In Wien führt ein Trail bergauf: „Eigene Körperkraft gewünscht“

Der Flow-Trail führt ähnlich einer Kugelbahn durch den WaldBenedikt Kommenda

Im Wald neben der Sommerrodelbahn auf der Hohe Wand Wiese ist ab sofort ein Mountainbike Trailcenter ganzjährig in Betrieb.

Wer glaubt, die Farbe Schwarz sei das Eindeutigste der Welt, hat sich noch nicht mit der Kennung von Mountainbike-Trails vertraut gemacht: Was in Tirol als strenge Warnung gedeutet werden muss, dass sich nur echte Downhill-Spezialisten über eine Strecke wagen sollten, kommt in Wien einer Einladung zu einer knapp überdurchschnittlich schwierigen Mountainbike-Abfahrt gleich.

In Wien? Ja, und zwar neben der Hohe Wand Wiese in Penzing. Hier gibt es seit Kurzem ein von den Betreibern sogenanntes urbanes Mountainbike Trailcenter, angeblich das erste und daher einzige Europas. Außerhalb Europas verfüge nur eine Großstadt über Mountainbike-Trails im Stadtgebiet, nämlich Singapur, sagte Alexander Arpaci, einer der Initiatoren des Wiener Trailcenters, anlässlich der Eröffnung.

Noch etwas Ungewohntes: Hier, am nordwestlichen Zipfel der Stadt, ist ein Trail ausschließlich dem Bergauffahren gewidmet. Einen Lift, wie er in Skigebieten in der warmen Jahreszeit zunehmend für Mountainbiker genutzt wird, gibt es hier nicht. Oder besser: nur für die Sommerrodelbahn, die sich über die Wiese schlängelt.

„Es ist gewünscht und benötigt, dass die Fahrer ihre eigene Körperkraft einsetzen“, sagt Horst Marterbauer, wie Arpaci einer der Mitgründer des Mountainbikevereins Hohe Wand Wiese, der das Areal gepachtet hat. Trailcenter dieser Art findet man auch in Wales und Schottland, wo man zwangsläufig ohne Skilifte auskommen muss.

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Schwierige Kurven. Der Uphill-Trail im Wald östlich der Hohe Wand Wiese hat es in sich. Weniger wegen seiner Steilheit, die ist mit einer entsprechenden Untersetzung in der Gangschaltung zu schaffen, solange es nur gelingt, das Vorderrad auf dem Boden zu halten – oder mit einem E-Bike. Technisch schwierig sind aber die engen Kurven, die man bergauf durchfahren muss. In dieser Situation ist es besonders wichtig, die Füße rasch von den Pedalen nehmen zu können – also besser nicht mit Klickpedalen unterwegs zu sein. Während man beim Bergabfahren meist genug Zeit hat, die Schuhe aus der halbfesten Verbindung mit den Pedalen zu lösen, können bergauf die nötigen Sekundenbruchteile fehlen: Zugleich zu treten und den Schuh auf der richtigen Seite aus dem Pedal zu lösen, das passt nicht zusammen – wird man zu langsam, ist ein Sturz programmiert.

Ohne Sturz ist man nach 25 Minuten oben. Und kann zwischen vorerst zwei, ab Herbst drei verschiedenen Abfahrten wählen. Zum Einstieg bietet sich die blau markierte Flow-Strecke an. Sie ist ähnlich einer Kugelbahn angelegt, mit überhöhten Kurven abwechselnd nach links und rechts. Man kann das Tempo frei wählen zwischen vorsichtig langsam und verwegen schnell: Am Eingang mehrerer Kurven sind kleine Schanzen angelegt, über die geübte Fahrer in die Wende hineinspringen können.

Auch wenn man noch einmal hinauffahren will, kann man wählen: Statt über den Uphill-Trail kann man den Startpunkt auch auf Forststraßen erreichen. Dazu fährt man die Mauerbachstraße ein Stück stadteinwärts bis zu einem Parkplatz, wo noch etwas vom nicht mehr existenten Jägerwirt steht. In weitem Bogen führt eine zuerst gelb, dann blau markierte Forststraße den Berg hinauf (ein Abstecher ist mit einem Fahrverbot-Zeichen versehen). Das Mehr an Zeit wird durch den Ausblick auf (ein Stück) Wien von der Franz-Karl-Fernsicht aufgewogen. Knapp vor der Mostalm zweigt links ein „Shared Trail“ ab (geteilt zwischen Radlern und Wanderern). Vor dem Schild „Mostalm-Trail“ geht es scharf rechts zu den Hohe-Wand-Trails.

Die als schwarz markierte Enduro-Strecke ist steiler und schmäler als der Flow-Trail. Und weniger künstlich angelegt: Sie nützt stärker das, was die natürlichen Gegebenheiten an Herausforderungen bieten, wie Wurzeln und Steinpassagen. Es gibt aber auch ein paar (überrollbare) Sprungschanzen, Stufen und Steilkurven. Vorsicht ist bei einigen dünnen Baumstämmen mitten im Trail geboten, die knapp über dem Boden abgeschnitten worden sind.

Ab Herbst soll eine dritte Abfahrtsstrecke fertig sein, die Fun-Line. Das Trailcenter ist für einen ganzjährigen Betrieb angelegt, der Skibetrieb auf der Wiese, der angesichts der ungünstigen Schneelage ohnehin nur noch selten möglich war, ist endgültig Geschichte. Die Benützung der Trails ist gratis; der Betrieb soll sich unter anderem aus Verleih, Shop und Gastronomie finanzieren.

Infos

Adresse. Das neue Mountainbike Trailcenter Hohe Wand Wiese ist in Wien Penzing, Mauerbachstraße 174–184.

Angebote. Eine Strecke zum Bergauffahren, vorerst zwei für die Abfahrt; ein Übungsareal für Kinder.

Preise. Passende Mountainbikes können für 27 Euro pro Halbtag gemietet werden (15 Euro für Jugendliche, fünf für Kinder). E-Bikes kosten 39 Euro.