"Riesenproblem": Pfanner klagt über Umsatzeinbußen durch Fachkräftemangel

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PFANNERFrederick Sams
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Der Vorarlberger Getränkehersteller Peter Pfanner schlägt Alarm: Viele Aufträge habe man nicht abarbeiten können, weil das Fachpersonal fehlt. Von der Politik fordert er einen „Abbau der Überbürokratisierung“.

Der Chef des traditionsreichen Vorarlberger Getränkeproduzenten Hermann Pfanner Getränke mit Sitz in Lauterach, Peter Pfanner, beklagt den Fachkräftemangel massiv. "Der Fachkräftemangel ist ein Riesenproblem", sagte er in der Ö1-Reihe "Saldo" am Freitag. Im vorigen Sommer mit besonders vielen Aufträgen habe man nicht alles abarbeiten und so "5 bis 10 Prozent" an Umsatz nicht lukrieren können.

Es habe schlicht am geeigneten Fachpersonal gefehlt, bedauerte Pfanner. Das Hauptthema, um dem Fachkräftemangel zu entgegnen, sei Bildung. In diese gehöre investiert. Zudem müsse Österreich "offen sein für qualifizierte Zuwanderung. Ich bin überzeugt, ohne qualifizierte Zuwanderung wird das Problem des Fachkräftemangels nicht zu lösen sein."

Pfanner fordert von der Politik auch einen "Abbau der Überbürokratisierung". Überhaupt brauche es mehr unternehmerisch denkende Menschen in der Politik. Kernproblem der heimischen Politik sei, dass sich die Player "zu stark ideologisch begegnen". Dabei sollten sie sich stärker um Sachpolitik und Lösungsansätze kümmern.

Mehr:
>>> Peter Pfanner im „Presse"-Interview: "Ich kann das Geld eh nicht ausgeben"

Wachstumschancen in Asien und Afrika

Für seinen Getränkekonzern, der am internationalen Markt mit Weltgrößen wie Nestle, Coca Cola und Pepsi Co. konkurriert, sieht Pfanner Wachstumschancen in Asien und mittelfristig auch in Afrika. Pfanner habe Chancen, wenn sich ein Land stabilisiere und die Nachfrage nach Qualität steige. Auf die Produktion bezogen sei Pfanner "Übersee zu weit weg. Wir haben in Europa noch viele Möglichkeiten." Derzeit produziert Pfanner in Österreich (Lauterach und Enns), Deutschland (Hamburg), Italien (Policoro) und der Ukraine (Bar).

Pfanner macht nicht nur Eistee und Säfte, sondern ist mit Spirituosen auch hochprozentig unterwegs. "Wir wollen diese kleine aber älteste Sparte, in der viel Herzblut drinsteckt, auf hohem Niveau weiterentwickeln. Es ist der Tradition geschuldet, die besten Destillate herstellen zu können", sagte Pfanner zu Ö1.

Obst verarbeitet Pfanner seit 1856. Inzwischen ist die fünfte Generation am Werk. Exportiert wird in mehr als 80 Länder. Bei der Verarbeitung von "Fair-Trade"-Produkten zählt die Familien AG zur Weltspitze. Seit gut 20 Jahren leitet Peter Pfanner die Getränkefirma. Der Umsatz erreichte im Vorjahr 289 Mio. Euro. Europaweit zählt das Unternehmen 850 Mitarbeiter, davon in Österreich gut die Hälfte.

>>> Pfanner im „Ö1"-Interview

(APA)

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