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Burn-out: PVA verordnet Therapie statt Frühpension

Überlastung
(c) Bilderbox
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450.000 Menschen beziehen in Österreich Invaliditätspension. Weil die Berufsunfähigkeit zunehmend wegen psychischer Erkrankungen angemeldet wird, will die Pensionsanstalt nun mit mehr Reha-Zentren gegensteuern.

Mit 450.000 Menschen, die eine Invaliditätspension beziehen, gibt es in Österreich einen Höchststand. Kopfzerbrechen bereitet dabei vor allem, dass immer mehr Personen wegen psychischer Leiden wie Burn-out krankheitsbedingt die Frühpension antreten. Bei Angestellten war das mit 42,4 Prozent (siehe Grafik unten) nach den aktuellsten Zahlen im Vorjahr schon der Hauptgrund für den Antritt einer Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension.

Jetzt werden auch ohne gesetzliche Änderungen bei der Invaliditätspension die Anstrengungen zur Wiedereingliederung Betroffener ins Berufsleben verstärkt. Speziell für psychisch Erkrankte wird nun versucht, eine Betreuungslücke zu schließen: Denn gerade für diese Menschen gab es bisher lange Wartezeiten auf einen Platz in einer Rehabilitationseinrichtung.

 

„Zunahme stoppen“

Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA), Österreichs größte Pensionsanstalt, will mittels gezielter Rehabilitation für psychisch Kranke gegensteuern. Dazu entsteht ein bundesweites Netz an neuen Reha-Zentren. „Im Rahmen der ersten Ausbaustufe sind insgesamt 616 Plätze in sechs Kliniken geplant“, erklärt PVA-Chefarzt Rudolf Müller der „Presse“. Ziel der flächendeckenden Versorgung mit Reha-Einrichtungen ist es, so Müller, die Zunahme der Frühpensionierungen aufgrund psychischer Erkrankungen zumindest auf dem derzeitigen Level zu stoppen: „Allein wenn wir das stabilisieren könnten, wäre das schon ein großer Erfolg für uns.“

Kurt Aust, zuständiger Direktor in der PVA für Rehabilitation, assistiert, dass ein Gegensteuern vor allem auch notwendig sei, weil die Betroffenen immer jünger werden. Von 8349 Personen, die 2008 wegen psychischer Erkrankung eine Invaliditätspension bewilligt bekamen, war der Großteil, nämlich rund 3100, in der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen.

Wer einen Antrag auf eine Invaliditätspension stellt, ist per Gesetz verpflichtet, an zumutbaren Rehabilitationsmaßnahmen mitzuwirken. Das gilt auch für Therapien für psychische Erkrankungen. Eine Weigerung bedeutet zwar nicht automatisch, dass es keine Invaliditätspension gibt, die Wahrscheinlichkeit wird aber wesentlich geringer. Entschieden wird im Einzelfall.

Möglich ist, dass die Invaliditätspension auf maximal zwei Jahre befristet zuerkannt wird. In der PVA wurden im Vorjahr von insgesamt 25.146 neuen Invaliditätspensionen 11.387 nur befristet bewilligt. Danach ist jedenfalls ein Verlängerungsantrag notwendig. Ebenfalls bemerkenswert: Den 25.146 bewilligten Pensionen in der PVA standen bei insgesamt 66.000 Anträgen rund 41.000 Ablehnungen gegenüber.

 

Weniger Krankenstände

Maßgeblicher Partner der PVA beim Kampf gegen Burn-out ist die pro mente reha GmbH, die Betreiberin der neuen Kliniken ist. Ausnahme ist der Standort St. Radegund bei Graz, für den die Sanlas Holding verantwortlich zeichnet. Als Pilotprojekt für die neuen Zentren diente die pro-mente-Klinik Sonnenpark im oberösterreichischen Bad Hall. Dort wurden seit 2003 knapp 4500 Patienten mit psychischen Erkrankungen behandelt. Bei acht von zehn Behandelten konnte die Berufsfähigkeit tatsächlich erhalten werden. Zudem gingen nach absolvierter Rehabilitation die Krankenstände und Krankenhausaufenthalte der Betroffenen „signifikant zurück“, so Chefarzt Müller.

Neben Bad Hall sind bereits Reha-Zentren der pro mente in St. Veit in Salzburg sowie in Klagenfurt in Betrieb. Daneben entstehen neue Kliniken im Burgenland sowie in Lans bei Innsbruck.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2009)