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Franken: Schweiz erwartet Konjunkturflaute

FILE SWITZERLAND EURO EXCHANGE RATE
(c) APA/EPA/LAURENT GILLIERON (LAURENT GILLIERON)
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Die starke Währungsaufwertung wird zu einer Konjunkturabschwächung führen. In Österreich trifft der Franken-Sprung neben Wien auch die Länder Kärnten und Salzburg.

Wien/Zürich. Die Aufgabe der Franken-Bindung an den Euro dürfte der Schweiz einen ordentlichen Konjunktureinbruch bescheren: Die schweizerische Großbank UBS hat gestern ihre Prognose für das eidgenössische BIP-Wachstum in diesem Jahr von 1,8 auf 0,5 Prozent gekappt. Eine echte Rezession sei aber nicht wahrscheinlich, hieß es. Auch auf das Wachstum 2016 werde sich der höhere Franken-Kurs noch unangenehm auswirken: Dieses nehmen die UBS-Volkswirte jetzt mit 1,1 statt bisher 1,7 Prozent an.

Bei den Exporten erwarten die Bankanalysten unter der Annahme, dass der Franken annähernd auf dem derzeitigen Niveau bleibt, einen Rückgang um fünf Mrd. Franken. Allerdings werde eine erwartete Wachstumsbeschleunigung in der Eurozone im zweiten Halbjahr 2015 für eine Entlastung der sehr stark mit dem Euroraum verwobenen Schweizer Wirtschaft sorgen, hieß es.

Eine seltene Premiere erleben derzeit die Halter von Schweizer Staatsanleihen: Der Kurs der zehnjährigen Referenzanleihe ist gestern auf 115,6 Prozent geklettert, womit die Rendite auf minus 0,012 Prozent gedrückt wird. Ein bisschen plakativ gesprochen (die Sekundärmarktrendite bezieht sich ja nicht auf neu ausgegebene Anleihen), muss man also bereits dafür bezahlen, der Schweiz Geld leihen zu dürfen. Weniger positiv ist die Reaktion der Schweizer Börse: Die sackte am Freitag erneut um mehr als vier Prozent ab. Für einen Euro waren am Freitag nur rund 1,1 Franken zu bezahlen. Der bis vorgestern gültige Mindestkurs hatte 1,20 Franken betragen.

 

Franken-Kredite: „Abwarten“

Bedeutsam ist der weitere Verlauf des Franken-Kurses vor allem für jene 150.000 Österreicher, die noch Franken-Kredite laufen haben. Ihre Schulden erhöhten sich nach der Aufgabe des Kurses von 1,20 Franken je Euro durch die SNB bereits am Donnerstag schlagartig um 4,5 Mrd. Euro. Weitere Verluste sind nicht ausgeschlossen. Dennoch sollten die Kunden vorerst „einmal ein paar Tage abwarten“, meinte Erste-Bank-Vorstand Peter Bosek am Rande einer Pressekonferenz. Er teilt die Ansicht vieler Experten, dass der Kurs zurzeit übertreiben könnte und sich in den kommenden Tagen wieder auf einem für Kreditnehmer besseren Level einpendeln würde.

Bosek erwartet, dass der Kurs wieder auf 1,10 bis 1,12 ansteigen wird. „Das wäre dann wahrscheinlich auch ein guter Zeitpunkt, den Kredit in Euro zu konvertieren.“ Die Bank rät – so wie auch die anderen heimischen Finanzinstitute– ihren Kunden schon seit Längerem, aus dem Franken komplett auszusteigen. Auf jeden Fall sollten diese Kontakt mit ihrem Berater aufnehmen. Eine eigene Hotline sei dafür eingerichtet worden.

Für die meisten Kunden wird unter dem Strich ein Verlust bleiben, erwartet Bosek. Denn in der Regel waren die Kredite bei einem Kurs von etwa 1,55 Franken je Euro und mit einem Zinssatz von rund drei Prozent abgeschlossen worden. Dieser einstige Zinsvorteil sei durch die Währungsverluste aber schon längst aufgefressen worden. Heute bieten die Banken ihren Kunden auch in Euro Kredite mit Zinsen von 2,5 Prozent an.

Einen spürbaren Anstieg an Kreditausfällen erwartet Bosek für das österreichische Geschäft nicht. „Wir haben solche Kredite nur an Menschen vergeben, die sie sich auch leisten konnten.“ Zudem sei immer auch ein Puffer von mindestens 20 Prozent zwischen Kreditsumme und Sicherheit eingebaut gewesen.

Verluste mit Franken-Krediten drohen auch österreichischen Bundesländern. Wie berichtet hat sich der Schuldenstand der zu einem Drittel in Franken verschuldeten Gemeinde Wien gestern um fast 200 Mio. Euro erhöht (wobei das in Wien noch immer als bedeutungsloser „Buchverlust“, den man nicht realisiere, gesehen wird). Kärnten erwartet für seinen Franken-Kredit von 100 Mio. Euro 14,7 Mio. Euro „Zusatzkosten“, in Salzburg steigt die Haftung für einen Franken-Kredit von 15 auf 27 Mio. Euro.

 

Pleiten bei Devisenhändlern

Auf dem falschen Fuß erwischt hat die Schweizer Nationalbank mit ihrem überraschenden Schritt die Devisenhändler: Schon am Freitag schlitterten der britische Devisenhändler Alpari und der neuseeländische Händler Global Brokers in die Insolvenz. (red./jaz/ju)

AUF EINEN BLICK

Die Schweizer Notenbank bremst mit ihrem Beschluss, den Franken-Mindestkurs zum Euro aufzugeben, die Schweizer Wirtschaft recht abrupt ab: Nach einer Prognose der Schweizer Großbank UBS wird das Wachstum heuer nicht, wie bisher angenommen, 1,8, sondern nur 0,5 Prozent betragen. In Österreich raten Banken den Franken-Kreditnehmern unterdessen, vor irgendwelchen Aktionen erst einmal eine Beruhigung der Lage abzuwarten. Der Franken-Kurs werde wieder etwas sinken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2015)