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Wie war das doch gleich mit der Fastenzeit?

Fastensuppe
FastensuppeMichaela Bruckberger
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Fast alle Religionen kennen Zeiten des Verzichts. Christen bereiten sich derzeit auf Ostern vor. Und Katholiken löffeln heute Suppe.

In hunderten österreichischen Pfarren wird an diesem Sonntag groß aufgekocht. Meistens sind es dann doch Frauen, die da in den bei dieser Gelegenheit eng werdenden Küchen Zwiebeln schälen und Karotten schneiden, um in großen Töpfen für die Gemeinde Suppen zuzubereiten. Schon während der Tage zuvor haben Gespräche über die Rezeptur Differenzen fast weltanschaulicher Natur in den katholischen Frauen-, Jugend-, Senioren- oder Mitarbeiterrunden dieses Landes aufbrechen lassen. Das wird wohl vergessen sein, wenn nach der Sonntagsmesse die Produkte der Arbeit gemeinsam verspeist werden.

Ausgerechnet in der Fastenzeit! Interpretiert die katholische Kirche ihre Tradition – Franziskus wird ja reichlich viel zugetraut – neu? Verzichtet sie auf den jahrhundertelang für die sechseinhalb Wochen vor Ostern gepredigten Verzicht? Will sie einen demonstrativen Kontrapunkt zum Hype um Detox setzen?

Nicht ganz. Die Suppen werden anlässlich des Familienfasttages gekocht, der eigentlich, wer wüsste es nicht, am Freitag angesetzt war. Schon Anfang der abgelaufenen Woche hat Bundespräsident Heinz Fischer wieder aus diesem Anlass Kardinal Christoph Schönborn und mehr als 200 Gäste in die Hofburg zum Suppenessen eingeladen. In weniger imperialem Rahmen wird das also heute auf breiter Front in den Pfarren nachgeholt. „Teilen macht stark“ lautet heuer das Motto. Es deutet den Hintergrund der Aktion an. Geld, das sich die Einzelnen durch den Konsum der Suppen ersparen (und vielleicht auch ein wenig darüber hinaus), soll gespendet werden.


Ent-giften, theologisch

Damit sind wir beim zentralen Punkt des Fastens nach christlichem Verständnis angelangt. Es geht nicht nur um den Fastenden selbst. Darum, dass er seinen inneren Kompass neu einstellt, durch den Verzicht, soll sein Ent-giften, im Sinne des Weglassens schädlicher Substanzen, die Konzentration auf das Wesentliche fördern. Und wenn es ein „Autofasten“ bedeutet, wie es von katholischer und evangelischer Kirche seit ein paar Jahren ausgerufen wird.

Tiefer betrachtet hat Fasten mehr damit zu tun, nicht für sich selbst, sondern für andere da zu sein. Also nicht für das eigene Seelenheil (oder das körperliche Wohlergehen) Dingen zu entsagen, sondern sich durch Verzicht finanzielle Mittel zu ersparen und dieses Ersparte weiterzugeben. Gerade unter Papst Franziskus hat diese Deutung an Gewicht gewonnen. Als Kronzeuge gilt der biblische Prophet Jesaja: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen aufzunehmen.“ Zumindest jenen, die heute ihre Fastensuppe löffeln, sind diese Worte geläufig.

FASTENZEIT

Beginn. Am Aschermittwoch hat die 40-tägige Vorbereitungszeit auf das höchste Fest des katholischen Kirchenjahres, Ostern, begonnen. Heute, am zweiten Sonntag der Fastenzeit, wird in vielen Pfarren das Fastensuppenessen zugunsten Bedürftiger veranstaltet.

Ende. Mit der Osternachtsfeier am ersten Samstag nach dem ersten Vollmond des Frühlings (heuer 26. März) endet die vorösterliche Bußzeit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2016)