"Corporate Cooking": Kochen für die Karriere

Corporate Cooking
(c) Clemens Fabry

"Corporate Cooking" heißt der neue Trend für "Teambuilding" bei Firmen. Die Idee: Mitarbeiter, die gemeinsam kochen, arbeiten auch besser zusammen.

Rosarote Rosen, rosarote Servietten, weiße Tischdecken. Weißes Geschirr. Am Ende dieses Donnerstagnachmittags wird es mit feinsten Speisen gefüllt sein. Beginnend mit asiatischer Kürbisschaumsuppe und Strudelstangerln, wie Frau Doris erzählt. Sie ist die engste Mitarbeiterin von Anna Walcher, der Chefin von „Das Kochwerk“. Ihre Gäste beim Lokalaugenschein der „Presse am Sonntag“ sind 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma „Metro Cash & Carry Österreich“, die aus allen Bundesländern gekommen sind, längst nicht alle kennen einander. Sie sind 20 bis 40 Jahre alt. Und werden bei Metro bald in die Führungsetage aufsteigen.

Was sie bei Anna Walcher in Wien machen? Sie kochen, und das – für sie – ganz überraschend, als Belohnung vom Unternehmen. Am Vormittag dieses Donnerstags haben sie noch ihre Projekte nach ihrem einjährigen Führungsnachwuchsprogramm vorgestellt, im Hauptsitz in Vösendorf, vor Personalentwicklern, Geschäftsleitung und Vorstandsmitgliedern. Die Chefs beeindruckt haben sie alle mit ihren Konzepten, wie man sich auf dem Markt künftig gut positioniert oder wie die Kundenbindung stärker werden kann. Jetzt heißt es aber, bei einem spontanen „Kochduell“ zu überzeugen.


Teamwork fördern. Was die künftigen Führungskräfte hier machen, hat einen Namen – und auch einen tieferen Sinn: „Corporate Cooking“ nennt sich das Unterfangen, das im „Kochwerk“ bereits den Hauptbestandteil des Geschäfts ausmacht, während es früher die offenen Kochkurse waren. „Es schlägt voll ein“, sagt Walcher. Chefs oder Mitarbeiter von Firmen kommen und kochen gemeinsam. „Man will nicht mehr nur irgendwo am Abend essen, sondern man nimmt sich einen Nachmittag oder Abend lang Zeit, um gemeinsam etwas zu schaffen, man ist fernab des Büros zusammen aktiv“, erklärt Walcher. Und dabei bringe das „Firmenkochen“ vor allem eines: Teamwork. Denn allein am Herd geht es zwar auch, aber eben nicht so gut.

„Selbst wenn man, wie ich, sonst überhaupt nicht kocht“, sagt der 22-jährige Mario Bliznac, der am Grazer Standort von Metro in der Abteilung für Bürotechnik arbeitet. Seit sechs Jahren ist er im Unternehmen. Jetzt steht er mit anderen Exlehrlingen und vielen Quereinsteigern an einem von fünf Herden. Fünf Backrohre stehen bereit, werden gefüllt. Abgesehen von der Kürbisschaumsuppe warten schließlich noch mehr Herausforderungen: Limettenhuhn mit Litschi, Frühlingszwiebeln und Basmatireis, danach – als Krönung wird am Ende gemeinsam gespeist – gibt es Apfelstrudeltäschchen mit Pinienkernen, Pistazien und Ahornsirup. Ein bisschen asiatisch angehaucht, das kommt bei der Metro-Gruppe gut an. Dabei hatten gerade die Männer, darunter Mario Bliznac, zunächst nichts dafür übrig, als sie nach ihren Firmenpräsentationen als Überraschung nach Wien gebracht wurden. „Ich kann ja nur Würstel“, hat sich Bliznac zuerst gedacht. Jetzt sieht er das anders – denn „gemeinsam ist es lustig“.

Stimmt die Sauce, passt die Temperatur am Herd? Neben dem Kulinarischen ist immer wieder das Berufliche ein Thema – was kommt auf die Einzelnen in den nächsten Monaten zu? Was hat die Ausbildung bisher gebracht? Das ist auch gewollt beim „Corporate Cooking“, man „darf“ und soll sogar über die Arbeit sprechen, eine neue Perspektive bekommen. Gunhild Busch, Leiterin der Personalentwicklungsabteilung von Metro, ist bei einer Personalmesse im Vorjahr quasi über das „Corporate Cooking“ gestolpert, wie sie erzählt.


Ohne Konkurrenzdruck. Seinen Ausgang hat der Trend, der inzwischen Hunderttausende weltweit in seinen Bann gezogen hat, in den USA genommen, so heißt es – aber so genau weiß man es nicht. Auf der Onlinesuche nach einem Veranstalter gelangte Busch nach der Messe ans „Kochwerk“ (www.daskochwerk.at).

Was Anna Walcher, die selbst lange im mittleren Management der AUA war, bei ihren Gruppen feststellt – egal, ob sie aus einem Konzern oder einem kleinen Büro kommen: Am Ende würden sich am Herd oft die gleichen Muster wie in der Arbeit zeigen. „Einer schafft gern an, ein anderer lässt sich gern anweisen.“ Firmen würden manchmal auch mit Psychologen zum „Corporate Cooking“ kommen, um festzustellen, wo die Stärken und Schwächen ihrer Mitarbeiter, aber auch der Führungskräfte liegen. Beim Kochen allerdings ohne allzu großen Konkurrenzdruck. Auch wenn die „Kochduelle“ – eine Gruppe kocht gegen eine zweite an – von Unternehmen zunehmend angefragt würden, wie Walcher erzählt. Entsprechende TV-Formate dürften ihren Einfluss haben.


Alles nicht so ernst. Manche, so wie die Jury der Firma Metro, belassen es dann bei einem „Ex aequo“. „Es waren beide Menüfolgen toll“, sagen die Jurorinnen. Man nimmt das alles nicht so ernst, ist einmal locker nach der Arbeit im Büro. „Wenn einer, der gar nicht gern kocht, zum Abschied sagt, der Nachmittag sei perfekt gewesen, dann freut mich das“, sagt Anna Walcher.

Und die Firmen, die Personalentwickler? „Teamwork ist uns wichtig, das Rausgehen aus den Büros, die Prozesse, der Austausch, der sich entwickelt“, sagt Gunhild Busch. Am späten Nachmittag gehen die Teilnehmer nach Hause – Knoblauchschäler haben sie als Belohnung mitbekommen. Und den Vorsatz mitgenommen, es auch zu Hause einmal mit Gourmetküche zu probieren.