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Sammlung Essl: Stagniert der Kunstmarkt?

Christie´s assistants pose for photographers with Frank Stella´s ´6. Scramble: Ascending `Yellow Values / Descending Spectrum´ and ´D. Scramble: Ascending `Green Values / Ascending Spectrum´ at Christie´s auction house in London
(c) REUTERS (STEFAN WERMUTH)
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Christie's London versteigerte am Montag 44 Werke aus der Kollektion des Baumax-Gründers. 59 Millionen Euro brachte die Auktion ein – es war mehr erwartet worden.

Es war die wertvollste Privatsammlung, die in London bisher versteigert wurde: Unter dem Titel „Essl: 44 Works“ bot am Montagabend Christie's einige Werke aus der Sammlung Essl an. Große Bilder von deutschen Superstars wie Gerhard Richter, Sigmar Polke, Martin Kippenberger, auch eine Skulptur von Georg Baselitz, dazu US-amerikanische Klassiker wie Morris Louis und Cindy Sherman kamen unter den Hammer. Es versprach, ein spannender Abend zu werden, der obere Schätzwert lag bei 75 Millionen Euro, vorab erteilte das Auktionshaus der SE-Sammlungs GmbH (Hans Peter Haselsteiner hält 60 Prozent, Karlheinz Essl 40Prozent) eine Garantie von 50 Millionen.

Der Abend verlief unerwartet. Zwar schoss das erste Los gleich in die Höhe: Bei Anthony Gormleys 1,93 Meter großen Skulptur „Aggregate“, die Essl 2004 bei White Cube in London gekauft hatte, wurde statt um die geschätzten 190.000 bis 250.000 Euro um stolze 1,6 Mio. Euro zugeschlagen. Aber dann blieb das höchst taxierte Werk, „Netz“ von Gerhard Richter, bei 7,3 Mio Euro hängen, erreichte damit also nicht einmal den unteren Schätzpreis (11 bis 16 Mio. Euro). In der anschließenden Pressekonferenz wurde dann der Verkauf für 6,7 Mio. Euro mitgeteilt. Essl hatte es 1994 für 254.000 Euro ersteigert. „Wolken“ desselben Künstlers (geschätzt auf 8 bis 11 Mio. Euro) brachte dagegen 7,9 Mio. Euro. Der Baumax-Gründer hatte es 1997 für 552.000 Dollar bei Christie's ersteigert.

Die höchsten Preise erzielten die fünf Werke von Sigmar Polke – einem der innovativsten Maler des 20. Jahrhunderts, der vor vier Jahren starb. Essl hatte diese Werke teilweise bei Christie's in New York ersteigert. Dort hatte der Sammler auch im Jahr 2000 Polkes „Arcimi Boldi“ (1984) erworben, das am Montagabend mit 1,3 Mio. Euro bei einem Schätzpreis von ein bis 1,5 Mio. Euro unter den Erwartungen blieb – wie so einige andere Werke, darunter Frank Stella, Lucio Fontana und auch Neo Rauchs „Bergfest“, das mit 690.000 Euro nur den unteren Schätzwert erreichte. Die günstigsten Lose waren die beiden Österreicher, Friedensreich Hundertwasser (373.000 Euro) und Maria Lassnig (230.000 Euro). Nicht verkauft wurden ein Werk von Martin Kippenberger, die Skulptur von Chillida, ein zurückgezogener Gursky und das mechanische Schwein von Paul McCarthy. Insgesamt brachte die Auktion 59 Millionen Euro.

 

Karlheinz Essl zeigt sich zufrieden

Vieles in dieser Auktion klingt nach einer enormen Wertsteigerung, und das ist es auch. Aber erstens liegen zwischen Kauf und Verkauf bis zu 20 Jahre. Damals konnte man noch Werke von jungen Künstlern für 1000 Schilling, heute also 70 Euro, kaufen. Und zweitens müssen die über die Jahre entstandenen Kosten bedacht werden – wie Versicherung, Lagergebühren, im Falle von Essl ein komplettes Museum. Und drittens muss man die Ergebnisse im Vergleich sehen. Im Mai meldete die deutsche Tageszeitung „FAZ“ einen „Rekordregen“ in New York, wo Obertaxen von jüngeren Künstlern wie Cady Noland oder Michael Riedel verdoppelt und verdreifacht wurden. Martin Kippenbergers Selbstporträt von 1988 ging dort für 16,5 Mio. weg, ein asiatischer Telefonbieter war bereit, für Alexander Calders Mobile eines Fisches 23 Mio. Dollar zu zahlen (Schätzpreis 9 bis 12 Mio). Christie's setzte an dem Abend 745 Mio. Dollar um – ein Rekord. Dagegen verlief die Londoner Auktion gemäßigt und kann als Zeichen eines stagnierenden Marktes betrachtet werden, auch wenn Karlheinz Essl in der „ZiB 24“ sagte: „Es haben 50 Prozent der Lose mehr als das obere Schätzvolumen erbracht – das ist eine Leistung, die enorm ist.“

Und viertens ist es spannend zu sehen, wer kauft – und wer als Mitbieter die Preise treibt: Laut einem Auktionsbeobachter war bei Baselitz, Polke und Gormley unter anderem der Salzburger Galerist Thaddaeus Ropac dabei, der auch das Werk von Lassnig kaufte. Bei Anish Kapoor zog demnach die Lisson Gallery mit, bei Fontana, Boetti und Uecker der Mailänder Galerist Nicolo Cardi – Teilhaber seiner Galerie ist übrigens die Tochter von Silvio Berlusconi, Barbara. Für Pistoletto habe Cardi den Zuschlag erhalten, der schwedische Galerist Per Skarstedt habe Kippenberger gekauft und Juan Muñoz. Die Kunstberaterin Amy Cappellazzo hat sich demnach Polke und Baselitz gesichert, die Kunstberater Guggenheim Asher das Werk von Cecily Brown – ein beträchtlicher Teil der 39 verkauften Werke geht also in Händlerhände.

Und der Qualität der Sammlung Essl hat die Auktion sicher auch nicht geschadet: Im „Morgenjournal“ auf Ö1 versicherte Karlheinz Essl, dass er noch sehr viele Polke im Depot habe, „die mindestens mit dem, was wir hier gezeigt haben, konkurrieren können“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2014)