Chapecoense-Torwart verlor nach Flugzeugabsturz ein Bein

Fans zünden Kerzen an
Fans zünden Kerzen anAPA/AFP/NELSON ALMEIDA

Der Tormann ist einer von sechs Überlebenden des Absturzes in Kolumbien. Andere Klubs wollen beim Neuaufbau des Fußballteams mithelfen.

Nach dem Absturz einer Chartermaschine der bolivianischen LaMia Airlines, bei dem nur sechs von 77 Passagieren überlebt haben, behandeln die Ärzte die traumatisierten und schwer verletzten Überlebenden. Drei Spieler, ein Journalist und zwei Crew-Mitglieder haben das Desaster überlebt.

Die Maschine vom Typ British Aerospace 146 war gegen 22.15 Uhr Ortszeit wegen Problemen in der Elektrik bei Medellin gegen einen Berg gekracht. An Bord war ein Großteil des Fußball-Erstligisten Chapecoense, der sich innerhalb von fünf Jahren von der vierten in die ersten Division gespielt hatte, und war auf dem Weg zum bisher größten Match seiner Geschichte. Chapecoense sollte das Finalhinspiel zum Südamerika-Cup gegen den kolumbianischen Rivalen Atletico National bestreiten.

Verteidiger noch auf der Intensivstation

Inzwischen sind die Namen und der Gesundheitszustand der drei überlebenden Fußballer bekannt. Tormann Jackson Follman erholt sich von der Amputation seines rechten Beins, zudem droht ihm auch die Abnahme des schwer verletzten linken Beins. Verteidiger Helio Neto befindet sich in der Intensivstation und hat ein ernstes Trauma seines Schädels, seiner Brust und seiner Lunge erlitten und Verteidiger Alan Ruschel musste an der Wirbelsäule operiert werden. Auch die weiteren Überlebenden - ein Journalist aus Brasilien sowie eine Stewardess und ein Pilot aus Bolivien - erlitten teils schwere Verletzungen. 

Die beiden Blackboxes der Unglücksmaschine wurden mittlerweile gefunden, ein Großteil der Leichen geborgen. Das Wrack wurde in der Nacht von Soldaten bewacht, Experten aus Bolivien und Großbritannien wurden eingeflogen.

Weltweite Anteilnahme

Während im Fußball-verrückten Brasilien eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen wurde, herrscht weltweite Anteilnahme an der Katastrophe. Beileidskundgebungen von Messi bis Pele trudelten ein, der Bogen des Wembley-Stadions, die Christus-Statue in Rio oder auch der Präsidenten-Palast in der Hauptstadt Brasilia leuchteten in den grünen Farben des Vereins Chapecoense. Der Bürgermeister der 200.000-Einwohnerstadt Chapeco im Süden Brasiliens sagte alle offiziellen Weihnachtsfeiern ab und erklärte eine 30-tägige Trauerphase.

Tausende Fans, die noch vor wenigen Tagen mit Feuerwerkskrachern und großem Jubel den Aufstieg ihres Klubs ins Endspiel gefeiert hatten, versammelten sich zunächst in einer Abendmesse und füllten die Straßen der Stadt. Danach strömten sie, in den Klubfarben grün-weiß, zu einer spontanen Trauerfeier in das Stadion ihres Vereins. "Wir sind die Champions!", schrieen sie in Trauer, als Klubvertreter und Verwandte der Verstorbenen einander im Kreis im Mittelfeld die Hände reichten. "Wir sind von einem Traum in einen Alptraum übergegangen", meinte Metallarbeiter Fernando de Oliveira, der seine Arbeit verlassen hatte, um seine weinende Frau und seine zwei Kinder zum Zeichen der Unterstützung ins Stadion zu bringen.

Neuaufbau mit Leihspielern

Der Vizepräsident des Vereins, Ivan Tozzo, will den Verein wieder aufbauen und nächstes Jahr wieder spielen lassen. "Wir werden den Klub neu aufbauen müssen, neue Spieler verpflichten und viel Geduld haben müssen. Wir möchten nächstes Jahr weitermachen", sagte Tozzo gegenüber der brasilianischen Website Globoesporte.

Schon zuvor hatte es zahlreiche Solidaritätskundgebungen anderer brasilianischer Erstligateams gegeben, dem Unglücksteam Sonderrechte wie das kostenlose Ausleihen von Spielern 2017 sowie einen Nichtabstieg für drei Jahre einzuräumen. "Das ist die geringste Geste an Solidarität, die wir derzeit anbieten können, aber es kommt aus dem tiefsten Wunsch, diesen Klub wiederaufzubauen", hieß es in einem Statement der wichtigsten Vereine des Landes, darunter auch Meister Palmeiras.