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Beben: "Zehn Sekunden waren genug, um alles zu zerstören"

In Amatrice wurden viele Häuser durch das Erdbeben zerstört.
In Amatrice wurden viele Häuser durch das Erdbeben zerstört.REUTERS
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Die Gemeinden im hügeligen Mittelitalien wurden im Schlaf vom Erdbeben überrascht. Viele mussten zusehen, wie ihr Heim zerstört wurde. Reporter berichten von Chaos.

Als um 3.30 Uhr die Erde bebte, waren die meisten Bewohner der Region zwischen Umbrien, Latium und den Marken noch in tiefstem Schlaf. Das Beben der Stärke 6 rüttelte an den Hausmauern, brachte Gebäude zum Einsturz, riss Straßen entzwei, ließ Brücken einknicken. Viele Menschen wurden von Trümmern getroffen oder verschüttet. Alle verfügbaren Rettunsgkräfte und das Militär sind im Einsatz. Aus vielen Gemeinden der Region ist noch gar kein Statusbericht eingetroffen.

"Ich habe wie durch ein Wunder überlebt", erzählt ein Mann aus der 2500-Einwohner-Stadt Amatrice der Tageszeitung "La Repubblica". Er war früh auf, um zur Arbeit zur gehen. Er sei Straßenkehrer und stand gerade auf, als alles zusammenbrach. "Zehn Sekunden waren genug, um alles zu zerstören."

In Amatrice gibt es mehrere bestätigte Todesfälle. In Accumoli sind es sechs Tote. Stundenlang wurde versucht eine vierköpfie Familie mit zwei kleinen Kindern aus den Trümmern zu retten. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Ansa sagt, mehr als 15 Menschen hätten mit bloßen Händen gegraben. Man habe die Mutter und eines der Kinder schreien gehört.

Krankenhaus evakuiert

Paola Mancini ist eine von 14 Patienten, die die Nacht im Krankenhaus von Amatrice verbrachten. "Lauft, Lauft, alle hinaus", habe die Krankenschwester geschrien, als das Beben in der Nacht eingesetzt hatte. Die 79-Jährige und 14 andere Patienten des kleinen Krankenhauses haben sich auf die Straße retten können, erzählt sie der Zeitung "Corriere della Sierra". "Es war ein langes Beben, schrecklich. Wir waren vor Angst gelähmt. Ich habe bemerkt, wie alles um mich herum zusammenbrach".

Das Krankenhaus hat das erste Beben zwar überstanden, durch abbröckelnde Zwischendecken und Mauern wurden aber mehrere Menschen leicht verletzt. Mancini habe erst realisiert, was los sei, als die ersten Krankenwagen mit Opfern zum Krankenhaus kamen. Einer der ersten sei ein verwundeter Mann gewesen, der laut Mancini weinend gerufen habe: "Meine Frau ist tot, meine Frau ist tot, unser Haus ist eingestürzt".

Auch einer 65-jährigen Lehrerin aus Amatrice sitzt die Angst noch im Nacken. "Es ist wie im Krieg. Das ganze Städtchen ist in Trümmern. Die Zahl der Toten ist hoch. Jeder kennt jeden in Amatrice, viele Bekannte von mir haben Angehörige verloren", sagte Lia Capriccioli. "Ich habe hier schon öfters Erdbeben gespürt, aber dieses war einfach fürchterlich. Es war wie eine Bombe."

"Wie nach einem Bombardement"

Aus dem Dorf Ascoli-Piceno berichtet Bischof Giovanni D'Ercole gegenüber Radio Vatikan vongroßer Zerstörung "Ich hörte die Schreie der verschütteten Menschen. Das Gebiet ist völlig zerstört, wie nach einem Bombardement."

In diesem Dorf befänden sich wegen der Ferien sehr viel mehr Menschen als im Winter, weil hier viele Römer einen Zweitwohnsitz hätten, sagte der Bischof. "Und es sind deshalb auch viele junge Leute hier, auch die Erdbebenopfer sind zumeist jung", so D'Ercole. Es sei schwierig, "die Toten und Verletzten zu zählen". Er fahre jetzt nach Ascoli zurück, um die Aufbahrung der Toten zu organisieren. "Das wird auf jeden Fall eine traurige Zeit", sagte der Bischof. Die Diözese habe dem Krankenhaus eine große Kapelle zur Aufbahrung zur Verfügung gestellt. 

Genauso schlimm sieht es in Pescara del Tronto aus. Hier sind mehrere Tote zu beklagen, eine Familie mit zwei kleinen Kindern wurde verschüttet - kein Lebenszeichen von ihnen. "Es war schrecklich. Mein Mann ist mit meiner Tochter aus dem Fenster gesprungen, um sie zu retten", erzählte eine Frau. In einem anderen Fall rettete eine Großmutter ihre vier und sieben Jahre alten Enkel, weil sie sie unter einem Bett geschützt hatte.

Straßen verschüttet

Ein Ansa-Reporter berichtet von Rettungsarbeitungen unter schwersten Bedingungen. Schutt blockiere die Straßen, mit dem Auto gebe es kein Weiterkommen. Er habe wenige Kilometer vor Accumoli sein Auto stehen lassen müssen, um zu Fuß in die vom Beben schwer getroffene Stadt zu gelangen. Viele Menschen seien weinend durch die Straßen gegangen, als er eintraf.

Nick Mortimer erzählte der britischen Zeitung "The Guardian" von der Erdbeben-Nacht. Er habe mit seiner Familie seinen 60. Geburtstag am Vorabend gefeiert. Beim Beben und mindestens einem Nachbeben liefen sie alle in Panik aus dem Haus. Doch die Familie hatte Glück. Das Gebäude schwankte, hielt allerdings bis auf einzelne Schäden stand. Renata Morioni war auf Urlaub in der Region von Amatrice. Das Beben habe eine gefühlte Ewigkeit gedauert.

(Red.)