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Wenn das Unternehmen pleite ist

Die drohende Insolvenz ist eine kritische Situation für Management und Mitarbeiter. Wie man in dieser Situation dennoch richtig handelt, weiß Personalexperte Michael Pichler.

Seit Tagen hatte es Spekulationen gegeben, nun steht fest: Der Raststättenbetreiber Rosenberger wird am Montag einen Insolvenzantrag stellen. Ziel sei, das Unternehmen zu sanieren, die Arbeitsplätze zu sichern. Derzeit beschäftigt die Rosenberger-Kette an 17 Standorten in Österreich je nach Saison zwischen 600 und 800 Mitarbeiter.

Was aber ist zu tun, wenn doch nicht alle Mitarbeiter zu halten sind? „Mehr als 75 Prozent der Manager sind mit der Kündigung ihrer Mitarbeiter überfordert“, sagt Michael Pichler, langjähriger Personalmanager.

Der Experte rät im Fall der Zahlungsunfähigkeit besonders auf die Mitarbeiter zu achten. Eine Halteprämie etwa gibt den Angestellten die Sicherheit, zumindest noch eine bestimmte Zeit beschäftigt zu bleiben. Dadurch geht das Unternehmen auf Nummer sicher, dass die zu leistende Arbeit noch erledigt wird und die Mitarbeiter erhalten dafür eine Prämie.

"Mitarbeiter persönlich informieren"

Pichler rät, die Mitarbeiter dabei zu unterstützen, schnell wieder in den Arbeitsalltag zu finden. Wenn mehrere Firmen zu einem Konzern verflochten sind, besteht zudem oft die Möglichkeit, Mitarbeiter an Tochterfirmen weiterzuvermitteln. Zusatzleistungen in Form von Bewerbungscoaching oder gratis Bewerbungsfotos geben den Mitarbeitern das Gefühl angemessen wertgeschätzt zu werden. Schließlich sollen sie nach dem ganzen Schlamassel nicht schlecht über das Unternehmen sprechen. "Veranstalten Sie auch ein Abschiedsfest", sagt Pichler, "bei dem alle Mitarbeiter noch einmal zusammenkommen. Die Angestellten fühlen sich dadurch respektiert und geschätzt."

Kommunikation, sagt Pichler, sei in dieser Situation die zentrale Aufgabe des Managements: "Informieren Sie Ihre Mitarbeiter rechtzeitig darüber, dass es zu einer Insolvenz kommt. Schreiben oder rufen Sie jeden persönlich an und bitten Sie sie in die Firma zu kommen, um alles zu besprechen." Das sei nicht einfach und es zahle sich aus, externe Berater einzubinden. Dennoch: "Springen Sie über Ihren eigenen Schatten." Schließlich sollen die Mitarbeiter nicht über die Medien oder andere Ecken über die Insolvenz erfahren.

Michael Pichler hat längjährige Erfahrung als Personalleiter. Er war für verschiedene österreichische, als auch internationale Unternehmen tätig und hat von 2013 bis 2016 die größte Restrukurierung im österreichischen Handel (bauMax-Gruppe) unterstützt. Heute ist er für Zero Project tätig, das sich für die Inklusion in der Arbeitswelt engagiert.