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Wiener Wellenreiter auf der Alten Donau

Trockentraining: Vor dem Paddeln wird das Aufstehen am Board geübt.
Trockentraining: Vor dem Paddeln wird das Aufstehen am Board geübt.(c) Stanislav Jenis

Garantiert keine Haie und garantiert keine Wellen: In Wien gibt es erstmals Surfvorbereitungskurse, damit sich Wellenreiter im Urlaub ganz auf den Sport konzentrieren können. Oder Anfänger ihn das erste Mal ausprobieren. Gut so.

Und plötzlich fühlt es sich wieder so an wie im Urlaub. Vor uns sinkt die Sonne langsam ins Wasser und taucht den Abend in ein stimmungsvolles Licht. Der Umgebungslärm ist ruhiger geworden. Keine Badegäste, die schreien, nur ein paar Schwäne, die lautlos durch das Wasser gleiten. So wie unsere Surfboards, auf denen wir mit (versucht) rhythmischen Bewegungen durch die noch immer fast warme Alte Donau kraulen. Eine Hand streckt sich und zieht möglichst entspannt durchs Wasser, dann die andere. Meditativ ist das. Und plötzlich ist es auch wieder da. Das leichte Ziehen in der Schultergegend, das im Laufe der Stunde noch heftiger werden soll. Ja, auch das fühlt sich wie Urlaub an – und ist mitunter ein Grund, warum wir uns alle hier zusammengefunden haben.

Ein Meeresbiologe in Wien. Seit Anfang Juni gibt es erstmals in Wien das, was Surfer im Idealfall zuhause oder im Schwimmbad im Alleingang machen, meistens aber eben nicht tun: Surfvorbereitungskurse, in denen man gezielt Paddeln und Kraft trainiert sowie Dehnübungen macht. Denn wer den Sport einmal ausprobiert hat, der weiß: Vor allem das ständige Paddeln durch die Wellen ist anstrengend. Je mehr man also davor trainiert, desto mehr kann man sich auf das Absurfen der Welle konzentrieren. Sonst läuft man Gefahr, nach fünfzehn Minuten wie ein nasser Sack auf dem Brett zu hängen.

„Immer zuerst die Balance finden, bevor ihr lospaddelt, sonst bremst ihr“, sagt Markku Helve auf Englisch. Er ist Trainer, gebürtiger Finne und Meeresbiologe. Er und seine Frau Anna Kovacs-Helve, eine Wienerin und Architektin, die mit dem neugeborenen Sohn während des Kurses auf der Wiese sitzt, haben die Vorbereitungskurse gegründet. „Eigentlich haben wir aus der Not eine Tugend gemacht“, sagt sie.

Beide 36-Jährigen sind begeisterte Surfer, haben sich auch über den Sport kennengelernt. Als die beiden keine Fernbeziehung mehr führen wollten, war klar, dass einer zum anderen ziehen musste. Kovacs-Helve wollte ihr Architekturbüro nicht aufgeben. „Als Meeresbiologe hat man es aber schwer in Österreich“, sagt sie. Auswandern sei auch keine wirkliche Option gewesen. „Wir sind nicht die klassischen Aussteiger.“ Außerdem habe Wien eine hohe Lebensqualität.

Also musste eine Alternative her. „Ich bin selbst immer vor dem Surfen in Greifenstein paddeln gegangen“, erzählt Kovacs-Helve. Ihr Mann ist wiederum zertifizierter Surflehrer. So kamen die beiden gemeinsam mit einer Freundin (die auch Anna heißt) auf die Idee, die Vorbereitungskurse zu starten. „Mit garantiert ohne Wellen und ohne Haie“, sagt Kovacs-Helve und lacht. Nachsatz: „Es ist auch ein Lebensgefühl, das wir vermissen und das wir nach Wien bringen wollen.“

Kraft, Ausdauer, Dehnung. Jetzt gibt es also zwei bis drei Mal in der Woche Paddelkurse auf der Alten Donau (Treffpunkt: Bootsverleih Seepferdchen) sowie zwei Surf-Functional-Kurse im Stadtpark, wo eigens Krafttraining gemacht wird, und Yoga, das sich auf die typischen Surf-Dehnungen (Hüftöffner!) konzentriert. Alles mit spezialisierten Lehrern.

Derzeit residiert das SurfnYogaHouse, wie die Firma heißt, noch als Pop-Up-Store in der Zollergasse im Siebenten. Eigene Räume soll es demnächst geben – sie werden gerade umgebaut. Dann wird auch das Café eröffnen, wo sich die Kursteilnehmer treffen können – außerdem wird es deutlich mehr Kurse geben. Denn derzeit befindet sich die Firma noch im Soft-Opening. Im Winter werden die Paddelkurse übrigens in der Stadthalle stattfinden.

Auch Anfänger können – und sollen – die Kurse besuchen, bevor sie das erste Mal auf das Brett steigen. „Es geht uns darum, die Qualität beim Surfen zu erhalten“, sagt Kovacs-Helve. Wer Paddeln kann, könne sich schneller unabhängig von Lehrern in die Wellen stürzen. „Das ist ja der eigentliche Spaß.“

Dementsprechend kurzweilig sind die Paddelkurse gestaltet. Neben der Technik werden auch Boardgefühl und Sicherheit gelehrt. „Und jetzt paddeln wir und halten dann die Luft für 30 Sekunden an“, sagt Markku daher. Eine Übung, um nicht in Panik zu geraten, falls man Wellen durchtauchen muss.

Seine Assistentin Steffi – die beiden sind immer zu zweit im Wasser – korrigiert derweil die Handhaltung eines Teilnehmers. Am Ende der Stunde sind die Arme schwer und die Schultern ziehen tatsächlich noch mehr – ein sicheres Zeichen, dass die richtigen Stellen trainiert wurden. Die Kurse finden übrigens auch bei nicht so schönem Wetter im Freien statt. Solange es halt geht. Denn auch das gehört zum Surfen dazu. So wie die Sonne, die nun wirklich tatsächlich über dem Wasser fast verschwindet.

SurfnYoga

SurfnYogaHouse Vienna bietet Surfvorbereitungskurse für Wellenreiter an. In eigenen Kursen wird das richtige Paddeln auf dem Surfbrett auf der Alten Donau (Treffpunkt: Bootsverleih Seepferdchen) trainiert. Weiters gibt es Krafttrainings sowie Yoga. Die Kurse können um 30 Euro zwei Wochen lang getestet werden: www.surfnyogahouse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2017)