüßung eines bereits früher verhängten Freiheitsentzuges an.

Die neun U-Häftlinge unterliegen einem Kontaktverbot – dürfen nicht einmal mit ihren Eltern reden. Nur mit ihren Anwälten. Insgesamt gibt es aber 13 Verdächtige. Einer ist erst 17. Ihm blieb die U-Haft erspart. Bei den restlichen Personen reicht der Verdacht nicht für eine U-Haft bzw. man weiß gar nicht, wo sie gerade sind.

Die Frage ist nun: Kann die zuständige Wiener Staatsanwältin Stefanie Schön beweisen, dass die Gruppe an IS andocken wollte. IS wird vom Verfassungsschutz als Terrororganisation eingeschätzt.

Ein Mann, ein Österreicher türkischer Abstammung, hat – wie exklusiv berichtet – gestanden, schon früher Fahrten Richtung Syrien (Endstation war die Türkei) unternommen zu haben. Und er gestand auch, dass er beim Organisieren neuer Fahrten eine Rolle spielte. Aber: Kein einziger der verdächtigen Tschetschenen hat sich diesem Geständnis angeschlossen. Alle sprechen (wenig überzeugend) von beabsichtigten Urlaubsfahrten in die Türkei, nach Italien, Bulgarien oder Griechenland.

S. im Verhör (die Geheimprotokolle liegen der „Presse“ vor): „Mein Mann sagte (...), dass wir versuchen sollten nach Italien oder nach Griechenland auf Urlaub zu fahren.“ Ihr Mann: „Der Grund der Reise war einfach mit meiner Frau Urlaub zu machen.“ Auf die Frage der Staatsschützer, „Wie haben Sie sich die geplante Ausreise finanziert?“, sagt die Frau: „Wir haben uns von unserer Sozialhilfe, mein Mann bekommt 813 Euro, ich bekomme 793 Euro, Geld gespart.“
Ob sich nun Mitgliedschaft in einer Terrorverbindung bzw. die (ebenfalls strafbare) konkrete Vorbereitung darauf, so weit dokumentieren lässt, dass dies auch vor einem Strafgericht „hält“, wird von der Verteidigung bezweifelt. Möglich also, dass die U-Haft bald beendet werden muss. Für S. wäre dann vieles leichter. Sie ist, sagt sie, im vierten Monat schwanger.

Moschee distanziert sich

Indessen hat das Islamische Zentrum in Wien-Floridsdorf den Vorwurf zurückgewiesen, es helfe bei der Rekrutierung von Jihadisten. Der Direktor der Moschee, der saudi-arabische Kleriker Hashim Mahrougi, sagte, die radikale Ideologie der IS widerspreche der Lehre des Islam. Zuvor hatte der international gesuchte Wiener Jihadist Firas H. dem Islamischen Zentrum vorgeworfen, es rüste IS auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2014)