EZB stellt Weichen für Zinssenkung im September

EZB gespiegelt
EZB-Gebäude in FrankfurtAPA/dpa/Frank Rumpenhorst

Die Europäische Zentralbank lässt den Leitzins unverändert bei 0,0 Prozent. Auch der Einlagenzins bleibt weiter vorerst bei minus 0,4 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) öffnet angesichts düsterer Wirtschaftsaussichten und schwacher Inflation die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Europas Währungshüter gehen davon aus, dass die Zinsen mindestens über die erste Hälfte des Jahres 2020 auf ihrem aktuellen Niveau oder "darunter" bleiben werden, wie die Notenbank am Donnerstag mitteilte.

Eine von Sparern erhoffte und von Kreditnehmern befürchtete Zinswende rückt damit in die Ferne. Zugleich bekräftigte die Notenbank, ihre Bereitschaft, alle Instrumente einzusetzen, sollte sich der Inflationsausblick weiter verschlechtern. Dabei sollten auch Optionen für neue Anleihekäufe geprüft werden.

Am Donnerstag beließen die Währungshüter den Leitzins unverändert bei 0,0 Prozent. Banken erhalten somit frisches Geld bei der Notenbank zum Nulltarif. Auch an den 0,4 Prozent Strafzinsen, die Kreditinstitute zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, rüttelte die Notenbank nicht. Beobachter rechnen aber damit, dass die EZB auf einer der letzten Ratssitzungen unter ihrem Ende Oktober scheidenden Präsidenten Mario Draghi den Strafzins erhöhen könnte. Um die Banken nicht zu sehr zu belasten sollen Optionen geprüft werden, darunter den Strafzins auf geparktes Geld möglicherweise zu staffeln.

Banktitel legen an Börsen zu

Auch an den Börsen wird bereits fest damit gerechnet, dass die Währungshüter den sogenannten Einlagensatz im September weiter in den negativen Bereich drücken. Schon seit 2014 müssen Geldhäuser auf  ihre Einlagen bei der EZB Strafzinsen zahlen.

Die Wiener Börse hat am Donnerstag nach der Zinsentscheidung deutlich zugelegt. Der ATX wurde um 14.15 Uhr mit 3.079,03 Punkten errechnet,  das ist ein Plus von 1,25 Prozent.

Vor allem Bankaktien reagierten in Wien wie auch an den anderen Handelsplätzen in Europa positiv darauf, dass der Einlagezinssatz nicht gesenkt wurde. Auch die Aussicht auf mögliche neue Anleihekäufe dürfte gestützt haben. Im ATX stiegen die Aktien der Erste Group um 2,10  Prozent auf 34,93 Euro und die Titel der Bawag legten 2,03 Prozent auf 37,22 Euro zu. Für die Papiere der Raiffeisen Bank International (RBI) ging es um 1,03 Prozent auf 22,46 Euro nach oben.

Inflationsziel als Priorität

Der Negativzins soll Geschäftsbanken davon abhalten, Geld zur Notenbank zu tragen. Die Währungshüter wollen die Institute stattdessen dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben. Dies soll die Wirtschaft ankurbeln und zugleich die Inflation anheizen.

Oberstes Ziel der EZB ist eine mittelfristige Teuerungsrate weit genug entfernt von der Nullmarke. Dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise können Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das bremst die Wirtschaft. Im Juni lag die Teuerungsrate im gemeinsamen Währungsraum bei 1,3 Prozent.

Draghi, dessen Nachfolgerin die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde werden soll, hatte jüngst zusätzliche Zinssenkungen und weitere Anleihekäufe als denkbar bezeichnet. Sie gehörten zum Instrumentenkasten der EZB. "Wir werden alle Flexibilität innerhalb unseres Mandats nutzen, um unseren Auftrag zu erfüllen", hatte Draghi versichert.

Den Kauf frischer Staats- und Unternehmensanleihen hatte die EZB Ende vergangenen Jahres beendet. Die Gelder aus auslaufenden Papieren werden aber vorerst wieder investiert. Seit längerem wird spekuliert, Europas Währungshüter könnten das vor allem in Deutschland umstrittene Programm wieder aufnehmen. Seit Beginn der Anleihenkäufe im März 2015 bis Ende 2018 hatte die Notenbank Wertpapiere im Volumen von rund 2,6 Billionen Euro erworben.

Der Euro hat am Mittwoch nach der Zinsentscheidung  nachgegeben und ist auf ein neues Tagestief gefallen. Um 14.00 Uhr stand der Euro bei 1,1114 Dollar. Unmittelbar im Vorfeld der Bekanntgabe war die Gemeinschaftswährung noch im Bereich von 1,1140 Dollar gehandelt worden.

(APA/dpa)