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Der Schiedsrichter als Tenniscoach

Der Blick in das New Yorker Arthur Ashe Stadion, mit 22.547 Plätzen die größte Tennisarena der Welt.
Der Blick in das New Yorker Arthur Ashe Stadion, mit 22.547 Plätzen die größte Tennisarena der Welt.USA TODAY Sports
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Nick Kyrgios spielte lustlos und lag weit zurück, als ihm der Schiedsrichter ins Gewissen redete. Der Australier drehte das Match, jetzt steht der Unparteiische im Kreuzfeuer der Kritik.

Plat17, einer der Showcourts mit knapp 3000 Plätzen, die Nachmittagssonne hat die Arena auf mehr als 40 Grad aufgeheizt. Das ewige Supertalent Nick Kyrgios schleicht lustlos über den Platz. Der Australier hat den ersten Satz gegen den Franzosen Pierre-Hugues Herbert verloren und liegt auch im zweiten zurück. Aus dem Publikum sind Pfiffe zu vernehmen. Es folgt der große Auftritt des Schiedsrichters, Mohamed Lahyani.

Die Sache ist nämlich die: Im Profitennis sind offensichtlich lustlose Auftritte verboten. Kyrgios weiß das, es ist nicht das erste Mal, dass der Australier nicht alles gibt. Auch in der Vergangenheit haben ihn Schiedsrichter darauf aufmerksam gemacht. Nun tut das Lahyani, hier in der zweiten Runde der US Open. Doch sorgt die Aktion des Veteranen unter den Unparteiischen aus mehreren Gründen für Kopfschütteln.

 

„Ich möchte dir helfen“

Zunächst steigt Lahyani von seinem Stuhl herunter und spricht aus nächster Nahe mit Kyrgios. Das ist ungewöhnlich, normalerweise beugen sich Schiedsrichter aus dem Sessel in Richtung des Spielers. Außerdem dauert die Unterhaltung relativ lang. Sowohl im Publikum als auch bei den Tonbandmitschnitten ist nicht alles zu verstehen, was Lahyani sagt. Nur so viel: „Ich möchte dir helfen“ und „Du bist großartig für den Tennissport“.

Mehr hat es nicht gebraucht. Noch während des Matches wird der Vorfall unter den Journalisten vor Ort und im Internet heftig diskutiert. Darf denn ein Schiedsrichter so etwas? Der amerikanische Tennisverband, der die US Open organisiert, kündigt sofort an, die Aktion zu untersuchen. Später wird er Lahyani von allen Vorwürfen freisprechen. Der Unparteiische habe bloß gefragt, ob alles in Ordnung sei und Kyrgios angeboten, sich auf dem Platz medizinisch untersuchen zu lassen.

Fakt ist: Der 23-jährige Australier wirkt schon kurz nach dem „Pep-Talk“ des Schiedsrichters wie ausgewechselt. Er dreht den zweiten Satz, gewinnt ihn im Tiebreak. Am Ende geht er mit einem Score von 4:6, 7:6 (6), 6:3 und 6:0 als Sieger vom Platz. In der dritten Runde wartet heute Roger Federer.

Unter Motivationsproblemen wird Kyrgios dieses Mal nicht leiden, er liebt das Rampenlicht, er liebt die großen Spiele. Dreimal haben Federer und Kyrgios bisher gegeneinander gespielt, zweimal gewann Federer, einmal Kyrgios. Alle drei Partien waren denkbar knapp, der jeweilige Sieger setzte sich erst im Tiebreak des Entscheidungssatzes durch. Überhaupt endete nur einer der bisherigen neun Sätze dieses Duells nicht mit einem Tiebreak.

Gegessen ist die Angelegenheit mit dem Freispruch für Lahyani durch den Tennisverband noch nicht. Herbert hat nach dem Spiel ein Statement veröffentlicht, in dem er Sanktionen gegen den Schiedsrichter fordert. Kyrgios gibt er keine Schuld, stellt aber fest, dass sich dessen Verhalten offensichtlich geändert habe, nachdem Lahyani mit ihm gesprochen habe. Der Australier sieht das freilich anders: „Es war kein Coaching, das ist lächerlich“, sagte er in der anschließenden Pressekonferenz.

Angepatzt ist das Image Lahyanis allemal. Zumindest bei diesen US Open wird der renommierte Schiedsrichter, der unter anderem das Finale in Wimbledon 2013 geleitet hat, wohl keine großen Spiele mehr zugesprochen bekommen. Und ganz sicher wird er in nächster Zeit kein Match von Kyrgios mehr leiten.



US Open Ergebnisse

2. Runde, Herren: Federer (SUI-2) – Paire (FRA) 7:5, 6:4, 6:4. A. Zverev (GER-4) – Mahut (FRA) 6:4, 6:4, 6:2. Djoković (SRB-6) – Sandgren (USA) 6:1, 6:3, 6:7 (2), 6:2. Čilić (CRO-7) – Hurkacz (POL) 6:2, 6:0, 6:0. Goffin (BEL-10) – Haase (NED) 6:2, 6:7 (1), 6:3, 6:2. Sousa (POR) – Carreño Busta (ESP-12) 4:6, 6:3, 5:7, 6:2, 2:0 Aufgabe. Schwartzman (ARG-13) – Munar (ESP) 6:2, 6:0, 5:7, 6:2. Millman (AUS) – Fognini (ITA-14) 6:1, 4:6, 6:4, 6:1. Pouille (FRA-17) – Baghdatis (CYP) 6:7 (4), 6:4, 6:4, 6:3. Nishikori (JPN-21) – Monfils (FRA) 6:2, 5:4 Aufg. Kukuschkin (KAZ) – Chung (KOR-23) 7:6 (5), 6:2, 6:3. Gasquet (FRA-26) – Djere (SRB) 6:3, 7:6 (6), 6:3.

2. Runde, Damen: Zurenko (UKR) – Wozniacki (DEN-2) 6:4, 6:2. Kerber (GER-4) – Larsson (SWE) 6:2, 5:7, 6:4. Kvitová (CZE-5) – Wang (CHN) 7:5, 6:3. Garcia (FRA-6) – Puig (PUR) 6:2, 1:6, 6:4. Ostapenko (LAT-10) – Townsend (USA) 4:6, 6:3, 6:4. Sasnowitsch (BLR) – Kasatkina (RUS-11) 6:2, 7:6 (3). Bertens (NED-13) – Di Lorenzo (ITA) 6:2, 6:1. Keys (USA-14) – Pera (USA) 6:4, 6:1. Osaka (JPN-20) – Glushko (ISR) 6:2, 6:0. Scharapowa (RUS-22) – Cîrstea (ROU) 6:2, 7:5. Sabalenka (BLR-26) – Swonarewa (RUS) 6:3, 7:6 (7).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2018)