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Kaczyński beigesetzt: "Der Russe" ist gekommen

Kaczyski beigesetzt Aber Russe
Sarg(c) REUTERS (STR)
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In Krakau wurden am Sonntag Präsident Kaczyński und seine Frau beigesetzt. Russlands Staatschef Medwedjew trotzte dem Flugverbot, das russische Staatsfernsehen übertrug die Trauerfeier.

Krakau. Von Stunde zu Stunde wurde die Liste länger. Gegen Mitternacht hatte Barack Obama abgesagt. Der US-Präsident konnte wegen der Aschewolke über Europa nicht nach Krakau zum Begräbnis für Lech und Maria Kaczyński fliegen. Dann die nächsten Absagen: Deutschlands Kanzlerin Merkel, Frankreichs Präsident Sarkozy und sein Kollege Heinz Fischer aus Österreich. Irgendwann hörten sogar die polnischen Nachrichtenagenturen auf, jeden neuen Fehlenden zu vermelden. „Alle, die nicht kommen konnten, sind im Geiste bei uns“, fand Kardinal Stanislaw Dziwisz zu Beginn der Messe in der Krakauer Marienkathedrale tröstende Worte.

Bereits am Vormittag waren die Särge zum Gotteshaus am Hauptmarkt von Krakau gebracht worden. Langsam schob sich die Kolonne durch die engen Gassen der Altstadt. Längs der gesamten Strecke standen ergriffene Menschen, spendeten Beifall und warfen Nelken auf den vorbeifahrenden Leichenwagen, die Lieblingsblumen von Maria Kaczyńska. Die Särge wurden dann unter Glockengeläut für die Trauermesse von Soldaten in die Kirche gebracht.

 

Kein Durchkommen mehr

Auf dem Marktplatz war kein Durchkommen mehr. Rund 50.000 Menschen drängten sich, um der Zeremonie zu folgen. An vielen Stellen waren große Leinwände aufgestellt, auf denen das Volk die Trauermesse verfolgen konnte. Aus allen Landesteilen waren die Menschen nach Krakau geströmt. Viele trugen polnische Flaggen und Bilder der Verstorbenen. Pfadfinder verteilten Wasser an die Wartenden.

Mit einer Schweigeminute begann schließlich um 14 Uhr die Trauermesse. Unter den Klängen von Mozarts Requiem zogen die polnischen Bischöfe in die gotische Basilika ein, wo die von polnischen Flaggen bedeckten Särge des Präsidentenpaares standen. „Es ist schade, dass nicht alle kommen konnten“, bedauert Anna Waszkiewicz das Fehlen der vielen hochrangigen Trauergäste. „Das Schicksal meint es wieder einmal nicht gut mit Polen“, so die Rentnerin. „Aber der Russe ist gekommen“, schiebt Anna Waszkiewicz noch schnell hinterher. „Der Russe“, damit meint sie den Präsidenten Dimitri Medwedjew.

 

Streit um Begräbnisort

Angesichts des Fehlens vieler anderer Staatsgäste setzte der Kreml-Chef mit seinem Kommen – trotz Flugverbots – ein Zeichen der Solidarität mit Polen. Ihm schien es besonders wichtig, an der Trauerfeier teilzunehmen und damit die Annäherung der beiden Staaten voranzutreiben. Das russische Staatsfernsehen übertrug das Staatsbegräbnis direkt.

„Diese beiden Särge sind ein Symbol für die Erinnerung an Katyn“, sagte Kardinal Stanislaw Dziwisz. Damit versuchte er auch zu erklären, weshalb Lech und Maria Kaczyński auf dem Wawel-Hügel begraben werden, der ehemaligen Königsresidenz in Krakau. Sie ruhen dort in der Gruft neben Königen und Nationalhelden, was in Polen zu heftigen Verwerfungen geführt hat. Inzwischen ist geplant, über dem Sarkophag aus hellem Alabaster später eine Gedenktafel mit den Namen aller Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk anzubringen.

Es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass die Kritiker damit umgestimmt werden können. Sie haben angekündigt, aus Gründen der Pietät bis zur Beisetzung des Paares in der Krypta der Wawel-Kathedrale keine Kritik an der Entscheidung zu üben. So hallten gestern am Abend die Salutschüsse für das Präsidentenpaar über die Altstadt von Krakau – und für manche klangen sie wohl wie die Startschüsse zu einem unschönen Streit.

DIE STAATSGÄSTE

Wegen des lahmgelegten
Flugbetriebs konnten nur wenige hohe Politiker zum Begräbnis reisen. Unter ihnen die
Präsidenten Russlands (Dmitrij Medwedjew) und Deutschlands (Horst Köhler).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2010)