Voest: Abschied des Chefs mit Gewinneinbruch

Wolfgang Eder übergibt im Juli nach 15 Jahren den Vorstandsvorsitz der Voest.
Wolfgang Eder übergibt im Juli nach 15 Jahren den Vorstandsvorsitz der Voest.APA/GEORG HOCHMUTH

In seiner letzten Bilanz als Voest-Chef muss Wolfgang Eder einen deutlichen Ergebnisrückgang vermelden. Die Langfrist-Bilanz bleibt aber positiv.

Wien. Wenn Wolfgang Eder Wehmut verspürte, dann hat er sie gut versteckt. Denn obwohl der Voest-Chef am Mittwoch seine letzte Bilanz präsentierte, bevor er Anfang Juli den Vorstandsvorsitz an Stahl-Sparten-Vorstand Herbert Eibensteiner übergibt, wurde die Vorstellung der Vorjahreszahlen relativ nüchtern über die Bühne gebracht. Und Nüchternheit war angesichts der Zahlen auch notwendig. Denn gegenüber dem Rekordjahr 2017/18 mussten die Linzer beim operativen Gewinn einen Rückgang von einem Drittel hinnehmen.

Eder nutzte die Gelegenheit jedoch auch, den Blick noch einmal zurückzuwerfen bis zum Börsengang im Jahr 1995. Und auf den Wandel, den die Voest seither vor allem unter seiner Führung durchgemacht hat. „Damals waren wir ein Stahlkonzern mit einer überdurchschnittlichen Rentabilität“, so Eder. Anfang des Jahrtausends habe man sich jedoch entschlossen, mehr als nur ein Stahlproduzent zu sein. Die Strategie des vertikalen Wachstums war geboren. „Viele haben gemeint, dass das nicht funktionieren wird“, so Eder über einstige Kritiker. Der Erfolg habe den Linzern aber Recht gegeben. So habe sich die Voest über die Jahre in einen erfolgreichen Technologiekonzern gewandelt, der auch abseits von Stahl jegliche Metalle zu hochwertigen Endprodukten verarbeitet.

Wichtiger Schritt auf dieser Reise war die 2007 erfolgte Übernahme und Integration des Edelstahlherstellers Böhler Uddeholm. „Mit einem Volumen von vier Mrd. Euro noch heute die größte Akquisition, die es innerhalb von Österreich je gab“, so Eder nicht ohne Stolz.

 

Voest hat sich verdreifacht

Dem Unternehmen und seinen Aktionären hat diese Strategie jedenfalls gut getan. So verdreifachte sich nicht nur der Umsatz gegenüber dem Niveau von vor 15 Jahren auf 13,6 Mrd. Euro im nun abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19. Auch die Zahl der Mitarbeiter wurde gegenüber damals auf 51.900 mehr als verdoppelt. Und der Börsenkurs, der zum Antritt Eders an der Spitze des Vorstandes im April 2004 bei etwa neun Euro lag, notiert bei rund 23,5 Euro je Aktie. Wiewohl die Aktionäre noch vor etwas über einem Jahr auch Kurse von über 50 Euro gesehen haben.

Der Abschied Eders ist bei all seinem langfristigen Erfolg aber eingetrübt. Zwar erreichte der Umsatz mit einem neuerlichen Plus gegenüber dem Vorjahr ein absolutes Rekordniveau. Beim Gewinn müssen im Vergleich zum äußerst erfolgreichen Geschäftsjahr 2017/18 allerdings deutliche Rückgänge hingenommen werden. So setzt es beim operativen Gewinn vor Abschreibungen ein Minus von fast 20 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro, der operative Gewinn (Ebit) gab sogar mit 33,9 Prozent auf 779 Mio. Euro nach.

Mehrere Gründe werden von der Voest-Führung für diesen Rückgang genannt. So habe einerseits die nach 15 Jahren notwendige Generalüberholung des größten Hochofens am Standort Linz und die damit verbundene dreieinhalbmonatige Produktionspause rund 160 Mio. Euro gekostet. „Ich kann ihnen aber versprechen, dass es so etwas die nächsten 15 Jahre nun wieder nicht geben wird“, so Eder. Hinzu kamen aber auch Probleme beim Hochlaufen des Automotive-Werkes im amerikanischen Cartersville sowie eine Rückstellung für eine mögliche Strafe im Grobblech-Kartellverfahren des deutschen Bundeskartellamtes. Wie hoch diese konkret ausfällt, will Eder aber nicht sagen. „Dann weiß die Behörde ja, wie viel sie von uns verlangen kann.“

Außerdem habe es im Vorjahr eine starke Verteuerung von Eisenerz gegeben. Der Preis sei innerhalb von sechs Monaten von 65 auf 105 Dollar je Tonne gestiegen. An die eigenen Kunden habe man die Kosten aber nur zum Teil weitergeben können. Das habe zu einem höheren Umsatz bei geringerem Gewinn geführt.

Das Rekordergebnis des Vorjahres hat Eder somit knapp für seine Abschiedsbilanz verpasst. Dennoch sieht er den Konzern gut für seinen Nachfolger Eibensteiner aufgestellt, wenngleich sich dieser neuen Herausforderungen stellen müsse. So seien der zunehmende globale Protektionismus, die Diskussion um CO2 und die damit verbundene Frage, ob mit verschärften Regeln in Europa noch Stahl produziert werden könne und der Wandel in der Auto-Industrie die wichtigsten Einflussfaktoren der Zukunft. Eder selbst will diese Themen aus dem Voest-Aufsichtsrat begleiten. Trotz jüngster Kritik plant er einen fliegenden Wechsel vom Vorstand in das Kontrollgremium.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2019)