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Fusion: ÖVAG-„Rebellen“ droht die Abwicklung

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Die Fusionierung der 41 Volksbanken zu acht Regionalinstituten ist zwar fix, vier Institute weigern sich aber immer noch, beim Sanierungsplan für die ÖVAG mitzumachen. Im schlimmsten Fall droht ihnen die behördliche Abwicklung.

Wien. Die Fusion von 41 Volksbanken zu acht Regionalinstituten ist zwar so gut wie fix, seit in der Vorwoche die von der Finanzmarktaufsicht verlangte mindestens 90-prozentige Zustimmung des Sektors erreicht wurde. Vereinzelt halten sich aber noch „Rebellennester“: Wie „Die Presse“ aus ÖVAG-nahen Kreisen erfuhr, leisten die Volksbanken Osttirol, Tulln und Almtal sowie die zum Sektor gehörende Apothekerbank noch immer Widerstand. Im Extremfall droht den Rebellen eine Art standrechtliche Erschießung: die behördliche Abwicklung.

Wie berichtet, sieht der Sanierungsplan für den durch die Probleme des Spitzeninstituts ÖVAG ins Schlingern geratenen Volksbankensektor vor, dass die bisher 41 lokalen Volksbanken länderweise zu acht Regionalbanken (das Burgenland kommt zu Wien) und ein paar Spezialbanken zusammengeschlossen werden. Am Ende stünden dann entschuldete, von den ÖVAG-Lasten befreite gesunde Regionalbanken, die sich auf das klassische Bankgeschäft konzentrieren könnten.

Im Sektor selbst war der Widerstand gegen diese Lösung freilich groß: Die meisten verweisen auf gesunde Bilanzen, verstehen sich als erfolgreiche Regionalbanken und zeigen nicht die geringste Lust, in größeren Einheiten aufzugehen.
„Sie begreifen einfach nicht, dass sie die Eigentümer der ÖVAG sind und deshalb auch für den von ihnen als Eigentümer dort mitverantworteten Schaden aufzukommen haben“, bringt es ein ÖVAG-naher Banker auf den Punkt.

 

„Kopfwäsche“ für Rebellen

Die meisten haben es unterdessen allerdings begriffen: Die Finanzmarktaufsicht hat die Vorstände der „Rebellenbanken“ nämlich unterdessen zur „Kopfwäsche“ nach Wien zitiert und ihnen ziemlich eindrucksvoll die Folgen einer Weigerung vor Augen geführt: Sie würden aus der Einlagensicherung fliegen, ohne gleich einer anderen beitreten zu können, und ihre Bilanzen würden sich dramatisch verschlechtern, weil die Risikogewichtung ihrer Aktiva nach dem Ausscheiden aus dem Volksbankenverbund neu bewertet werden müsste. Allein diese beiden Faktoren würden den meisten erhebliche Probleme breiten. „Die würden ein Ausscheren keine paar Wochen überleben“, wie es ein Insider aus dem Finanzministerium drastisch ausdrückte.

 

Die Zeit beginnt zu drängen

Damit nicht genug, wurde ihnen aber auch noch eine besonders schmerzhafte Rute ins Fenster gestellt: Im Extremfall, wurde ihnen mitgeteilt, drohe die behördliche Abwicklung. Das heißt, sie bekämen einen Verwalter, der das Institut geordnet schließt.

Mit solchen Aussichten konfrontiert, haben die meisten lokalen Volksbanken jetzt doch Gremialbeschlüsse für die Fusion zustande gebracht. Bis auf die vier, die sich weiter querlegen. Unterdessen beginnt die Zeit freilich zu drängen: Eigentlich hätten die Beschlüsse schon zu Jahresbeginn unter Dach sein sollen. Denn am 1. Juli geht die ÖVAG in die Abbaubank über (in deren Rahmen sie bis 2017 liquidiert werden soll). Bis dahin muss die Lösung wasserdicht stehen.

Finanzministerium und Finanzmarktaufsicht wollen das mit aller Härte durchziehen: Schließlich hat der Bund die ÖVAG mit Steuerzahlergeld aufgefangen (er ist seither mit rund 43 Prozent beteiligt). Ohne diese Steuerzahlerhilfe wäre die ÖVAG kollabiert – und mit ihr auch die meisten ihrer Eigentümer, die regionalen Volksbanken. Man könne sich nicht zuerst vom Bund retten lassen – und sich dann einfach so „vertschüssen“, ohne zu seinen Verpflichtungen zu stehen, hieß es dazu.

 

Apothekerbank muss bleiben

Das ist auch der Grund, wieso man die Apothekerbank – eine Spezialbank im Rahmen des Volksbankensektors – nicht einfach ziehen lassen will. Die hat nämlich de facto ein Übernahmeangebot der deutschen Ärztebank und würde das auch ganz gern annehmen. Die Zustimmung von Finanzministerium und FMA dazu ist aber wohl nicht zu bekommen. Ein Insider dazu: „Wir haben die doch nicht saniert, damit dann andere die Früchte ernten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2015)