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Serbien vergleicht kroatische Grenzsperre mit Nazi-Gesetzen

LKW an der serbisch-kroatischen Grenze.
LKW an der serbisch-kroatischen Grenze.APA/EPA/Zoltan Balogh
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In Serbien registrierte Fahrzeuge dürfen die Grenze zu Kroatien nicht mehr passieren. Um Mitternacht hat Serbien seinerseits seine Grenze für kroatische LKW und Güter gesperrt.

Die Auseinandersetzungen zwischen Serbien und Kroatien um den Umgang mit der Flüchtlingskrise gehen in eine neue Runde: Dass Kroatien eine Einreisesperre für serbische Fahrzeuge verhängte, sorgt in Belgrad für wütende Reaktionen. Der serbische Außenminister Ivica Dacic verglich die kroatischen Maßnahmen am Donnerstag mit den Rassengesetzen des faschistischen Ustascha-Regimes, einem Marionettenstaat der Nationalsozialisten in Kroatien während des Zweiten Weltkriegs.

"In ihrem diskriminierenden Charakter können sie (die Einreisesperren, Anm.) nur mit Maßnahmen verglichen werden, die in der Vergangenheit während der Zeit des unabhängigen faschistischen Kroatien, ergriffen wurden", so Dacic in einer Erklärung am Donnerstag. Der serbische Arbeitsminister Aleksandar Vulin bezeichnete die Maßnahme Kroatiens unterdessen als "Rassismus". "Ich habe kein anderes Wort dafür", sagte er laut Nachrichtenagentur Tanjug.

Kroatien hat Donnerstagvormittag seine Grenze für in Serbien registrierte Fahrzeuge geschlossen. Im serbischen Fernsehen wurde gezeigt, wie Serben an der Grenze zu Kroatien abgewiesen wurden. Ein kroatischer Grenzpolizist hatte zunächst gesagt, das Einreise-Verbot gelte auch für serbische Staatsbürger, nicht nur für Fahrzeuge. Zuvor hat Serbien seine Grenzen für kroatische Lkw und kroatische Güter gesperrt. Ab Mitternacht dürfe kein in Kroatien zugelassener Laster und kein anderes Fahrzeug mit kroatischen Gütern mehr ins Land, sagte der serbische Innenminister Nebojsa Stefanovic am Mittwoch. Diese Entscheidung gelte für alle Grenzübergänge zwischen den beiden Ländern.

"Es wird keinen Krieg geben"

Damit reagiere Serbien auf eine "wirtschaftliche Aggression", um "seine Interessen" zu verteidigen. Der kroatische Regierungschef Zoran Milanovic versuchte angesichts der Grenzsperre zu beruhigen. "Es wird keinen Krieg oder Gewalt geben, alles wird ruhig bleiben, aber das ist kein normales Verhalten", sagte er in einem Fernseh-Interview in Brüssel.

Am Montag hatte Kroatien seine Grenzen für Laster aus Serbien gesperrt. Damit wollte Zagreb Druck auf die Regierung in Belgrad ausüben, damit sie die vielen Flüchtlinge auf der Westbalkan-Route nach Ungarn und Rumänien und nicht nach Kroatien weiterleitet. Zuvor waren binnen einer Woche mehr als 44.000 Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien über Serbien nach Kroatien eingereist.

Ultimatum an Kroatien ausgelaufen

Serbien hatte Kroatien ein Ultimatum bis Mittwoch um 24.00 Uhr MESZ gestellt, um die Grenzschließung für serbische Transporter aufzuheben. Dass Kroatien darauf nicht eingegangen sei, sei "unverantwortlich", sagte Innenminister Stefanovic. Am Mittwoch hatten aufgebrachte Lkw-Fahrer den einzigen noch offenen Grenzübergang zwischen den beiden Ländern, Batrovci-Bajakovo, blockiert.

Seit Ungarn Mitte September seine Grenze zu Serbien völlig dicht gemacht hatte, versuchen tausende Flüchtlinge, über Kroatien weiter nach Nordwesten zu gelangen. Das EU-Land sieht sich mit diesem Andrang überfordert. Nach dem Auseinanderbrechen des kommunistischen Jugoslawiens wurde Kroatien 2013 EU-Mitglied. Serbien strebt ebenfalls die Mitgliedschaft in der Europäischen Union an. 

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(APA)