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TV-Kritik

"Tatort" Weimar: Strickhöschen und Buchstabensuppe

Der wueste Gobi
Christian Ulmen (Lessing) geht Nora Tschirner (Dorn) diesmal erfolglos an die Wäsche.MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebau
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Wegen der kaputten Heizung gehen die Kommissare Lessing und Dorn in diesem "Tatort" auf Kuschelkurs. Wird aber nichts: "Der wüste Gobi", ein Psychopath und mutmaßlicher Frauenmörder, hält sie auf Trab.

Unsere Wertung für diesen "Tatort":

8,5 von 10 Punkten

Worum geht's in "Der wüste Gobi"?

Fünf Jahre ist "Gobi" in der forensischen Psychiatrie eingesperrt gewesen - weil er angeblich drei Frauen erwürgt hat. Dann gelingt ihm die Flucht, und in seiner Zelle liegt die ermordete Krankenschwester aus dem Nachtdienst. Sie trägt handgestrickte Unterwäsche unter ihrem Schwesternkittel, und sie ist nicht die einzige, die der potente "Gobi" mit seinen Handarbeitskünsten bestrickt hat . . .

Worum geht's noch?

Wem ist hier eigentlich zu trauen? Ist "Gobis" behandelnder Arzt, bei dem ein Kollege ein Borderlinesyndrom vermutet, vertrauenswürdiger als sein Patient, der sich an nichts mehr erinnern kann, weil er seit Jahren mit Medikamenten ruhiggestellt wird? Und: Darf man Psychiatrie-Patienten gegen ihren Willen einer Gehirnoperation unterziehen und ihnen täglich Buchstabensuppe servieren?

Wer ermittelt?

In Weimar ermittelt das Kommissars-Pärchen Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen), die neben dem Job auch als Lebenspartner und Eltern ein Team sind. Diesmal ist das Kind bei den Großeltern und Kira "könnte endlich wieder mal schreien" - aber das wird nichts. Zu kalt (die Heizung ist kaputt), zu beschäftigt (schon wieder eine Leiche), zu öffentlich (im Auto am Polizeiparkplatz . . . keine so gute Idee). Kollege Ludo (Arndt Schwering-Sohnrey) landet bei seinen Annäherungsveruschen an Kira jedes Mal punktgenau im Fettnäpfchen. Und Kommissariatsleiter Kurt Stich (Thorsten Merten) ist ein Typ zum Pferdestehlen: Wenn es darum geht, den verhassten Kollegen vom LKA kollektiv in den Kaffee zu spucken, schaut er demonstrativ und gern weg.

Was gefällt?

"Der wüste Gobi" hat sich auf alle Fälle den Preis für den besten "Tatort"-Titel 2017 verdient. Ein strickender Sexunhold - das ist auch nicht gerade alltäglich: Jürgen Vogel gibt ihn sehr überzeugend als verunsicherten Menschen, der unter Haluzinationen und Sexsucht leidet und dem die Frauen verfallen wie einst die Männer der Mottenfängerin Marlene Dietrich. Auch die Harfenistin Mimi (facettenreich dargestellt von Jeanette Hain) steht auf "Gobi" und will ihn sogar heiraten. Dass auch sie "nicht alle Saiten an der Harfe" hat, merkt man erst auf den zweiten Blick.

Der wueste Gobi
Mimi (Jeanette Hain) will den mutmaßlichen Frauenmörder Gobi (Jürgen Vogel) heiraten.MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebau

Wo hakt's?

Man hat ein bisschen das Gefühl, bei Dorn und Lessing ist die Luft raus (obwohl sie dauernd nur an das eine denken). Die Dialoge sind gekünstelt humorig - das passt zu den beiden Kommissaren, aber dem knorrigen Arzt (Ernst Stötzner) nimmt man Sager wie "Der ist so monogam wie ein Karnickel vor Ostern" einfach nicht ab. Und auch wenn gestrickt wird - so ganz jugendfrei ist dieser Weihnachts-"Tatort" auch nicht . . .

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