Skitouren: Aufstiegsorientiert und abfahrtsbereit

Nach Stunden ist der Gipfel erreicht, die Felle müssen runter.
Nach Stunden ist der Gipfel erreicht, die Felle müssen runter.(c) Tirol Werbung

Ob Hype oder nicht, Skitouren erfreuen sich aus verständlichen Gründen stark wachsender Beliebtheit: Sie sind sportliches und landschaftliches Erlebnis. Ein paar Vorschläge, im Verlauf ansteigend.

Angesichts der Alpinunfälle kann man es nicht oft genug predigen: Ohne genaue Vorbereitung geht eine Skitour gar nicht. Also Lawinenlage- und Wetterbericht checken, Kartenmaterial downloaden, Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel und Sonde mitnehmen. Sei die Tour auch noch so harmlos. Bei Warnstufe drei: besser zuhause bleiben. Oder als Alternative die Piste wählen. Ausnahmsweise.

 

Moderat aufsteigen im Mostviertel

Eine hübsche Aufwärmübung für die Tourensaison bietet sich im Mostviertel: Man startet bei den Skiliften in Annaberg, schiebt sich über Wiesen und Winterwanderwege seitlich auf das Hennesteck hinauf und kreuzt dabei auch den Herzerlweg, der sich um das Almgebiet legt. Das Lohnende ist nicht nur die prächtige Aussicht auf den Ötscher, sondern auch, dass man auf der Anna-Alm vorbeikommt. Ein schmuckes Holzhäuschen mit einem Panoramastüberl, authentischer Hüttenküche und speziellen Bieren. Eine andere beliebte Route direkt von Annaberg aus ist die auf den Hausberg, den Tirolerkogel (Einkehr ins moderne Annabergerhaus). Diese einfache Tour über Forststraßen lässt sich natürlich konditionsfordernder fortsetzen, indem man sie in die Voralpen-Haute-Route einbindet, wo es weiter über die Karnerhofspitze und Eibl nach Türnitz geht. Für Einsteiger: Die Ski-Schule Annaberg bietet Kurse und begleitende Touren an.

 

Ambitioniert im Kalkschutt der Karawanken

Eine Skitour steht und fällt natürlich mit der Kulisse: Die Landschaft soll etwas für das Auge hergeben, dann nimmt man die 800 bis 1000 Höhenmeter lockerer. Selbiges trifft auf zwei einfachere Routen in den Karawanken zu: Mächtige Schuttkare, wilde Zacken und südlicherer Bewuchs prägen dieses kalkige Gestein an der Grenze zu Slowenien. Auf die Bielschitza (1958 m) startet man vom Bärental aus, steuert die Klagenfurter Hütte an und schert auf das Kar unterhalb des Hochstuhls aus. Nur weit oben, vom Bilschitzasattel zum Gipfelkreuz erfordert diese Tour etwas Kletterei. Die zweite Tour im Umkreis der Klagenfurter Hütte führt auf den Kosiak, den Gaißberg (2024 m). Es geht über steilere Kehren auf den Gipfel. Und runter durch Mulden zur Hütte zurück und von dort weiter über das lange Hochstuhlkar zum Ausgangspunkt.

 

Grasberge, die einen nicht täuschen sollten

Prädestinierte Tourengebiete sind solche Grasberge wie die Kitzbüheler Alpen, weil sie etwas sanfter kupiert sind und nicht so hochalpines, felsdurchsetztes Gelände aufweisen. Selten ist man hier lange über der Baumgrenze unterwegs. Eine Traditionstour ist etwa jene auf den Schützkogel in Jochberg, die ca. vier Stunden dauert. Man startet im Dorf, marschiert erst einmal ein Stück und spurt dann an Heustadeln vorbei über Lichtungen und Almen, bis man auf das freie, steile Feld der Schützalm kommt (was bedeutet, dass man diese Tour nur bei sehr günstigen Verhältnissen machen sollte) und sich über den Grat bis zum Gipfelkreuz vorarbeitet. Das Panorama ist gewaltig: Rechter Hand schaut man auf den Wilden Kaiser, linker Hand auf den Großvenediger. Streckentechnisch wie aussichtstechnisch mithalten kann da natürlich ein Marsch auf den Kuhkaser südlich von Jochberg (Einstiegsstelle: Alte Wacht). Diese Tour führt meist durch steileres, freies Gelände und braucht ebenso genaue Planung.

 

Bergsteigen inkludiert: die Big Names

Großglockner, Wildspitze, Großvenediger, Hochalmspitz: Diese Gipfel haben einen besonderen Reiz, wenn man über alpine Kompetenz und Kondition verfügt. Man geht diese Dreitausender im Normalfall auch nicht allein, sondern mit Bergführer beziehungsweise einer Seilschaft. In diesen hochalpinen Gefilden bewegt sich das Skitourengehen im Bereich des Skibergsteigens, man braucht Ausdauer. Auch Schwindelfreiheit ist kein Nachteil bei Aufstieg und Abfahrt durch ein oft sehr steiles, ausgesetztes Gelände. Und der Schnee ist auch nicht immer pudrig, sondern oft bockig. Nicht zu reden von Gletscherspalten, die drohend unter dem Schnee liegen können. Wer solches Gelände beherrscht, wird manchmal mehr belohnt, als wenn er den Weg im Sommer angetreten hätte.

Material

Literatur zu den Routen gibt es jede Menge, z. B. „Schitouren in den Südalpen II“ von Robert Zink und Martin Assam bei Styria.
Oder „Skitouren light. 100 Touren für Einsteiger und Genießer“ von Thomas Neuhold bei Pustet.

Karten zum Download und App gibt es auf dem Portal des österreichischen Alpenvereins: alpenvereinaktiv.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2017)