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Benko greift nach der „Krone“

Der Tiroler René Benko (41) zählt zu den zehn reichsten Österreichern und wagt etwas Neues: Er steigt ins Mediengeschäft ein, mit je 25 Prozent an „Krone“ und „Kurier“.
Der Tiroler René Benko (41) zählt zu den zehn reichsten Österreichern und wagt etwas Neues: Er steigt ins Mediengeschäft ein, mit je 25 Prozent an „Krone“ und „Kurier“.(c) Philipp Horak/picturedesk.com
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Der Investor und Milliardär René Benko bastelt an einer deutschsprachigen Mediengruppe. Als ersten Schritt kaufte er sich über die Funke-Gruppe bei „Krone“ und „Kurier“ ein.

Wien ist ein Dorf. Dass Investor René Benko und „Krone“-Miteigentümer Christoph Dichand am Freitag in Benkos Park Hyatt zu Mittag aßen, hat man in der Stadt registriert – und weitererzählt. Nur die Bedeutung dieses Treffens wurde erst drei Tage später klar. Am Montag teilte Benko mit, dass er 49 Prozent an der WAZ Ausland Holding erworben hat. Über die WAZ hält die deutsche Funke-Mediengruppe 50 Prozent an der „Kronen Zeitung“ und fast die Hälfte am „Kurier“. Durchgerechnet hält Benkos Signa-Gruppe nun 24,5 Prozent an der „Krone“ und 24,22 Prozent am „Kurier“.

Wer den Innsbrucker Investor kennt, weiß, dass er sich nie mit Minderheitsbeteiligungen abgefunden hat. Er will die Kontrolle übernehmen. Wie schon bei diversen Immobilienprojekten, beim Kauf der deutschen Karstadt, der Übernahme von Kaufhof, beim Möbelhändler Kika/Leiner.

Nun steigt der 41-Jährige auch ins Mediengeschäft ein. Benko „schnuppert Medienluft“, stand am Montag auf krone.at zu lesen. Beim Schnuppern wird es vermutlich nicht bleiben.

 

Der Deal

Benkos plötzliches Interesse für Österreichs auflagenstärkste Boulevardzeitung, „Krone“, kommt für viele unerwartet. Tatsächlich soll er ein halbes Jahr mit der Funke-Gruppe verhandelt haben. Warum kauft Benko nicht die ganze WAZ-Holding? Die Dichands haben ein Vorkaufsrecht, falls die Funke-Gruppe die Kontrolle an der WAZ abgibt. Zudem sei die „Krone“ nur ein Puzzlestein in Benkos Medienplan, heißt es. Er wolle mit der Funke-Gruppe als Partner langfristig im deutschsprachigen Raum eine digitale Mediengruppe aufbauen.

Fest steht: Die Funke-Gruppe war mit ihrer 50-prozentigen Beteiligung an der „Krone“ nicht glücklich. Die Deutschen und die Dichands sind seit Jahren über Kreuz. Vielleicht schafft Benko einen Weg aus dem zermürbenden Patt der „Krone“-Eigentümer? Jedenfalls ist vor wenigen Wochen der Streit um das Erbe des „Krone“-Gründers Hans Dichand beigelegt worden. Acht Jahre nach seinem Tod haben sich seine Witwe und die drei Kinder, Michael, Johanna und Christoph, darauf geeinigt, dass jeder von ihnen 12,5 Prozent an der „Krone“ erhält. Um die „Krone“ samt Szepter zu bekommen, braucht Benko die Unterstützung zumindest eines Erben.

 

Die „Krone“

Was will ein Handels- und Immobilieninvestor mit der „Krone“? Den Draht zu den vielen Lesern. Das Blatt wird immer noch täglich von zwei Millionen Österreichern gelesen – online ist die „Krone“ mittlerweile die zweitgrößte Nachrichtenseite des Landes (nach orf.at). Und diese digitale Reichweite hat Benko im Blick. Er will seine Signa-Gruppe mit ihrem „starken Know-how in der Digitalisierung traditioneller Geschäftsmodelle erfolgreich in die Partnerschaft einbringen“. Der Salzburger Professor für Medienökonomie Josef Trappel sagt: „Dabei ist die ,Krone‘ keine Speerspitze für Digitalisierungsinnovation.“ Für die Zeitung habe der neu hinzukommende, dritte Miteigentümer einerseits den Vorteil, dass sich nun der lang währende Konflikt zwischen der Funke-Gruppe und den Dichands lockern könnte. Andererseits, so Trappel, sei „ein Finanzinvestor kein idealer Partner für Medien, weil Medien nicht nur Profitziele haben“.

 

Das Imperium

Gerade erst hat sich der Immobilieninvestor ein Handelsimperium von europäischem Großformat zusammengekauft. Ins Bewusstsein der Österreicher ist Benko im Sommer als Retter der fast insolventen Möbelkette Kika/Leiner gerückt. Aber die Handelsambitionen des Tirolers, der 1999 mit dem Ausbau von Dachböden anfing, gehen weiter zurück.

Schon 2014 übernahm er die strauchelnden deutschen Karstadt-Kaufhäuser. Erst am Freitag gaben die Wettbewerbshüter der Fusion mit Kaufhof ihren Segen. Und während man bei Benkos Handelsimperium vor allem an das KaDeWe in Berlin denkt, hat Signa eher den Ausbau des Onlinegeschäfts im Fokus.

Auch wenn das Kartellgericht dem „Krone“-Deal erst zustimmen muss, wird Benkos Einstieg ins Mediengeschäft schon morgen, Mittwoch groß gefeiert. Da lädt die Signa-Gruppe zum traditionellen Törggelen ins Park Hyatt. Auch die Politik und Teile der Bundesregierung sind dort immer gut vertreten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2018)