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Niki Lauda: „Die Jugend von heute produziert nur Durchschnitt“

(c) APA/HARALD SCHNEIDER (HARALD SCHNEIDER)
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Der Airliner und Ex-Formel-1-Weltmeister vermisst den „Speed“ bei den Jungen und stellt die Kompetenz der heimischen Politiker infrage.

„Die Presse“: Herr Lauda, Sie waren Sportler, sind jetzt Unternehmer. Zwei Tätigkeiten, die viel mit Dynamik zu tun haben. Wie dynamisch ist das Umfeld, in dem Sie arbeiten, wie dynamisch ist Österreich?

Niki Lauda: Es gibt einen Riesenunterschied zwischen Sport und normalem Leben. Wenn man im Sport erfolgreich sein will, muss man besser sein als der nächste. Wenn man ins Wirtschaftsleben kommt, ist das für Leute, die normal aufgewachsen sind, die von Beginn an ihren normalen Speed in ihrer Entwicklung gemacht haben, überhaupt kein Kriterium. Die sind nie so gefordert wie jemand, der im Sport aufgewachsen ist.

 

Wie hoch ist der Speed der Österreicher?

Lauda: Für meine Begriffe geht generell alles zu langsam. Ich bin in einer anderen Welt aufgewachsen und bemühe mich immer, am kürzesten Weg weiterzukommen. Wenn ich dann sehe, wie langsam andere Dinge weitergehen, lähmt mich das.

 

Woher kommt diese Langsamkeit?

Lauda: Was mich fertig macht: Die Jugend von heute produziert nur noch Durchschnitt. Die sind alle nicht motiviert, schwimmen durch unser soziales Fangnetz, das ja sehr gut aufgebaut ist, fordern sich nicht.

 

Das war früher anders?

Lauda: Ich glaube, dass in meiner Generation die Versuchung, in das normale Fahrwasser zu schwimmen, nie so groß war. Wenn ich mir die Medienberichte über Events ansehe – die Jugend beschäftigt sich mit Idolen, die aus dem Nichts heraus zu Promis gemacht werden, sehen das in Bildern, wollen auch so sein. Wenn man sich irgendeinen Z-Promi als Vorbild nimmt, kann ja auch nichts aus einem werden.

 

Da schwingt jetzt etwas Unverständnis über die Facebook-Generation mit.

Lauda: Diese oberflächliche Facebook-Geschichte ist mir überhaupt ein Rätsel. Ich war bei einem Vortrag von Mr. Facebook, der mir erklärt hat, im Durchschnitt hat jeder 190 Freunde im Facebook. Was heißt Freunde? Dass man dem anderen schreibt, man gehe grad aufs Klo oder komme vom Strand? Die Kinder wachsen in einer sehr oberflächlichen Welt auf. Diese Oberflächlichkeit stört mich: Nicht ins Detail zu gehen, nicht zu versuchen, darüber nachzudenken, wie man Dinge anders machen kann.

 

Geht es uns zu gut?

Lauda: Ich glaube schon, dass es uns in Österreich gut geht, im Vergleich zu vielen anderen Ländern. Das spielt sicher mit eine Rolle, dass man mit dem Mitschwimmen gut durchkommt. Es passiert einem ja nichts. Es geht halt irgendwie dahin.

 

Gibt es etwas, das die Politik ändern könnte?

Lauda: Politik kann in meinen Augen überhaupt nichts ändern, weil da ist ja das Gleiche passiert. Wenn man sich ansieht, wo Politiker herkommen, ist die Frage zu stellen: Sind sie überhaupt qualifiziert für diesen Job? Das trifft nur sehr selten zu.

 

Das könnte daran liegen, dass man in der Wirtschaft mehr verdienen kann als in der Politik.

Lauda: Ja natürlich, das ist überhaupt keine Frage. Dass man Politiker sein will, verstehe ich schon, aus den Trieben, die jeder Mensch hat. Nur, die Politik bestimmt ja unseren Wohlstand maßgeblich mit. Sorge macht mir das Grundprinzip, immer nur die Wähler zufriedenzustellen. Das ist die größte Perversität, die ich überhaupt kenne.

 

Aber es hat eine gewisse Logik: Die Politiker wollen ja wiedergewählt werden.

Lauda: Ja schon, aber man kann dann seine Grundideen nicht mehr umsetzen, weil es nicht mehr opportun ist. Deswegen kommt immer eine hatscherte Politik heraus.

 

Ein guter Politiker setzt auch Unpopuläres durch?

Lauda: Persönlichkeit, Kompetenz und Wissen sind einmal die Voraussetzungen. Dann wird der Politiker anerkannt. Wenn er das hat, muss er auch Dinge umsetzen, die nicht gut ankommen. Wenn er sie kompetent vertreten kann, weil er weiß, worum es geht, werden ihm die Leute das auch abnehmen. Das Problem ist, dass viele Leute in der Politik sind, bei denen man gar nicht weiß, warum sie überhaupt dort sind, die irgendeinen Blödsinn vorbeten. Dann kommt die Reaktion des Wählers hundertmal stärker.

 

Sie wollten selbst nie Politiker werden?

Lauda: Nein, ich bin absolut ungeeignet, weil ich überhaupt nicht um den Brei herumreden kann. Das ist mir nicht angeboren. Absolut geradlinig sagen, wie man die Dinge sieht – das ist ein Selbstschuss für einen Politiker.

 

Hat die österreichische Politik gut auf die Wirtschaftskrise reagiert?

Lauda: Österreich hat das gemacht, was alle anderen auch gemacht haben. Kein Deuterl mehr, kein Deuterl weniger. Also besonders innovativ waren wir nicht.

 

Aber war das auch gut?

Lauda: Was ich nicht verstehe: Dass man den Banken hoch verzinsliches Geld zur Verfügung stellen musste, das war absolut notwendig. Aber Opel viele Milliarden geben, um ein Unternehmen durch die Krise zu bringen, das nie sonderlich gut funktioniert hat, halte ich nicht für sinnvoll. Ich verstehe nicht, warum da nicht alle anderen Autohersteller aufgeschrien haben.

 

Das heißt, man sollte auch einmal einen Großen sterben lassen.

Lauda: Wer nachweislich Fehler gemacht hat, wird diese Fehler auch weiter machen. Klar wird er versuchen, besser zu sein. Aber wenn sein Produkt nie angekommen ist, hat er eben die Riesenfehler selbst gemacht. Man kann nicht verlangen, dass dann wer anderer zahlen soll. Das würde alles verzerren. Da landen wir irgendwo, wo alles wieder gleich ist. Jeder muss dem anderen helfen wie im Kommunismus. Das kann das Wirtschaftsleben nicht auf solide Beine stellen.

 

Ist die Krise schon vorbei?

Lauda: Die Krise ist noch nicht vorbei, weil die realen Arbeitslosigkeitsprobleme kommen erst auf uns zu. Jeder muss sich jetzt redimensionieren, der vor der Krise unrealistisch gewachsen ist, von der Blase getrieben. Das kostet natürlich Arbeitsplätze. Das dauert noch. Es dürfen halt keine weiteren Fehler gemacht werden.

 

Bisher erschienen: Eva Dichand (7.12.), Eser Akbaba (21.12.), Erich Leitenberger (24.12.), Brigitte Bierlein (28.12.), Wolf D. Prix (29.12.), Berthold Salomon (31.12.), Helmut Draxler (4.1.), Mirna Jukic (5.1.), Gerhard Heilingbrunner (8.1.), Constanze Dennig (11.1.). Karin Gutiérrez-Lobos (12. 1.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2010)

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