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Fokus auf Hausgeschichte

"Man spürt die Burg wieder"

Worauf stößt man, renoviert man ein 750 Jahre altes Gemäuer? Architekt Arthur Steiner über Epochen, Überraschungen und Materialsuche auf Burg Schlaining im Südburgenland.

60.000 Tonnen Schutt entsorgt, 180.000 Meter Kabel und Leitungen verlegt, unzählige Entscheidungen getroffen: „Ein historisches Gebäude zu restaurieren, ist immer eine große Herausforderung“, weiß Arthur Steiner von Steiner de Beer Architekten. „Es gilt, den historischen Originalzustand zu erfassen, die passenden Baumaterialien zu finden, den Spagat zwischen Erhaltungswürdigkeit und geltenden Baubestimmungen zu meistern.“

3-D-Scans statt Baupläne

„Wir hatten keine Baupläne. Um uns ein Bild machen zu können, wurde das Gebäude mittels 3-D-Verfahren gescannt und analysiert“, erzählt der Architekt. „Wir fanden heraus, dass hier ursprünglich eine Ansiedlung ohne Befestigung stand, ab dem späten 13. bis in das 16. Jahrhundert wurde die Burg in mehreren Umbauphasen erweitert.“ Das ursprüngliche Niveau der Burg lag früher um einiges tiefer, da Tor und Brücke anno 1648 neu errichtet wurden.

Ansicht von 1825.Unbekannt

Erbaut wurde die heute 8000 Quadratmeter und 117 Räume fassende Burg an einer einst wichtigen Mautstraße, vom Söldnerführer Andreas Baumkircher um 1461 zu einer Festungsanlage ausgebaut, der auch den Ort Stadtschlaining gründete. Nach 1683 verlor die Burg an Bedeutung, es bildete sich eine jüdische Gemeinde unter dem Schutz der damaligen Besitzer, der Familie Batthány. 1849 fiel die Burg neuen Besitzern zu, seit den 1980er-Jahren wurde sie als Ort des Dialogs und der Konfliktforschung zur Friedensburg ernannt.

Brücke vom Ort Stadtschlaining zur Burg.Baumit

Was gilt bei so viel Geschichte als Originalzustand? Steiner: „Wichtig ist alles, auch die Restaurierungsarbeiten des 20. Jahrhunderts stehen unter Denkmalschutz.“ Letztlich sei die Renovierung ein Kompromiss, wobei die Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt sehr gut war. „Es haben sich alle ein bisschen ,verbogen‘, um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden.“ Denn das ist die Crux bei historischen Gebäuden: Barrierefreiheit, leichte Zugänglichkeit und moderne Haustechnik mit dem historisch gegebenen Bauzustand zu vereinbaren. „Wir haben etwa das Stiegenhaus vergrößert, aber in der gleichen Form weitergebaut, um einen Lift einbauen zu können“. Letztlich galt das „Einfügegebot“: Maßnahmen müssen sich harmonisch einfügen. Das gilt auch für Fenster: In 171 Räumen insgesamt 343, das älteste von 1750.

Ägyptisch Blau, Klosterboden

Natürlich gab es auch spektakuläre Entdeckungen: Im dritten Obergeschoß wurden im Turmzimmer Wand- und Deckenfresken gefunden, bei denen Ägyptisch Blau verwendet wurde, eine Farbmischung, die zu den ältesten künstlich hergestellten Farbpigmenten gehört und in Europa bei Wandmalereien sehr selten zu finden ist. In zwei Sälen entdeckte man, nachdem man den Boden („genau genommen waren es sogar drei übereinander“, präzisiert Steiner) abgetragen hatte, einen darunter liegenden historischen „Klosterboden“: dunkle Holzbänderungen in Eiche, die eingebettete Holzfelder aus Nadelholz umschließen, eine Struktur, die an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert entstanden sein dürfte.

Zum Objekt, zum Ort

Die Burg Schlaining wurde 1271 erstmals als „castrum Zloynuk“ erwähnt, ab 1786 heißt sie wie der kleine Ort Schlaining im Südburgenland, wo sie sich befindet. Die Idee der „Friedensburg“ entstand im Kalten Krieg. 1983 wurde das Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) hier untergebracht, nun finden wieder Ausstellungen, Konzerte und Tagungen statt.

Häuser kosten im Bezirk Oberwart durchschnittlich 1500 Euro/m2, Grundstücke im Schnitt 70 Euro/m2.

Eine weitere Herausforderung ist es, die passenden Baumaterialien zu finden. Als die Burg ge- und weitergebaut wurde, gab es nur natürliche Baumaterialien, einige sind nicht mehr vorhanden. „Wir haben, so gut es ging, die Materialien wiederverwendet, die da waren und teilweise mit neuen Materialien gearbeitet, die sich darauf berufen, ähnliche Eigenschaften zu haben“, erklärt Steiner.

Sumpfkalk und Baustopp

Für die Fassade etwa wurde ursprünglich Sumpfkalk verwendet, gelöschter Kalk, der dem Zement beigefügt wird. „Baumit hat dann für die Fassade einen derartigen Baustoff entwickelt“. Zwei Jahre dauerten die Restaurierungsarbeiten, wobei es sogar einen kurzen Baustopp gab, „da ein Teil des Stiegenhauses eingestürzt ist und wir kurzfristig sogar fürchteten, dass der ganze Trakt einstürzt“, was dann aber verhindert werden konnte. Nun ist es vollbracht. Steiner: „Man spürt die Burg wieder.“ Das fanden auch die 13 internationalen Juroren beim fünften Baumit Life Challenge Award, die die Burg Schlaining als Sieger in der Kategorie „Historische Sanierung“ wählten. (Siehe Bildergalerie S. 13-17)