Porträt

Thomas Drozda: Der sozialdemokratische Schöngeist tritt ab

Thomas Drozda.
Thomas Drozda.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Thomas Drozda war wie geschaffen für einen Kulturminister. Als Bundesgeschäftsführer war er nicht die Idealbesetzung. Was man ihm jedenfalls lassen muss: Er ragte aus dem alltäglichen Politikbetrieb heraus.

Die Rolle des angriffigen, giftigen Parteimanagers, die er mitunter spielen musste, passte so gar nicht zu ihm. Die Rolle des Schöngeists hingegen passte hervorragend. Es war auch keine Rolle, die er spielen musste, denn er war und ist so. Und er kultivierte diese auch, kokettierte immer wieder damit. Es war Selbstironie mit leicht überheblicher Note. Er wusste, wer er war, was er konnte, was er wusste.

Wenn man ihm „Thomas, du bist ein Bobo“ nachrief, ihm sein Faible für schöne Künste, gutes Essen und sonstige bourgeoise Vorlieben vorhielt, so zuckte er nicht zusammen, sondern trug diese Vorwürfe wie einen Orden. Und spielte auch von sich aus gern darauf an. Augenzwinkernd, aber doch ernst gemeint.

Auch Thomas Drozda hat eine Aufsteigerbiografie, die in der Zeit von Bruno Kreisky und der anhaltenden Vorherrschaft der SPÖ danach spielt: Gymnasium, Studium der Wirtschaft, nebenbei ein wenig Revoluzzertum bei den Jusos. Danach einer der „Vranitzky-Boys“, einer der jungen, flotten Karrierebewussten im roten Kanzleramt. Sein Sinn für Kunst und Kultur führte ihn dann in die Geschäftsführung des Burgtheaters. Danach wurde er Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien.

Ein anderer „Vranitzky-Boy“, Christian Kern, holte Thomas Drozda dann in seine Regierung – als Kanzleramtsminister und Regierungskoordinator. Als sein engster Mitstreiter war Drozda auch in die verunglückte Kampagne des Wahlkampfs 2017 involviert. Allerdings rettete Drozda noch, was zu retten war. So wurde damals die Anekdote erzählt, dass Tal Silberstein Christian Kern mit dem Anzug in die Donau springen lassen wollte. Drozda habe das verhindert.

Dennoch kam es rund um diese Zeit zur Entfremdung zwischen Thomas Drozda und Christian Kern. Als Kern dann überraschend zurücktrat und Pamela Rendi-Wagner übernahm, war Drozda wieder groß da. Die beiden kannten sich seit Langem privat, Rendi-Wagners Mann war Drozdas Kabinettschef im Ministerium gewesen. Thomas Drozda war nun Pamela Rendi-Wagners engster Vertrauter. Sie machte ihn zum Bundesgeschäftsführer statt Max Lercher. Was zum ersten großen Unmut unter den SPÖ-Funktionären führte. Für sie war Lercher einer von ihnen, der vom Lebensstil her weit bürgerlichere Thomas Drozda nicht.

So wirklich eins wurden Drozda und die Partei dann auch nicht mehr. Die Bilanz als Bundesgeschäftsführer war durchwachsen. Gestern trat er von diesem Amt zurück.

Einer wie Thomas Drozda ist wie geschaffen für das Amt eines Kulturministers – im Idealfall, wenn es nebenbei noch einen zugkräftigen Kanzler und einen unprätentiösen, aber patenten Parteigeschäftsführer gibt, der den Laden organisatorisch am Laufen hält und den Gegner, wenn nötig, niederbeißt. So wie es früher bei der SPÖ unter Bruno Kreisky war. Oder heute bei der ÖVP unter Sebastian Kurz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2019)