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Ernährung: Die Welt will doppelt so viel Fleisch

(c) REUTERS (CHINA DAILY)
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Um zur Jahrhundertmitte ein Drittel mehr Menschen ernähren zu können, muss die Welt 60 Prozent mehr Nahrung erzeugen. In einigen Regionen werden die Ackerflächen bereits knapp.

Wien. Die schlechte Nachricht vorneweg: Auch im Jahr 2048 werden noch Menschen an Hunger leiden. Und das, obwohl es – wie heute – mehr als genug Nahrungsmittel für alle gäbe. Wäre das vorhandene Essen gleichmäßig verteilt worden, hätte jeder Mensch schon im Jahr 2005 rund 2770 Kilokalorien am Tag zu sich nehmen können. Die Realität sieht anders aus: 1,9 Milliarden Menschen konsumieren mehr als 3000 Kilokalorien täglich, am anderen Ende leben 2,3 Milliarden Menschen in Ländern, in denen es im Schnitt weniger als 2500 Kcal pro Kopf und Tag gibt.

Daran wird sich bis Mitte des Jahrhunderts nur wenig ändern, fürchtet die Welternährungsorganisation FAO. Obwohl die Welt in der Vorstellung der Organisation deutlich reicher sein wird als heute, werden immer noch 318 Millionen Menschen, oder 4,1 Prozent der dann erwarteten Weltbevölkerung, unterernährt sein. Zum Vergleich: Heute haben rund 900 Millionen, also fast jeder Fünfte weltweit, nicht ausreichend zu essen. Aber nicht nur die Verteilung der Nahrungsmittel bleibt problematisch. Auch auf die Landwirtschaft kommen große Veränderungen zu.

Ein Drittel mehr Menschen als heute werden auf der Welt leben, 70 Prozent von ihnen in Städten. Um sie ausreichend zu ernähren, müssen die Landwirte ihre Produktion um 60 Prozent steigern. Allein die Fleischproduktion wird sich um 200 Millionen Tonnen auf 455 Millionen Tonnen fast verdoppeln müssen. Eine Milliarde Tonnen zusätzliches Getreide muss angebaut werden, um die notwendige drei Milliarden-Tonnen-Grenze zu erreichen.

 

Mehr Sprit aus Lebensmitteln

Nur die Hälfte des angebauten Getreides wird jedoch auf dem Teller der Menschen landen. Der Rest würde für Futtermittel und Agrosprit verwendet werden. Schon heute werden in den USA und Brasilien große Mais- und Zuckerrohrplantagen für die Herstellung von Ethanol und Agrodiesel verwendet. Die FAO sieht darin eine der größten Bedrohungen für die Nahrungsmittelversorgung von morgen.

Denn obwohl 90 Prozent der benötigten reicheren Ernte über eine bessere Nutzung bestehender Äcker kommen soll, müssen in den Entwicklungsländern dennoch 120 Millionen Hektar an zusätzlichem Ackerland erschlossen werden. Vor allem in Lateinamerika und der südlichen Hälfte Afrikas werden Wälder und Steppen weichen müssen, was die Biodiversität entsprechend verringern wird, erwartet das International Food Policy Research Institute. In Industrieländern werden die Ackerflächen hingegen um 50 Millionen Hektar schrumpfen.
Weltweit gibt es mehr als genug fruchtbares Land, um auch neun Milliarden Menschen mit Nahrung versorgen zu können. Aber nicht alle freien Flächen sind für alle Getreidearten geeignet – und einige noch zu stark verunreinigt. Ganz andere Probleme wird es in Südasien und Nordafrika geben: Dort gibt es schon heute kaum noch mehr Platz für neue Äcker.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2015)