EU will Import von Flüchtlingsbooten aus China stoppen

Alibaba verkauft Schlauchboote für 800 Dollar.Screenshot/Alibaba

Nicht nur Schlepper, sondern auch Zulieferer verdienen mit der Flucht. Die chinesische Onlineplattform Alibaba macht sich die Nachfrage zu Nutzen. Brüssel will China nun in die Pflicht nehmen.

Das Geschäft mit der Flucht floriert: Der Andrang von Afrikas Küsten nach Europa ist groß, für die Schmuggler bedeutet das ein lukratives Geschäft. Sie verdienen nach UN-Berechnungen jährlich etwa 31 Milliarden Euro. Nicht nur die Schlepper aber verdienen mit der Verzweiflung der Flüchtlinge und Migranten aus Afrika ihr Geld. Auch für die Zulieferer bringt die Flucht über das Mittelmeer viel Geld - denn Schlauchboote und Schwimmwesten sind für die Flüchtenden die Hauptwerkzeuge, um nach Europa zu gelangen.

Die EU-Außenminister haben zwar im Juli Ausfuhrbeschränkungen nach Libyen für Schlauchboote und Außenbootmotoren erlassen, doch die Schlepper haben eine neue Quelle gefunden: China. Dort bietet die Online-Handelsplattform Alibaba die Gefährte zu Spottpreisen an. Sie gelangen offenbar über Malta und die Türkei nach Libyen, berichtet die "Welt".

Die EU befasse sich bereits mit dem Problem. Es gehe nicht nur darum, Schleppernetzwerke zu bekämpfen, sondern auch ihre Lieferketten zu zerschlagen, sagt EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos der deutschen Zeitung. „Dies ist nicht nur eine europäische Angelegenheit, dazu brauchen wir vielmehr alle Partner an Bord“, sagte Avramopoulos. „China kann die Europäische Union dabei unterstützen, Menschenschmuggel im Mittelmeer besser zu bekämpfen, wenn man bedenkt, dass eine gewisse Zahl von Schlauchbooten, die von den Schleusern benutzt werden, von Unternehmen hergestellt werden, die in China aktiv sind.“ Man versuche derzeit, sich ein Bild über die Handelsströme der Schlauchboote zu machen.

"Skrupellose Schleusernetzwerke, die es nur auf Maximierung ihrer Profite abgesehen haben, benutzen diese Typen von seeuntauglichen Booten, die eine Überfahrt über das Mittelmeer noch tödlicher machen", sagte Annemarie Loof von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen der Welt. Ein Verkaufsstopp für solche Boote allein löse aber nicht das Grundporblem: Es gebe keine sicheren und legalen Kanäle für die Einwanderung für Menschen gäbe, die ein sichereres und besseres Leben suchen, sagte die Expertin.

Immer mehr Aufgriffe in Rumänien

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Italien kommen, gesunken. 98.072 Migranten erreichten seit Jahresbeginn die italienische Küste, das sind 6,6 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wie das Innenministerium in Rom am Mittwoch mitteilte. Doch die Flüchtlinge suchen sich neue Wege, um nach Europa zu gelangen. Mit der Schließung der Balkanroute hat sich die Fluchtbewegung von Syrern, Irakern und Afghanen nach Osten verlagert.

Das spiegelt sich nun in den jüngsten Zahlen zu Aufgriffen von Migranten in Rumänien wider: Im ersten Halbjahr 2017 wurden um 80 Prozent mehr illegal eingereiste Personen festgehalten als im gesamten Vorjahr. Konkret wurden demnach in den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres 2941 illegale Migranten in Rumänien aufgegriffen; im gesamten Vorjahr waren es 1624 gewesen.

Auch der Weg über das Schwarze Meer scheint für Schlepper vermehrt attraktiv zu sein. Die rumänische Küstenwache hat nach eigenen Angaben heuer schon mehrere Hundert Bootsflüchtlinge aufgegriffen; im gesamten Vorjahr war es eine Person. Erst am Montag teilten die Behörden mit, ein Schiff mit 70 Flüchtlingen an Bord aufgegriffen zu haben.

>>> Artikel in der "Welt".

(red.)