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G8: Gipfeltreffen in der Erdbebenstadt

(c) EPA (FABIO CAMPANA)
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Am Mittwoch treffen sich die Regierungen der führenden Industrienationen und Russland zum G8-Gipfel in L'Aquila. Im Voraus hat man sich bereits auf 12 Milliarden Dollar Hilfe für Entwicklungsländer geeinigt.

Am Mittwoch kommt es zum diesjährigen G8-Gipfel im italienischen L'Aquila. Dort treffen die Regierungen der führenden Industrienationen USA, Deutschland, Italien, Großbritannien, Japan, Kanada, Frankreich und Russland in L'Aquila aufeinander, um über die globale Probleme zu beraten. Wie bei jedem G8-Treffen ist es im Vorfeld bereits zu Protesten von Globalisierungsgegnern gekommen.

Im Mittelpunkt des Gipfels stehen neben Entwicklungshilfe und Klimapolitik, die strauchelnde Weltwirtschaft und das globalen Finanzsystem. Ob die G8-Größen tatsächlich eine Einigung in Sachen Finanzmarktregulierung finden, ist allerdings fraglich. Nach dem Crash der US-Investmentbank Lehmann Brothers vergangenen Herbst war man ursprünglich davon ausgegangen, rasch gemeinsame Standards beschließen zu können. Doch nach vielen zähen Verhandlungen schwindet die Hoffnung, dass die G8 über Absichtserklärungen hinauskommt.

"2009 ein gefährliches Jahr"

Zwei Tage im Voraus hat sich Weltbank-Präsident Robert Zoellick an die Industrienationen mit der Bitte gewandt, sie sollen nicht allzu optimistisch sein. In einem Schreiben an die G8 würdigt er zwar die Maßnahmen, die die Staaten gegen die Finanzkrise gesetzt hätten. Doch man solle sich nicht verfrüht auf Erholung einstellen. "2009 bleibt ein gefährliches Jahr." An die teilnehmenden Staaten appellierte der Weltmarkt-Präsident, nicht in Protektionismus zu verfallen. Er sieht die Situation eskalieren, sollten sie sich bei steigender Arbeitslosigkeit in einen protektionistischen Wettlauf flüchten. Die Aussichten sind düster: Laut einem WTO-Bericht hat sich in den vergangenen drei Monaten der Trend zu Handelsbeschränkungen und Wettbewerbsverzerrungen verstärkt.

12 Milliarden Dollar für die Entwicklung

Weitere Themen des G8-Gipfels werden Entwicklungshilfe und Erderwärmung sein. Auf 12 Milliarden Dollar für die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern hat man sich bereits verständigt. Das Geld soll in den kommenden drei Jahren fließen. Es soll Teil einer Initiative zur Nahrungsmittelsicherheit sein, berichtete die "Financial Times" am Montag unter Berufung auf einen Entwurf zum G8-Gipfeltreffen.

Den Kampf gegen die Erderwärmung haben sich vor allem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der amerikanische Präsident Barack Obama auf die Fahnen geschrieben. Merkel will auf eine Erklärung beharren, wonach die Klimaerwärmung bis 2050 nicht mehr als zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter betragen solle. Das sagte sie dem deutschen "Tagesspiegel". US-Präsident Obama hat sich im Wahlkampf durch Versprechungen bezüglich des Klimas hervorgetan. Gesetz dazu gibt es allerdings noch keines.

Erneut Erdbebengefahr in L'Aquila

In L'Aquila erhofft man sich vom G8-Treffen in der arg mitgenommenen Region einen beschleunigten Wiederaufbau. Vor einem Vierteljahr war es zu einem verheerenden Erdbeben gekommen. Viele Betroffenen leben heute noch in Zeltstädten.

Die Region in den Abruzzen bleibt weiterhin von Erdbeben bedroht. Einen Tag vor Beginn des Gipfels sind drei Erdstöße im Stärkenbereich 1,5 bis 2,8 nach Richter gemeldet worden. Experten schließen ein stärkeres Beben diese Woche nicht aus. Ein Evakuierungsplan für die Regierungschefs der G8 liegt schon bereit.

(Ag./Red.)